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Trump hilft Clinton: Danke, Donald!

Ein Kommentar von , Washington

US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton Zur Großansicht
REUTERS

US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton

Der Aufstieg Donald Trumps zum fast unvermeidbaren Präsidentschaftskandidaten verleiht Hillary Clintons Kampagne endlich einen tieferen Sinn. Sie muss Amerika, ja die ganze Welt vor diesem Mann bewahren.

Die USA, genauer gesagt der konservative Teil des Landes, befindet sich dieser Tage in einem ganz und gar außerordentlichen Zustand. Die Kandidaten der Republikaner haben es weitgehend aufgegeben, ihre Pläne zur Zukunft des Landes zu diskutieren. Lieber beschäftigen sie sich mit der Länge ihrer Genitalien und erklären das Volumen von abgesondertem Schweiß zu einer bedeutenden Variable der politischen Zuverlässigkeit. Welch ein Wahlkampf für eine Partei, die mal den Ruf hatte, das patriotische Rückgrat der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein.

Man kann sich darüber lustig machen. Wie Donald Trump allerdings durch den Wahldienstag gerauscht ist, ist überhaupt nicht lustig. Wenn es nicht noch mit dem Teufel zugeht, ist die Präsidentschaftskandidatur seine. Trumps Stärke zeigt, dass der entgleiste Wahlkampf der Republikaner das perfekte Biotop für seine Kandidatur ist. Auf dem Gebiet der Boshaftigkeiten und Erniedrigungen schlägt den xenophoben Milliardär niemand. Trump ist der König des brutalen Amerika, und all jene, die versuchen, ihm die Krone zu nehmen, enden als Hofnarr. Marco Rubio hat das gerade erlebt.

Immerhin: Der Wahldienstag hat die Verhältnisse ein Stück weit geklärt. Es sieht so aus, als hieße das Duell im Sommer Donald Trump gegen Hillary Clinton - und für die Demokratin ist das keine ganz schlechte Nachricht. Der Aufstieg Trumps zum wahrscheinlichsten Kandidaten der Republikaner verleiht ihrer schleppenden Kampagne endlich einen tieferen Sinn: Hillary Clinton muss die USA, ja sie muss die gesamte Welt vor diesem Mann retten. It's as simple as that, wie der Amerikaner sagt.

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Die Mission Rettung ist für sie eine einmalige Chance. Die Marke Clinton erfüllt viele Amerikaner schlicht mit einer großen Langeweile, weil sie schon seit Ewigkeiten ein Teil des Washingtoner Systems zu sein scheint. Clinton braucht dringend ein Thema, mit dem sie das liberale Amerika motivieren kann. Aber eine Vision, die manche bei ihr so sehr vermissen, ist jetzt gar nicht mehr wirklich nötig. Die Furcht vor Trump, der Einwanderer deportieren möchte und Grundrechte mit Füßen tritt, wird sie im November alle an die Urnen treiben: die Minderheiten, die Weltoffenen, die Frauen, die Wechselwähler.

Es ist paradox: Je weniger sie die Wahl im November zum Referendum über sich selbst und je mehr sie die Wahl zur Abstimmung über Trumps Wahnsinn macht, desto größer sind ihre Chancen. Eine solche Angstkampagne ist zwar kein besonders vornehmes Instrument in der politischen Auseinandersetzung, aber gegen Trump dürfte kaum etwas anderes helfen. Und Clinton kommt sie sehr gelegen, weil weder ihr Charisma allein noch ihr so arg sozialdemokratisch wirkendes Programm ausreicht, um die Wahl zu gewinnen.

Ein Kinderspiel würde ein Duell mit dem Milliardär für Clinton dennoch keinesfalls. Trumps Basis steht. Er mobilisiert Menschen, die sich für Amerikas Politik bisher in etwa so wenig interessierten wie für die Belange der Khoisan-Völker im südlichen Afrika. Die meisten seiner Kritiker bei den Republikanern werden einschwenken, sobald Trumps Kandidatur feststeht. Und so wie Trump die Vorwahlen nach seinen Regeln gestaltet hat, so dürfte er auch versuchen, dem Hauptwahlkampf seine Regeln aufzuzwingen.

