Hilfe für Rebellen London schickt Militärberater nach Libyen

Die Aufständischen in Libyen geraten immer stärker in die Defensive - jetzt schickt die britische Regierung erfahrene Militärexperten in das nordafrikanische Land. Sie sollen die Rebellen im Kampf gegen Gaddafi unterstützen.

Rebellen in Libyen: Die Aufständischen sollen Hilfe aus Großbritannien bekommen
DPA

Rebellen in Libyen: Die Aufständischen sollen Hilfe aus Großbritannien bekommen


London/New York - Die Nato gibt sich im Kampf gegen Libyens Despoten Muammar al-Gaddafi entschlossen: "Es geht nicht nur darum, Panzer in der Nähe von Misurata zu zerstören, wir greifen im ganzen Land an", sagte General Mark Van Uhm, Chef der Einsatzleitung im militärischen Nato-Hauptquartier Shape, am Dienstag.

Aber genügen die Luftangriffe, um die libyschen Aufständischen im Kampf gegen den Despoten zu unterstützen? Die britische Regierung will jetzt zusätzliche Hilfe leisten, indem sie Militärexperten in das Land schickt. Es sollen "erfahrene Militärberater" in die Rebellenhochburg Bengasi entsendet werden, teilte der britische Außenminister William Hague am Dienstag mit.

Die Stärke des Kontingents nannte Hague nicht. Dem britischen Rundfunksender BBC zufolge geht es um zehn Experten, die die Rebellen trainieren und bei der Logistik unterstützen sollen.

Hague betonte demnach, dass die Militärexperten nicht an Kämpfen teilnehmen würden und dass ihre Entsendung in Einklang mit der Uno-Resolution stehe. Der Einsatz der Experten diene dem Schutz der Zivilbevölkerung.

Hague hatte zuvor mehrfach erklärt, Waffenlieferungen an die libyschen Rebellen seien nicht vorgesehen. Großbritannien hatte den Aufständischen bisher bereits mit schusssicheren Westen und mit Satellitentelefonen geholfen.

Die Nato hatte zuletzt schwere Vorwürfe gegen das Gaddafi-Regime erhoben: Soldaten des Despoten würden sich als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken, von Moscheedächern schießen und Frauen und Kinder als Schutzschilde missbrauchen, sagte der Kommandeur des Libyen-Einsatzes, General Charles Bouchard, dem kanadischen Fernsehsender CBC. Den Nato-Kampfpiloten, die nach einem Uno-Sicherheitsratsbeschluss vom März die libysche Zivilbevölkerung schützen sollen, seien die Hände gebunden, sagte Bouchard weiter.

Aufständische sprechen von 10.000 Toten

Nach Angaben der Rebellen sind beim Aufstand gegen das Gaddafi-Regime bisher 10.000 Menschen getötet worden. Unterdessen hoffen Uno-Hilfsorganisationen nach entsprechenden Zusicherungen aus Tripolis auf Zugang zu der seit Wochen belagerten Rebellenhochburg Misurata. Nach Zusagen des Regimes in Tripolis sollen Uno-Organisationen nun Zugang nach Misurata bekommen, um die humanitäre Lage einzuschätzen und Hilfslieferungen auf den Weg zu bringen. Bislang kann die eingeschlossene Stadt nur über See erreicht werden. Die Chefin des Uno-Nothilfebüros OCHA, Valerie Amos, und der Uno-Sonderbeauftragter Abd al-Elah al-Chatib hatten am Wochenende von libyschen Vertretern einen Landkorridor zugesichert bekommen, verlautete am Montag am Uno-Sitz in New York.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) kann nun auch über Land von Tunesien aus Hilfe für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen im Westen Libyens geleistet werden. Auf ein entsprechendes Abkommen zur Zusammenarbeit habe man sich mit dem Roten Halbmond Libyens geeinigt, teilte das WFP in Genf mit. Die libysche Regierung habe "durchblicken lassen", dass sie keine Einwände habe.

Ein erster Konvoi von acht Lastwagen mit 200 Tonnen Weizen und mehr als neun Tonnen energiereicher Kekse habe am Montag die tunesische Grenze in Richtung Westlibyen überquert. Die Nahrungsmittel sollen in Tripolis und anderen Städten verteilt werden - das umkämpfte Misurata ist allerdings nicht darunter. Mit der Lieferung könnten fast 50.000 Menschen einen Monat lang ernährt werden.

Deutschland stockt Libyen-Hilfe auf

Nach libyschen Oppositionsangaben vom Dienstag wurden in den letzten zwei Tagen bei den Angriffen auf Misurata Dutzende Menschen getötet. Im Hafen der Stadt sitzen immer noch mehr als 3000 afrikanische Gastarbeiter fest, die darauf warten, mit Schiffen internationaler Hilfsorganisationen in Sicherheit gebracht zu werden.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der sich am Dienstag zu einem Besuch in Kairo aufhielt, versprach Hilfe für die drittgrößte libysche Stadt. "Die Bilder aus Misurata sind bestürzend", sagte Westerwelle. "Wir werden die Menschen, die dort leiden, nicht allein lassen." Deutschland wolle "seinen Beitrag dazu leisten, dass Hilfsgüter nach Misurata kommen, aber auch dass Menschen aus Misurata evakuiert werden können". Deutschland stocke seine humanitäre Hilfe für Libyen um zwei Millionen Euro auf sieben Millionen Euro auf, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

hen/AFP/dpa



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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
Kalleblom 19.04.2011
1. Wieso
brauchen die denn Berater, das sind doch alles Al-Qaida Kämpfer die teils die Ausbildung durch die CIA erhalten haben, bzw. von CIA ausgebildete erfahrenen Kämpfer die die Libyer ausbilden. Bin gespannt was daraus wir.
Erhan24 19.04.2011
2. Rebellen
Die Rebellen sind also nur ein Werkzeug...
turo 19.04.2011
3.
Das ist wäre reiner Schwachsinn und nur das Leid von Zivilisten auf beiden Seiten verlängern. Frage an SPON? Warum heizen Sie die Sache so an. Stimmen Ihre Beiträge überhaupt? Ich habe da meine Zweifel.
Jonny_C 19.04.2011
4. Aus der Geschichte nichts gelernt.
So begann für die US Amerikaner das Vietnam-Disaster, mit ein paar Militärberatern.
Andreas58 19.04.2011
5. Revolution
sieht anders aus
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