US-Vorwahlkampf Clinton und Sanders liefern sich scharfe TV-Debatte

Demokraten im TV-Rededuell: Bernie Sanders warf Hillary Clinton enge Verbindungen zur Wall Street vor. Sie konterte, seine Haltung während der Finanzkrise hätte Millionen Jobs kosten können.

Hillary Clinton und Bernie Sanders
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Hillary Clinton und Bernie Sanders


Bernie Sanders gibt nicht auf: Zwar liegt seine Konkurrentin Hillary Clinton im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur deutlich vorn - doch beide lieferten sich eine kämpferische, teils scharfe TV-Debatte in Flint, Michigan.

Sanders warf dabei seiner Konkurrentin erneut zu enge Verbindungen zur Wall Street vor. Clinton unterstütze eine "desaströse" Politik, die Jobs in der Fertigung und Produktion aus Städten wie Flint oder Detroit vertreibe und ins Ausland verlagere, so Sanders.

Die ehemalige US-Außenministerin warf dem US-Senator ihrerseits vor, seine Haltung während der Automobilkrise 2009 hätte Millionen Stellen kosten können. Clinton hatte damals Notverkäufe unterstützt. "Wenn jeder damals so gestimmt hätte wie er, dann wäre die Automobilindustrie meiner Meinung nach kollabiert - und mit ihr vier Millionen Jobs", so Clinton.

In einem Punkt waren sich die Präsidentschaftsanwärter einig: Sie verurteilten die Wasserversorgungspolitik in Flint. In der Stadt, in der die Debatte stattfand, wurde der Versorger gewechselt. Durch den damit verbundenen Wechsel der Wasserleitungen lösten sich Blei und andere giftige Stoffe. Nun ist das Wasser der 100.000-Einwohner-Stadt, in der vornehmlich Schwarze wohnen, verseucht.

"Jemand muss die Verantwortung dafür übernehmen", sagt Clinton. Beide Demokraten forderten den Rücktritt des republikanischen Gouverneurs in Michigan, Rick Snyder.

Trotz Clintons Vorsprungs bleibt Sanders im Präsidentschaftsrennen der Demokraten ein zäher Gegner für die ehemalige First Lady. Der 74-Jährige gewann am Sonntag die Vorwahl im Bundesstaat Maine klar vor seiner Rivalin. Am Tag zuvor hatte er bereits in Kansas und Nebraska gesiegt.

Auf republikanischer Seite entschied Senator Marco Rubio aus Florida eine Vorwahl am Sonntag im US-Territorium Puerto Rico für sich. Am Samstag hatte er dagegen bei Abstimmungen in vier Bundesstaaten nicht einmal einen zweiten Platz erreichen können.Der populistische Multimilliardär Donald Trump bleibt Spitzenreiter.

Die nächste Runde der Vorwahlen steht schon am kommenden Dienstag an, so in Michigan und Mississippi.

Ergebnisse der US-Vorwahlen

vek/dpa/Reuters

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viceman 07.03.2016
1. natürlich hat sanders recht,
allerdings war es zuallererst clintons ehemann, der als präsident den massenhaften abbau von industriearbeitsplätzen zu verantworten hatte...
Atheist_Crusader 07.03.2016
2.
Clinton ist ganz einfach eine Witzfigur, eine Lügnerin und Betrügerin, die glaubt dass die Tatsache dass sie die erste weibliche Präsidentin wäre ihr ein moralisches Recht auf den Posten einräumt. Sie ist nicht so schlimm wie Trump. Sie würde wahrscheinlich keine radikale Verschlechterung bringen - nur eine Fortsetzung des hinreichend kaputten und verlogenen Systems. Aber das ist schon schlimm genug. Der einzige der tatsächlich mal was Neues sagt als die x-te Version der sattsam bekannten Statements von beiden Seiten ist Sanders. Okay, so neu ist es nicht. Neu ist nur, dass es auf dieser Ebene gesagt wird, ohne dass man sofort als kommunistischer Freiheitshasser niedergeschrien wird.
PFitch 07.03.2016
3. schön das Bernie...
Frau Clinton das Leben schwer macht, er ist integer und auch immun gegen Lobbyisten und Möchtegernpolitiker, mit Ihm könnte die USA eine deutliche Erneuerung Ihrer Politik vorantreiben. Diese ist bitternötig!
rambo2012 07.03.2016
4. Konjunktiv wird zu Fakt?
Untertitel: "Hillary Clinton konterte, Sanders Abstimmungsverhalten HABE bereits Millionen von Jobs gekostet." Im Text dann: ""Wenn jeder damals so gestimmt HÄTTE wie er, dann WÄRE die Automobilindustrie meiner Meinung nach kollabiert - und mit ihr vier Millionen Jobs", so Clinton." Ist sie aber nicht, also hat Sanders Verhalten auch keinen Job gekostet.
hansriedl 07.03.2016
5. Nach fünf Jahren USA schätze ich da vieles sehr anders ein.
An amerikanischen Verhältnissen gemessen mag Clinton ›links‹ sein, an einer europäischen Zivilgesellschaft gemessen ist Clinton auf dem selben Level wie eine rechte Gruppe in der CSU Republikaner sind nur mit der NPD zu vergleichen. Ihr Nationalismus und die antisozialen Tendenzen sind gleich einer NPD, deshalb will man bsw. auch keine sozialen Gesundheitssysteme, keine soziale Sicherung. Die US-Gesellschaft ist im Gros der Gesellschaft schlecht gebildet, man kennt nichts anderes, ist zufrieden mit dem was passiert und extrem oberflächlich. Mit 44 Kriegen und mehr als 100 bewaffneten Auseinandersetzungen und einer großteils unterentwickelten und schlecht laufenden Wirtschaft sind die USA nicht nur räumlich weit von Europa entfernt.
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