Aber Trump wird auch Clintons bester Mobilisierungshelfer werden. Jedenfalls dann, wenn das Rennen so kommt, wie jetzt alle erwarten.

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Veit Medick
Christian Thiel

Veit Medick ist Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Washington.

  • E-Mail: Veit.Medick@spiegel.de

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1. Die unvermeidliche Hillary
dunnhaupt 02.03.2016
Es scheint diesmal wirklich Hillary's Jahr zu werden, denn die Republikaner haben sich die denkbar unpassendsten Kandidaten ausgesucht. Zudem sind sie ohnehin bloß die Minderheit, die also Stimmen von Seiten der Demokraten benötigt, um auch nur die 50%-Schwelle zu erreichen. Ich wette also auf einen Erdrutsch für Clinton im November. Aber vorher gibt's erst noch eine tolle Schlammschlacht.
2. Gilt genauso für Bernie Sanders
Theodoro911 02.03.2016
Der hat auch Erfahrung aber viel weniger Nähe zu den unbeliebten Eliten in Politik und Wirtschaft als Miss Clinton. Ausserdem sollte man Trump nicht unterschätzen. Immerhin hat er ganz allein sämtliche Tea-Party-Kandidaten erledigt weil er eben nicht auf "gute Ratschläge" hörte.
3. War doch klar
Bueckstueck 02.03.2016
Die GOPler schaffen sich ab. Und zwar seit dem Jahr 2000. Mit Bush Junior hat es seinen Anfang genommen, der Abstieg zum Sammelbecken für Politclowns und schrille Extremisten. Spätestens als Frau Palin durch die Vorwahlen stolperte und einen dummen "Hockey Mom" Satz nach dem anderen stanzte, wusste man wohin die Reise dieser Partei geht. Es wurde am Ende zwar der zuweilen erratische aber längst nicht so schizophrene McCain der haushoch gegen Obama verlieren durfte, aber schon Romney legte auf der Skala der verwirrten Kandidaten einige Schippen nach - und verlor immer noch deutlich gegen Obama. Jetzt eben Trump, der Prototyp eines Politclowns. Landesweite Umfragen zeigen aber bereits, dass auch er sich keine all zu grossen Hoffnungen machen darf. Denn im November wählen nicht bloss die tumben und enttäuschten das GOPler Ticket, sondern der ganze Rest des Landes ebenso und bei dem ist die Fähigkeit noch klar zu denken weit weniger verkümmert als bei den Wählern der GOP alleine. Und dann ist da ja noch Bloomberg der vielleicht doch noch als unabhängiger Kandidat mitmischt. Ich mache mir keine Sorgen.
4.
irrenderstreiter 02.03.2016
"Hillary Clinton muss die USA, ja sie muss die gesamte Welt vor diesem Mann retten." - Muss Sie das wirklich, die Welt retten? Was sind denn Trumps außenpolitische Positionen und wie sehen die von Clinton aus? Beführwortete sie nicht den Irakkrieg und den NATO Einsatz in Libyen? Erzeugt sie wirklich nur Langeweile, sondern polarisiert, weil sie von vielen abgelehnt wird? Gilt sie nicht als "Falke" und der Demokraten? Sind es nicht ihre Positionen die einen führenden Neocon wie Robert Kagan (dessen Ehefrau Victoria Nuland dürfte bekannter sein) dazu bewegen eine Empfehlung für sie in der Washington Post auszuspechen? Ich persönlich glaube nicht, dass Clinton die Richtige ist die Welt zu retten drücke Sanders beide Daumen. Denn anders als SPON verkündet, ist die Wahl um den Kandidaten noch lange nicht entschieden.
5.
battlecrab 02.03.2016
Rein logisch gesehen macht dieses Motto bei den Vorwahlen keinen Sinn. Möchte man Trump nicht sollte man sich für Sanders entscheiden, solange das noch möglich ist. Umfragen belegen sein besseres Abschneiden gegen Trump. Aber SPON hat sich anscheinend schon klar für Clinton positioniert, bzw. die Position amerikanischer Medien einfach übernommen. Demnach ist Sanders' Kampagne schon längst tot und Clinton schon so gut wie im Weißen Haus. Es wäre schön mal Berichterstattung vom Hier und Jetzt zu bekommen, denn im Moment hat Sanders noch durchaus Chancen.
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