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Streit um Hilfskonvoi für Ostukraine: Kiew wirft Russland "grenzenlosen Zynismus" vor

AP

Der Streit um den russischen Konvoi, der Hilfsgüter in die Ostukraine liefern soll, verschärft sich. "Erst schicken sie Panzer, dann Wasser und Salz", sagte der ukrainische Premier Jazenjuk.

Moskau/Kiew - An der Grenze halten sich laut Medienberichten auf ukrainischer Seite bereits Polizei und Grenzschutz bereit. Sie warten auf den russischen Konvoi mit Hilfgütern. Was geschieht, wenn die Kolonne aus 287 Lastwagen den Übergang erreicht, ist noch völlig offen. Allerdings bleibt die ukrainische Regierung bei ihrem "Nein" zu einer Grenzüberfahrt. Zudem kritisiert sie das russische Vorgehen scharf.

Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk warf Russland "grenzenlosen Zynismus" vor. "Zuerst schicken sie Panzer, Grad-Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen, und dann schicken sie Wasser und Salz", sagte er bei einer Kabinettssitzung. Zuvor hatte Innenminister Arsen Awakow die Entsendung des Konvois auf Facebook als unannehmbare "Provokation eines zynischen Aggressors" bezeichnet.

Nach Fernsehberichten werden die Lastwagen am Nachmittag am Kontrollpunkt Schebekino-Pletnewka erwartet. Der Grenzposten liegt zwischen der südrussischen Region Belgorod und dem nordostukrainischen Charkiw, das von Regierungstruppen kontrolliert wird.

An Bord der Fahrzeuge sind nach russischen Angaben 2000 Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Stromgeneratoren. Die weiß gestrichenen Militärtransporter sind seit dem Mittwochmorgen wieder unterwegs, sie starteten in Woronosch, das etwa 350 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt liegt.

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Russischer Konvoi für Ukraine: 280 Lastwagen, keine Durchfahrt
Nach Angaben des russischen Außenministeriums sollen die Güter an der Grenze nicht umgepackt werden, sondern die Lastwagen ukrainische Nummernschilder bekommen. Später sollen sie dann unter Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) weiterfahren, hieß es aus Moskau. Dies sei so mit den Ukrainern und IRK abgesprochen.

Das sieht man beim Roten Kreuz anders. Das IRK sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, man wisse von diesen Plänen nichts. Russische Medien meldeten am Mittwoch, dass das IRK eine Liste der humanitären Güter erhalten habe. Dies bestätigte ein Sprecher des Roten Kreuzes auf Nachfrage, die Listen seien allerdings nicht detailliert genug.

Kiew befürchtet, dass der Kreml unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen für prorussische Milizen transportieren könnte. Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew warf Russland vor, mit dem Konvoi schweres Kriegsgerät in die Ukraine schmuggeln zu wollen.

Hilfe für die Menschen in Luhansk

Die prorussischen Separatisten wollen, dass die Hilfsgüter zunächst nach Luhansk gebracht werden. Die Lage in der Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern gilt als besonders dramatisch. Der Ort ist seit zehn Tagen von der Wasser- und der Stromversorgung abgeschnitten.

In der Ostukraine gibt es weiter schwere Kämpfe um die Ortschaft Miussinsk nahe Luhansk, wie die ukrainische Armee und Separatisten übereinstimmend meldeten. Ebenso umkämpft sei Ilowaisk südöstlich der Separatistenhochburg Donezk, die ebenfalls unter Beschuss stand. Die Milizen berichteten zudem von weitreichenden Stromausfällen.

Mindestens fünf Zivilisten seien bei heftigen Gefechten getötet worden, teilte der Stadtrat in Donezk am Mittwoch mit. Die ganze Nacht seien Explosionen zu hören gewesen. Ein Sprecher der Separatisten sagte der Agentur Interfax, damit sei die Zahl der Toten seit Wochenbeginn auf etwa 60 gestiegen.

jok/heb/Reuters/dpa

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Vor Ort entscheiden
max_schwalbe 13.08.2014
Das Rote Kreuz soll sich die LKW an der Grenze genau anschauen und wenn keine Waffen drin sind, dann so schnell wie möglich rein damit zur notleidenden Zivilbevölkerung! Wenn versucht wird, den Konvoi wegen kleiner Details zum Erliegen zu bringen, wäre das in höchstem Maße unverantwortlich.
2. Zynismus?
balduinbandwurm 13.08.2014
Zitat von sysopAPDer Streit um den russischen Konvoi, der Hilfsgüter in die Ostukraine liefern soll, verschärft sich. "Erst schicken sie Panzer, dann Wasser und Salz", sagte der ukrainische Premier Jazenjuk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hilfs-konvoi-ukraine-wirft-russland-grenzenlosen-zynismus-vor-a-985892.html
Panzer Grad Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen gibt es in einem Bürgerkrieg auf beiden Seiten. Zynisch ist dass die Ukraine nicht in der Lage ist, den Menschen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen und jetzt ein solches Theater veranstaltet. Ich glaube nicht, dass man "schwere Kriegsgerät" in einem Glas Babybrei schmuggeln kann. Und wo ist das Problem die Ladung zu inspizieren? - Ist Jazenuk nicht eigentlich zurückgetreten?!
3. Man wird unweigerlich ...
_christoporus_ 13.08.2014
an die Eroberung von Troja erinnert. Im Geschenk an die Trojaner in Form eines Pferdes waren griechische Soldaten versteckt, die dann nachts die Tore öffneten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagte schon Lenin.
4.
jstawl 13.08.2014
Das ist einfach clever von Putin. Lässt man den Konvoi durch, ist die Ukraine blamiert und Putin steht als guter Mensch da, der der Bevölkerung hilft. Lässt man den Konvoi nicht durch, ist die Ukraine der Böse und man hat sogar nen Grund für einen Einmarsch. Lässt man den Konvoi nur nach Verzögerung durch, kann man dann immer noch sagen, dass es so viele Schikanen gab.
5. Hartes Spiel
kategorien 13.08.2014
Hatte ein Autor im Spiegel nicht kürzlich vorgeschlagen, die Annexion der Krim zu legitimieren, um die Situation zu entschärfen? Putin spielt mit harten Bandagen, nur mit Blick auf die eigenen Profite. Egal, wie die ukrainische Regierung sich jetzt entscheidet, sie steht schlechter da als zuvor (zumindest in der russ. Öffentlichkeit).
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