Hillary Clinton Scheitern von "Trumpcare" war befriedigend

Ausführlich hat sich Hillary Clinton zu ihrer Wahlniederlage und zur neuen US-Regierung geäußert. Sie mache sich große Sorgen, Schadenfreude über die vielen Probleme Trumps empfinde sie aber nicht.

Hillary Clinton
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Hillary Clinton


Hillary Clinton hat ihr erstes öffentliches Interview seit der verlorenen US-Präsidentschaftswahl gegeben. "Ich mache mir große Sorgen", sagte die 69-Jährige. Donald Trump sei "offensichtlich nicht gut vorbereitet" gewesen. Eine "gewisse Befriedigung" habe sie über das Scheitern des republikanischen Plans für eine neue Gesundheitsversorgung empfunden. Insgesamt empfinde sie aber keine Schadenfreude über die "chaotisch funktionierende" Trump-Regierung, sagte Clinton bei einem Interview im Rahmen der "Women in the World"-Konferenz in New York.

"Die Regierung hat Anlaufschwierigkeiten. Vor allem aber verstehe ich das Bestreben des Weißen Hauses nicht, so viele Menschen zu verletzen", sagte Clinton. Das vorerst gerichtlich gestoppte Einreiseverbot für Menschen aus sechs mehrheitlich muslimischen Ländern habe jetzt schon "furchtbare Auswirkungen" gehabt. Und einige der "Dinge, die aus den Mündern dieser Männer kommen", seien ungeheuerlich. "Ich hoffe, dass wir bald positive Entwicklungen in unserem Land sehen werden, aber anscheinend dauert das noch etwas."

In Bezug zur zunächst gescheiterten Gesundheitsreform der Republikaner sagte Clinton: "Nachdem ich ihnen sieben Jahre lang zugehört habe, wie sie 'Obamacare' abschaffen und ersetzen wollen, und dann hatten sie keine Ahnung, was das bedeutet - das hat mir schon eine gewisse Befriedigung gegeben, das gebe ich zu."

Clinton macht FBI-Chef und WikiLeaks für Wahlniederlage verantwortlich

Ihr selbst gehe es "den Umständen entsprechend ziemlich gut", sagte Clinton, die vom Publikum immer wieder Jubel und Applaus bekam. Das Ergebnis der Wahl, bei der sie im November gegen Trump verlor, sei für sie aber "verheerend" gewesen. "Ich musste mich dazu bringen, aus dem Bett zu steigen und lange Spaziergänge im Wald zu machen."

Den Wahlausgang habe sie mit ihrem Team "immer und immer wieder" analysiert, sagte Clinton, die derzeit auch an einem Buch darüber schreibt. "Es gibt Dinge, die wir und ich hätten besser machen können." Aber: "Den entscheidenden Einfluss hatten die Einmischung von außen und eine Kombination aus dem Brief von FBI-Chef James Comey und WikiLeaks." Damit bezog sich Clinton zum einen offenbar auf Russland zur Last gelegte Versuche, sich in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben. Zum anderen hatte Comey kurz vor der Wahl eine neue Untersuchung von Clintons E-Mails angekündigt. WikiLeaks hatte in der heißen Phase des Wahlkampfs im vergangenen Herbst interne E-Mails der Demokratischen Partei veröffentlicht.

Erneut für ein politisches Amt kandidieren will Clinton derzeit nicht. "Ich habe gar keine Pläne. Ich will interessante Dinge machen, andere Menschen unterstützen und Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen."

