Hilfsangebot: Dänemark bietet Hirsi Ali Unterschlupf an

Die Regierung in Kopenhagen hat Ayaan Hirsi Ali angeboten, in Dänemark ihren Personenschutz zu bezahlen. Interesse für die bedrohte Islamkritikerin haben bereits mehrere Kommunen gezeigt. Hirsi Ali zeigte sich gerührt - fühlt sich aber woanders zu Hause.

Berlin - Den Vorstoß machte der dänische Kulturminister Brian Mikkelsen von den Konservativen. Die Schriftstellerin Ayaan Hirsi Ali solle doch nach Dänemark ziehen. Sobald sich eine Kommune melde, die die von Islamisten bedrohte Autorin aufnehmen wolle, werde die Regierung die Kosten für den Personenschutz Hirsi Alis übernehmen, so Mikkelsen gegenüber dänischen Medien.

Islamkritiker Hirsi Ali: "Mein Zuhause und meine Arbeit sind in den USA"
AP

Islamkritiker Hirsi Ali: "Mein Zuhause und meine Arbeit sind in den USA"

Die Offerte aus Kopenhagen kommt eine Woche, nachdem das niederländische Parlament entschieden hat, den Personenschutz für die bekannte Islamkritikerin Hirsi Ali in den USA nicht länger zu zahlen. Das Resultat des Beschlusses war, dass die Autorin Hals über Kopf in die Niederlande zurückkehren musste, wo sie bis zum letzten Jahr unter massiven Bedrohungen von Islamisten gelebt hatte - und von wo sie schließlich in die USA ging.

Hintergrund des Angebots des dänischen Kulturministers Mikkelsen ist das internationale Städtenetzwerk Icorn, mit dem verfolgten Schriftstellern Schutz geboten werden soll. Kommunen, die bedrohte Autoren bei sich beherbergen, sollen danach in Zukunft von der dänischen Regierung gefördert werden. Der rechtspopulistische Bürgermeister der Stadt Odense hatte erklärt, Ayaan Hirsi Ali bei sich aufnehmen zu wollen.

Andere dänische Städte - und Politiker anderer Parteien - folgten. Heute schließlich bekundete nach einem Bericht der dänischen Zeitung "Jyllandsposten" auch die Stadt Århus ihre Gastfreundschaft. Die stellvertretende Bürgermeisterin Dorthe Laustsen von der Sozialistischen Volkspartei und der Stadtrat Gert Bjerregaard von den Liberalen, waren sich einig, dass Hirsi Ali nach Århus kommen solle.

Lautsen sagte, Hirsi Ali sei ein Symbol für Meinungsfreiheit. Deshalb sei sie herzlich willkommen. Die Einladung solle ein Signal sein - und die Schriftstellerin werde die Stadt lieben. Es sei spannend zu sehen, ob man der Niederländerin in einer solchen Situation helfen könne, sagte Bjerregaard.

Heftige Kritik an niederländischer Regierung

Hirsi Ali war "gerührt" über die Angebote aus Dänemark. Sie fühle sich geehrt, sagte sie "Jyllandsposten" und danke Dänemark von Herzen. Ihr Zuhause und ihre Arbeit seien aber in den USA. Sie wolle sich nun darauf konzentrieren, dort nach Sponsoren, die ihr Sicherheitskräfte bezahlen, zu suchen.

Über die Entscheidung des holländischen Parlaments, ihr den Personenschutz in den USA zu entziehen sei sie enttäuscht gewesen, aber in einer Demokratie müsse man selbstverständlich auch unliebsame Entscheidungen akzeptieren, sagte Ali. Wenn sie die Sicherheitsfrage in den USA geklärt habe, sei Dänemark das erste Land, das sie besuchen wolle.

Die aus Somalia stammende Autorin und liberale Politikerin war im vergangenen Jahr nach Washington gezogen - auch weil sie hoffte, dort freier leben zu können als in den Niederlanden. In der Hauptstadt der USA hatte sie für einen konservativen Think-Tank gearbeitet.

Hirsi Ali wurde von Islamisten bedroht - sie hatte zusammen mit dem im Jahr 2004 ermordeten Regisseur Theo van Gogh den Film "Submission" gedreht, in dem sie die Unterdrückung der Frauen im Islam thematisierte. Der Mörder van Goghs hatte an die Leiche einen Zettel mit dem Namen Hirsi Alis geheftet.

Die Entscheidung der niederländischen Regierung, den Personenschutz für Ali nicht mehr zu finanzieren, hatte heftige Kritik nach sich gezogen.

Der Schriftsteller Leon de Winter schrieb auf SPIEGEL ONLINE, die Niederlande würden sich mit diesem Beschluss "vor den Augen der Welt" blamieren.

anr

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