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Herzinfarkt: Letzte Ölung für Ex-Diktator Pinochet

Nach seinem Herzinfarkt und einer anschließenden Notoperation schwebt der chilenische Ex-Diktator Pinochet in Lebensgefahr. Der 91-Jährige erhielt auf dem Krankenbett bereits die Sterbesakramente. Am Abend entschlossen sich die Ärzte zu einer zweiten Operation.

Santiago de Chile – Chiles früherer Diktator Augusto Pinochet ringt mit dem Tod. Der General war in der Nacht gegen 2 Uhr mit einem Herzinfarkt aus seinem Anwesen in eine Klinik der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile eingeliefert worden. Bei dem 91-jährigen Patienten sei im Militärkrankenhaus mit einem Katheter die Verstopfung einer Herzarterie beseitigt und die betreffende Arterie anschließend stabilisiert worden, zitierte die Zeitung "El Mercurio" den behandelnden Arzt Juan Ignacio Vergara. Auch die Lunge, in der sich Flüssigkeit angesammelt habe, sei betroffen. Der Zustand Pinochets sei "ernst, aber stabil", aber die Entwicklung von Herzinfarkten sei immer schwer vorherzusagen, habe der Arzt hinzugefügt. Am Abend meldete dann das staatliche Fernsehen, das Ärzteteam habe sich zu einer Bypass-Operation entschlossen.

Pinochets Sohn Marco Antonio Pinochet Hiriart teilte mit, das Leben seines Vaters liege in den "Händen Gottes und der Ärzte". Pinochets Frau Lucia Hiriart und andere Familienangehörige des früheren Machthabers versammelten sich in der Klinik. Der Sprecher der Familie, General Guillermo Garín teilte mit, Pinochet habe auf dem Krankenbett die letzte Ölung erhalten. Die letzte Ölung wird von der katholischen Kirche den Gläubigen gespendet, wenn mit ihrem baldigen Tod gerechnet werden muss.

Vor einer Woche hatte der frühere Machthaber, der auch an Diabetes und Arthritis leidet und nach mehreren Schlaganfällen auf einen Herzschrittmacher angewiesen ist, seinen 91. Geburtstag gefeiert und sich dabei kurz einer Gruppe von Anhängern vor seinem Haus gezeigt. Dabei hatte er sich mit fremder Hilfe sogar aus dem Rollstuhl erhoben. In einer Erklärung zu seinem Geburtstag hatte Pinochet die politische Verantwortung für die Ereignisse nach seinem Putsch von 1973 übernommen.

Pinochet, der Chile bis 1990 mit eiserner Faust als Chef einer Militärjunta regierte, stand zuletzt in seiner Villa in einem Vorort Santiagos unter Hausarrest, nachdem in vergangenen Woche gegen ihn Anklage wegen Entführung und Ermordung von zwei Leibwächtern des von ihm gestürzten Präsidenten Salvador Allende erhoben wurde.

Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes sind bisher keine Gerichtsverfahren gegen Pinochet in Gang gekommen, in denen seine Verantwortung für den Tod von mehr als 3000 Dissidenten und das Verschwinden von mehr als 1000 politischer Gegner geklärt werden sollte. Während seiner Diktatur wurden laut einem offiziellen Bericht bis zu 30.000 Regimegegner ins Gefängnis gesteckt und gefoltert, 200.000 Menschen gingen ins Exil.

phw/reuters/dpa/AFP

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Chile: Ex-Diktator Pinochet gestorben

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