Hilfsgüter für Somalia Al-Qaidas barmherziger Propagandacoup

Natürlich ist es eine Propaganda-Aktion: Al-Qaida und die Schabab-Milizen haben angeblich gemeinsam Hilfsgüter an Hungernde verteilt. Aber interessant ist die Nachricht auch deshalb, weil das Terrornetzwerk bis jetzt in Somalia nicht offiziell in Erscheinung getreten ist.

Von Yassin Musharbash

Schabab-Sprecher Ali Mohammed Rage mit Qaida-Mann "Abu Abdallah al-Muhadschir"
REUTERS

Schabab-Sprecher Ali Mohammed Rage mit Qaida-Mann "Abu Abdallah al-Muhadschir"


Berlin - "Gestern ist eine wundervolle Sache geschehen", schwärmte am Freitag ein Online-Dschihadist in einem einschlägigen extremistischen Internetforum: Das Terrornetzwerk al-Qaida habe in Somalia Hilfsgüter an Hungernde verteilt.

Die Behauptung scheint zu stimmen. Nachrichtenagenturen lieferten Bilder von einer Art Pressekonferenz, bei der sich Ali Mohammed Rage, Sprecher der radikal-islamistischen Schabab-Miliz, gemeinsam mit einem - sicherheitshalber komplett vermummten - angeblichen Qaida-Mann namens "Abu Abdallah al-Muhadschir" zeigte. Die Website Somaliwarmonitor berichtete, dass "Muhadschir" außerdem eine Tonbotschaft versendet habe, in der er die Hilfsgüter als Spenden der über die Welt verteilten Dschihad-Unterstützer bezeichnete.

Die Übergabezeremonie fand den Berichten zufolge im Flüchtlingslager Jassir statt, etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Mogadischu. Das Camp wird von den Schabab-Milizen betrieben, die seit Monaten versichern, sie könnten die Hungernden und Notleidenden in den von ihnen beherrschten Gebieten des Landes selbst versorgen - und mit dieser Begründung keine internationale Hilfe erlauben.

Datteln, Mehl, Öl - und Schleier

In seiner Ansprache zählte Qaida-Mann "Abu Abdallah al-Muhadschir" offenbar genau auf, was er mitgebracht hatte: 2000 Schleier, 10.000 Einheiten Kinderkleidung, ausreichend Mehl, Reis und Öl für 4000 Familien, 4000 Kilogramm Datteln, 4000 Einheiten Milch zu 900 Gramm, "und - da wir Muslime sind - außerdem 1500 Koran-Exemplare".

Osama Bin Laden und sein Nachfolger Aiman al-Sawahiri hätten stets betont, dass Muslime einander helfen müssten, betonte "Muhadschir" dem Bericht zufolge. Der Qaida-Mann habe mit amerikanischen Akzent gesprochen, heißt es. Sein Klarname ist anscheinend nicht bekannt, ebensowenig, ob er sich dauerhaft in Somalia aufhält oder nur zur Übergabe der Hilfsgüter einreiste.

Dass sich ein Mann im Namen al-Qaidas öffentlich in Somalia zu Wort meldet, ist indes interessant: Zwar befinden sich die Schabab-Milizen auf einem Qaida-nahen Kurs, und Experten gehen schon länger davon aus, dass zumindest die Qaida-Filiale im Jemen und die Schabab miteinander in Kontakt stehen. Aber offizielle Hinweise auf eine Kooperation zwischen beiden Gruppen gab es bisher nicht. Einige Beobachter glauben, dass das Ziel der Schabab-Milizen darin besteht, sich al-Qaida anzuschließen - entweder als eigene Filiale oder als neuer Bestandteil der Filiale auf der Arabischen Halbinsel.

Die Präsenz eines oder mehrerer Qaida-Kader vor Ort könnte ein Hinweis auf vertiefte Kooperation sein - mit potentiell bedenklichen Folgen. Andererseits lässt sich derzeit nicht unabhängig bestätigen, dass "Muhadschir" überhaupt wirklich ein Qaida-Kader ist.



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