Clinton über Merkel "Herzerfrischend, wie Angela Leben in die Bude brachte"

"Entschlossen, klug und ehrlich" nennt Hillary Clinton Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die mögliche US-Präsidentschaftskandidatin hat in ihrer neuen Autobiografie eine Lobeshymne auf die deutsche Regierungschefin verfasst.

Hillary Rodham Clinton (l.) über Merkel (Dezember 2010): Sie "trug Europa auf ihren Schultern"
AP

Hillary Rodham Clinton (l.) über Merkel (Dezember 2010): Sie "trug Europa auf ihren Schultern"


Washington - Die Frage, ob sie bei der Präsidentschaftswahl 2016 für die Demokraten ins Rennen gehen will, lässt Hillary Clinton in ihrem neuen Buch lieber noch offen. Sie wolle dies bis Ende des Jahres entscheiden und "wahrscheinlich" 2015 verkünden, sagte sie in einem Interview. Dafür erfährt der Leser ihrer am Dienstag erscheinenden Autobiografie "Hard Choices" (deutscher Titel: "Entscheidungen"), wen die US-Politikerin bewundert - nämlich Angela Merkel. Clinton hat für die Bundeskanzlerin, die sie "die mächtigste Staatschefin in Europa" nennt, viele warme Worte übrig:

"Während meiner Zeit als Außenministerin wuchs meine Bewunderung für diese entschlossene, kluge und ehrliche Frau, die mir gegenüber nie verhehlte, was sie dachte."

Sie habe Merkel 1994 bei einem Besuch in Berlin kennengelernt, so Clinton weiter. Damals war sie als Frau von Präsident Bill Clinton die First Lady der USA, Merkel amtierte im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl als Ministerin für Frauen und Jugend. "Eine junge Frau, die es noch weit bringen wird" - mit diesen Worten sei ihr Merkel vorgestellt worden, schreibt Clinton.

"Angela und ich blieben über die Jahre in Kontakt", erinnert sich Clinton. Sie lobt, wie Merkel nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin im Jahr 2005 bei Themen wie Gesundheit und Umwelt den "ehrwürdigen" Männerklub in Europa aufgewirbelt habe:

"Es war herzerfrischend zu beobachten, wie Angela Leben in die Bude brachte."

Merkels Neugier "auf die Welt" empfand die frühere US-Außenministerin als "willkommene Abwechslung zu manch anderen Staatschefs, die wirkten, als wüssten sie schon alles, was sich zu wissen lohnt".

Abenteuer-Sitzungen mit Sarkozy

Clinton stellt Merkels ruhige und überlegte Art dem Temperament des früheren französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy gegenüber. Dieser sei im persönlichen Umgang "noch theatralischer" gewesen, als er ohnehin schon in der Öffentlichkeit gewirkt habe. Sitzungen mit Sarkozy seien immer ein "Abenteuer", aber durchaus unterhaltsam gewesen. Immer wieder sei der Franzose aufgesprungen, habe wild gestikuliert und die Übersetzer mit schnellen Sätzen ins Schwitzen gebracht.

Zudem lobt Clinton die Kanzlerin für ihre Führungsrolle während der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Zwar habe auch sie damals befürchtet, dass "eine zu strenge Sparpolitik in Europa das Wachstum noch mehr bremsen" würde, schreibt die ehemalige Senatorin.

"Man konnte ihren fiskal-, geld- und währungspolitischen Maßnahmen zustimmen oder nicht, aber ihre unbeirrbare Entschlossenheit rang mir Bewunderung ab, sie 'trug Europa auf ihren Schultern', wie ich es 2012 formulierte."

Transatlantische Allianz "mehr wert als Gold"

In ihrem Buch blickt Clinton vor allem auf ihre Erlebnisse als Außenministerin während der ersten Amtszeit von Präsident Barack Obama zurück, sie widmet sich einer Reihe von außenpolitischen Themen. Besonderen Wert misst sie dabei den Beziehungen zu den Verbündeten in Europa bei. Die transatlantische Allianz sei "mehr wert als Gold". Trotz der Differenzen unter Obamas Vorgänger George W. Bush über den Irak-Krieg seien die USA und Europa eine starke "Wertegemeinschaft" geblieben, die das Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit eine.

