Republikaner-Parteitag: Herman Cain kapert die Romney-Show

Aus Tampa, Florida, berichtet

Ein alter Bekannter wirbelt wieder: Ex-Pizza-Unternehmer Herman Cain kämpfte einst um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Jetzt ist er zurück, mischt die Parteibasis auf - und lässt Mitt Romney vor dessen Krönungsmesse blass aussehen.

AP

Ein paar Stunden vorher haben sie noch eine E-Mail rausgeschickt. Damit nur keiner auf die Idee kommt, sie könnten vor dem herannahenden Sturm "Isaac" kapitulieren. "Die Kundgebung findet statt", schreiben die Leute von der Tea Party. Nein, die rechtspopulistische Graswurzelbewegung kapituliert nicht.

Mag die Regie um Präsidentschaftskandidat Mitt Romney den Beginn des Republikaner-Parteitags in Tampa auf Dienstag oder gar Mittwoch verschieben, weil man einen Hurrikan fürchtet. Mögen Romneys Leute planen und umplanen, Redner vom einen auf den anderen Tag schieben, zusagen und absagen - bei der Tea Party bleiben sie dabei: Treffpunkt am Sonntagabend, The River Church, Tampa.

Cain feiert die Anti-Romney-Party

"Einheitskundgebung 2012" nennen sie ihre Veranstaltung, weil es ja jetzt gemeinsam gegen US-Präsident Barack Obama gehen soll. Schluss mit den parteiinternen Kämpfen. Jetzt wollen sie Mitt Romney unterstützen, den sie rechts außen stets für einen Moderaten gehalten haben. Was soll's.

Doch die Nummer geht schief.

Das liegt nicht an jenem Kongressabgeordneten aus Utah, der eingeflogen ist, um Romney zu preisen. Denn der Mann müht sich ja redlich, erinnert auch daran, wie Romney die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City vor dem Bankrott bewahrt habe; wie er den Angestellten damals aus Kostengründen das freie Mittagessen strich. Okay, Stimmung will da nicht so recht aufkommen. Aber es ist noch nicht der Grund, warum am Ende ein merkwürdiges Gefühl bleibt.

Die Anti-Romney-Party steigt ein paar Minuten später. Da betritt Herman Cain die Bühne der River Church. Die Leute stehen auf, reißen ihre Smartphones in die Höhe, wollen den Moment festhalten. Cain tänzelt über die Bühne. "Dass ihr alle hier seid, das ist eine Botschaft an die Republikaner und an die Regierung Obama", ruft er. In dieser Reihenfolge. Jubel.

Die Botschaft? Die ist klar: Romney mag der Kandidat der Partei sein, aber er sollte besser darauf hören, was die nach rechts gerückte Basis zu sagen hat. Und was Herman Cain dazu meint.

Schon im Dezember stieg der 66-Jährige aus dem Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur aus, als ihm gleich vier Frauen sexuelle Belästigung vorwarfen und eine weitere eine außereheliche Affäre mit ihm gehabt haben wollte. Cain sprach von einer "Schmutzkampagne" der Medien und der politischen Klasse gegen ihn, den Washington-Outsider, den ehemaligen Chef einer Pizza-Kette.

Seinem Heldenstatus unter den Tea-Party-Anhängern haben all die Vorwürfe nicht geschadet. Romney ist Cain suspekt, er hat sich einmal mit ihm getroffen und über Steuerkonzepte gesprochen. Das war's dann aber auch schon. Einen Auftritt als Redner auf dem Parteitag hat ihm das Team Romney nicht zugebilligt. Genauso wenig wie Ex-Konkurrentin Michele Bachmann. Genauso wenig wie Ex-Konkurrent Ron Paul. Kein Wunder, dass sie nun alle ihre privaten Auftritte rund um Tampa suchen.

Keiner aber legt so eine Show hin wie Herman Cain in der Kirche.

Er trägt seine goldene Lieblingskrawatte ("Gold ist meine Kraftfarbe"), seine Gestik ist raumgreifend, die Stimme stark. Die Leute würden ihn fragen, ob er enttäuscht sei, nicht auf der Convention reden zu dürfen. "Nein!", ruft Cain: "Es geht ja nicht um mich, es geht um unsere Enkel." Vor allem aber scheint es nicht um Mitt Romney zu gehen, denn dessen Name erwähnt Cain gar nicht erst.

Cain genießt

Seltsam, ja grotesk wirkt das in einer Woche, in der sich doch alles um den Kandidaten drehen soll, zumindest bei den Republikanern. Romney muss am Donnerstag die wichtigste Rede seiner Karriere halten. Und die beste sowieso. Cain seinerseits spricht von der "ultimativen Mission" der Republikaner: der Ablösung des Präsidenten. Aber dass Romney ins Weiße Haus gehöre, das sagt er nicht.

Dafür skandiert die Menge jetzt "Herman, Herman, Herman" und "USA, USA, USA". Immer hübsch im Wechsel. Cain genießt. Er macht noch ein bisschen Werbung für Kongresskandidaten im Publikum, lässt sie aufstehen, lässt sie scheinen. Kandidaten für die Hinterbank des US-Parlaments eben. Aber noch immer kein Wort über Romney. Langsam wird es peinlich.