Seit der Wahl am 8. November 2016 war Clinton nur sporadisch in der Öffentlichkeit gesehen worden und hatte sich auch nur selten in sozialen Medien zu aktuellen politischen Themen geäußert. Bei der "Women in the World"-Konferenz, die von Clintons Freundin, der Journalistin Tina Brown gegründet wurde, war die frühere US-Außenministerin schon in früheren Jahren zu Gast gewesen.

max/dpa



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Atheist_Crusader 07.04.2017
1.
"Den entscheidenden Einfluss hatten die Einmischung von außen und eine Kombination aus dem Brief von FBI-Chef James Comey und WikiLeaks." Sehe ich nicht so. Dieser ganze Irrsinn mit den Emails und Wikileaks und Pizzagate und dem ganzen Unfug hat primär die schon entschlossenen Trump-Wähler in ihrer Entscheidung bestärkt. Clinton hat es schlicht nicht verstanden, die jungen Wähler für sich zu gewinnen. Sanders hat das geschafft, aber dessen Fans fühlten sich letztendlich vom Rest der Demokraten verraten (ob das jetzt berechtigt war oder nicht, darüber kann man diskutieren). Auch da hätte man besser handeln können - zum Beispiel Sanders ins eigene Team aufnehmen und ein paar seiner Punkte übernehmen. Dadurch hätte sie noch von seiner Popularität profitieren können, statt viele seiner Wähler zum Nichtwählen zu animieren. Oder allgemein gesprochen: Clinton hat es nicht geschafft, als eine ausreichend bessere Alternative zu Trump dazustehen. Einen Teil davon kann man sicherlich Trump rechtem Medienzirkus anlasten, aber für die andere Hälfte ist sie selbst verantwortlich.
zensiert&account gesperrt 07.04.2017
2.
Zitat: "Erneut für ein politisches Amt kandidieren will Clinton derzeit nicht. "Ich habe gar keine Pläne. Ich will interessante Dinge machen, andere Menschen unterstützen und Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen." Seit der Wahl am 8. November 2016 war Clinton nur sporadisch in der Öffentlichkeit gesehen worden und hatte sich auch nur selten in sozialen Medien zu aktuellen politischen Themen geäußert. Bei der "Women in the World"-Konferenz, die von Clintons Freundin, der Journalistin Tina Brown gegründet wurde, war die frühere US-Außenministerin schon in früheren Jahren zu Gast gewesen." Einerseits ist es beruhigend zu hören, dass sie derzeit (!) nicht wieder kandidieren will, andererseits auch beängstigend. Besonders interessant wird es allerdings, wenn man sich über die Veranstalterin (den Verein) informiert. Und deren Finanzierung ........
Skyscanner 07.04.2017
3. Oh man
die Frau sollte langsam mit Ihren künstlichen auf gesetztem Lachen in die Rente gehen, Sie hat Ihre Chance selbst verbockt, also was soll das dumme Kommentieren, das Ego scheint ja mächtig an gekratzt zu sein.
BernieistAnders 07.04.2017
4. Ich habe mich täuschen lassen
Ich hielt Hillary Clinton tatsächlich für eine starke Frau, für ein kompetente Person. Dabei hat sich nach der Wahl gezeigt wie schwach und unfähig sie ist. Sie kam ja nicht mal raus sich bei ihren Unterstützern zu bedanken, nach der Wahlniederlage. Und jetzt macht sie nachwievor den "Sexismus" für ihre Wahlniederlage verantwortlich, dabei war ihre Kampagne die einzig sexistische Kampagne. Dass Sie nachwievor Interviews gibt anstatt in dne Boden zu versinken, zeigt wie schwach und realitätsfremd sie ist.
muellerthomas 07.04.2017
5.
Zitat von zensiert&account gesperrtZitat: "Erneut für ein politisches Amt kandidieren will Clinton derzeit nicht. "Ich habe gar keine Pläne. Ich will interessante Dinge machen, andere Menschen unterstützen und Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen." Seit der Wahl am 8. November 2016 war Clinton nur sporadisch in der Öffentlichkeit gesehen worden und hatte sich auch nur selten in sozialen Medien zu aktuellen politischen Themen geäußert. Bei der "Women in the World"-Konferenz, die von Clintons Freundin, der Journalistin Tina Brown gegründet wurde, war die frühere US-Außenministerin schon in früheren Jahren zu Gast gewesen." Einerseits ist es beruhigend zu hören, dass sie derzeit (!) nicht wieder kandidieren will, andererseits auch beängstigend. Besonders interessant wird es allerdings, wenn man sich über die Veranstalterin (den Verein) informiert. Und deren Finanzierung ........
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