Die jüngsten Verstimmungen im transatlantischen Verhältnis wegen der Überwachungsprogramme des US-Geheimdiensts NSA streift Clinton dagegen nur oberflächlich:

"Weltweit griff Empörung um sich, weil die Vereinigten Staaten angeblich die privaten Handys von Verbündeten wie der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff abgehört hatten."

Bei der Weitergabe der NSA-Dokumente durch Edward Snowden wird Clinton wiederum deutlich, sie bezeichnet dies als "Geheimnisverrat".

heb/dpa/AFP



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insgesamt 84 Beiträge
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andreu66 10.06.2014
1. Nie verhehlt, was sie denkt
Da wird sich Clinton sicher sein, sie kennt ja schließlich die Abhörprotokolle.
redwed11 10.06.2014
2.
Zitat von sysopAP"Entschlossen, klug und ehrlich" nennt Hillary Clinton Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die mögliche US-Präsidentschaftskandidatin hat in ihrer neuen Autobiografie eine Lobeshymne auf die deutsche Regierungschefin verfasst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hillary-clinton-lobt-angela-merkel-in-ihrer-autobiografie-a-974196.html
Hillary Clinton scheint bei einem Vergleich der NSA Aufzeichnungen der Telefongespräche der Bundeskanzlerin mit den öffentlichen Aussagen der Kanzlerin festgestellt haben, Frau Merkel ist völlig auf der US Linie und sie wird alles tun, um die Vorgaben aus den USA bis ins Kleinste zu erfüllen. Diese Bundeskanzlerin würde es nie wagen dem betreffenden Präsidenten ob er Bush hieß, Obama heißt oder Clinton heißen wird zu widersprechen. Frau Merkel ist die Kanzlerin der USA und nicht aller Deutschen, denn sonst müsste sie versuchen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und nicht das Land den USA völlig auszuliefern. Für die USA ist sie die ideale Kanzlerin, daher auch die Lobeshymnen, denn sie ist die Kanzlerin der betreffenden US Regierung und sie wird es bis ans Ende ihrer Amtszeit bleiben.
trienfield 10.06.2014
3. Ach Hillary....
nur weil Kanzlerin Merkel nach euerer Pfeife um Honigbäumetänzelt, das Freihandelsabkommen mit voreilendem Gehorsam unterzeichnet, ihr damit leichter eine ausbrechende US Misere kaschiert, stellen beide "Lockvögel der Finanzwirtschaft" noch lange keine beruhigende Masse dar. Gott hüte uns vor diesen karriereorientierten kalten " Politischen Weibervolk aus Windsor" bzw vor all dort angedockten Finanzdraculas angelsächsischer Prägung.
Olaf 10.06.2014
4.
Zitat von sysopAP"Entschlossen, klug und ehrlich" nennt Hillary Clinton Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die mögliche US-Präsidentschaftskandidatin hat in ihrer neuen Autobiografie eine Lobeshymne auf die deutsche Regierungschefin verfasst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hillary-clinton-lobt-angela-merkel-in-ihrer-autobiografie-a-974196.html
Sie ist auch sehr klug, dass stimmt. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie die europäischen Schwätzer mit ihrer nüchternen, aber entschlossenen Art verwirrt hat. Die wissen bis heute nicht, wie sie ihr beikommen sollen. Letztlich vertrauen sie ihr aber auch, was für ihre Integrität spricht. Ich denke, sie wird einmal als eine der ganz großen Kanzler in die Geschichte eingehen.
sebastian.teichert 10.06.2014
5.
Ja wenn ein Politiker der anderen ehrlich nennt, dann weiß man eigentlich direkt das man den Artikel nicht lesen braucht und eigentlich gar nicht erst abdrucken brauchst!
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