Doch Cain setzt noch eins drauf, indem er jetzt erstmal Romneys Vizekandidaten Paul Ryan feiert: Der habe dem Spitzenkandidaten "Energie zugeführt". Was heißt denn das im Umkehrschluss? Die Antwort dürfte kaum einem Zuhörer entgangen sein, fast alle hier halten Romney für zu blass, zu steif.

Doch je näher der Wahltermin im November rückt, desto zurückhaltender geben sich einfache Parteigänger mit ihrer Kritik. Nicht so Cain. Der meint es ernst: Der beste Grund für Mitt Romney ist aus seiner Sicht Paul Ryan. Dessen Nominierung bedeute "einen Sieg für die USA". Der zweitbeste Grund sei Romneys Wissen um Haushalt und Finanzen. Jetzt, endlich, kommt Romney mal selbst vor. Cain sagt das wirklich so: "zweitbester Grund".

Diese Dreißig-Minuten-Rede dürfte in den nächsten Tagen während des auf Hochglanz getrimmten Parteitags ihresgleichen suchen. Herman Cain wusste jenes Polit-Vakuum zu nutzen, das sich dieser Tage durch den heraufziehenden Sturm gebildet hat, durch die Verschiebung des Parteitags. Und das zeigt, wie schwer es Romney nach wie vor fällt, die Basis seiner eigenen Partei zu begeistern.

Da wird letztlich keine noch so glanzvolle Inszenierung auf der Republikaner-Convention helfen.

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1. Stimmt das so??
Diwoka1 27.08.2012
Zitat von sysopDenn der Mann müht sich ja redlich, erinnert auch daran, wie Romney die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City vor dem Bankrott bewahrt habe; wie er den Angestellten damals aus Kostengründen das freie Mittagessen strich. Hermann Cain statt Romney begeistert Republikaner vor Parteitag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852236,00.html)
Selbst auf dem Republikanerkongreß erscheint es mir widersinnig sich nur mit rudimentären Kürzungen zu beschäftigen. Hat der Redner nicht eher gesagt: " There is no free lunch!" zu Deutsch: wer nichts schafft, kriegt auch nichts?
2.
DJ Doena 27.08.2012
Zitat von Diwoka1Hat der Redner nicht eher gesagt: " There is no free lunch!" zu Deutsch: wer nichts schafft, kriegt auch nichts?
"There's no free lunch." meint aber eigentlich "Es gibt nichts umsonst." bzw. "Alles hat einen Preis."
3. Spiegel und SPON
JackBeauregard 27.08.2012
Hier liegen also die Unterschiede zwischen dem Spiegel und SPON. Kein Wunder, dass es da "unterschiedliche Ansichten" hinsichtlich der journalisten Arbeit gibt. Im Spiegel spricht Marc Hujer (35/2012) von einem "verdummenden Wahlkampf", es werden zwar ebenfalls die ambivalenten Ansichten der GOP und deren Wählern nicht herausgestellt, aber die Dinge werden klar benannt. Herr Fischer macht für SPON allerdings - wenn man ehrlich ist - 100%ige boulevardeske, niveauarme Artikel ohne journalistischen Anspruch. Da werden Interviews mit Lisa Ann geführt und abenteuerliche Dinge hineininterpretiert, dass diese Artikel den Namen nicht verdienen.
4. Die offizielle Show
gandhiforever 27.08.2012
Zitat von sysopEin alter Bekannter wirbelt wieder: Ex-Pizza-Unternehmer Herman Cain kämpfte einst um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Jetzt ist er zurück, mischt die Parteibasis auf - und lässt Mitt Romney vor dessen Krönungsmesse blass aussehen. Hermann Cain statt Romney begeistert Republikaner vor Parteitag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852236,00.html)
soll dem Kandidaten und dem Volk Einigkeit vorgaukeln, doch wie wenig die eigenen Parteileute bereit sind, sich Romney unterzuordnen, hat schon der Fall Akin gezeigt. Der ist weiterhin Kandidat, Huckabee staerkt ihm den Ruecken. Und nur mit Mitteln, die sehr nach Diktatur riechen, gelingt es , dieses Einigkeitsbild aufzubauen. Potentielle Abweichler werden nicht eingeladen, duerfen nicht reden. Aber eigentlich entspricht das Vorgehen der Parteilinie. Mit Demokratie hat man nicht viel am Hut, auch nicht innerhalb der eigenen Partei.
5. tatsächlich kein Gratismittagessen...
stammtischhistoriker 27.08.2012
Zitat von Diwoka1Hat der Redner nicht eher gesagt: " There is no free lunch!" zu Deutsch: wer nichts schafft, kriegt auch nichts?
Das hab ich auch zuerst gedacht, es bietet sich ja fast an: "there is not such thing as a free lunch"... ist aber nicht so, er hat tatsächlich das Gratis-Catering gestrichen, und den Leuten Pizzastücke für einen Dollar, und die Gratiscola für 25c verkauft. Man muss ihm lassen, das und viele andere Einsparungen haben wohl die Spiele vor einem massivem Defizit gerettet. Quelle: (keine Ahnung welche Agenda die haben...) How Mitt Romney Turned Around the 2002 Olympic Games in Salt Lake City « Battleground Watch (http://battlegroundwatch.com/2012/07/26/how-mitt-romney-turned-around-the-2002-olympic-games-in-salt-lake-city/)
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