Trump vs. Clinton in Las Vegas Hangover 3

Dritte Runde im Debattenzirkus: 20 Tage vor der Wahl treffen Hillary Clinton und Donald Trump in Las Vegas ein letztes Mal aufeinander. Ein sachlicher Diskurs? Eher unwahrscheinlich.

Trump, Clinton
DPA

Trump, Clinton

Aus Las Vegas berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Anthony Cools lässt Menschen Dinge tun, die sie sonst nie tun würden. Cello spielen zum Beispiel, Stepp tanzen oder Sex simulieren: Abend für Abend füllt der Hypnotiseur das Theater des Kasinos Paris Las Vegas am "Strip", dem legendären Glitzerboulevard. Zu Beginn warnt seine Assistentin, der Auftritt werde "laut, unzensiert und nicht ganz jugendfrei". Es ist schon fast symbolisch, dass diese Shows nur ein paar Blocks entfernt von der University of Nevada stattfinden.

Denn auch dort dürfte es an diesem Mittwochabend laut und vielleicht sogar nicht ganz jugendfrei zugehen, wenn Donald Trump und Hillary Clinton zu ihrer dritten und letzten TV-Debatte aufeinandertreffen.

Manche erinnert das Debattenfinale an "Hangover 3", die gefloppte letzte Folge der Komödientrilogie, die in Las Vegas begann: nicht mehr wirklich lustig, nur noch kläglicher Kommerzschrott - mit absehbarem Ende.

Nur 20 Tage vor der Wahl ist das Duell Trumps letzte Chance, sich zu profilieren vor einem Millionenpublikum, das sich immer deutlicher von ihm abwendet. Nach zwei weiteren Skandalwochen liegt er mittlerweile in den Umfragen landesweit im Schnitt sieben Prozentpunkte hinter der Demokratin Clinton, in einer Erhebung sogar zwölf Punkte - fast uneinholbar. Und nun engleiten ihm auch noch unverzichtbare Swing States: Pennsylvania, North Carolina, Florida.

Je schlechter er dasteht, je mehr Frauen ihm sexuellen Missbrauch vorwerfen, je mehr Kongress-Republikaner sich aus Angst um die eigene Wiederwahl von ihm distanzieren, desto wilder teilt Trump in seinen Reden und Tweets aus. Selbst die beliebte Satireshow "Saturday Night Live" ist nicht mehr sicher: Als die seine Charakterschwächen gnadenlos persiflierte, forderte der Milliardär eine sofortige Absetzung.

Um welche Reizthemen wird es bei der Debatte gehen?

Nun Steuern, Einwanderung, Wirtschaft, Außenpolitik, der Supreme Court: Debattenmoderator Chris Wallace (Fox News) will diese dritte Runde - im Gegensatz zu den vorherigen Schaukämpfen - strikt auf der Sachspur halten. Das wird schwer.

Nicht zuletzt weil Trump - mit Blick auf eine mögliche Niederlage - nun täglich die Legitimität des US-Wahlsystems anzweifelt. Die Wahlen seien zu seinen Ungunsten manipuliert: Ein riskantes Spiel, da viele seiner Anhänger solch längst widerlegte Verschwörungstheorien tatsächlich glauben. Jetzt schaltete sich sogar US-Präsident Barack Obama ein: Trump solle nicht so "herumheulen" - ein Versuch, ihn an die Konsequenzen seiner Worte zu erinnern, aber auch lächerlich zu machen und so weiter aus der Ruhe zu bringen.

Sehen Sie hier die Videoanalyse unseres US-Korrespondenten Veit Medick zum TV-Duell:

SPIEGEL ONLINE

Wird es wieder PR-Manöver geben?

Um von den eigenen Skandalen abzulenken, brachte Trump zur letzten Debatte drei Frauen mit, die behaupten, von Obama-Vorgänger Bill Clinton sexuell belästigt worden zu sein. Die Vorwürfe gegen Trump selbst dürften aber auch jetzt wieder zur Sprache kommen: Mittlerweile haben sich zehn Frauen gemeldet, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen. Und das Magazin "People" präsentierte sechs Augenzeugen, die Vorwürfe gegen Trump unterstützten. Der Republikaner und seine dritte Gattin Melania nennen die Berichte "Lügen".

Video-Chronik: Wie Trumps Prahlereien zum Skandal wurden

REUTERS

Nun droht das nächste Trump-Manöver: Diesmal hat er Obamas älteren Halbbruder Malik als Ehrengast eingeladen. Der gebürtige Kenianer macht aus seiner Vorliebe keinen Hehl: "Trump kann Amerika wieder großartig machen", sagte er der "New York Post". Schon wird gescherzt, Clinton sollte im Gegenzug Obama selbst einladen.

Auf welche politischen Tretminen muss Clinton achten?

Der Sexaufruhr um Trump bestimmte die Nachrichten der vergangenen Tage. Doch auch Clinton muss zunehmend mit ernsten Vorwürfen kämpfen: WikiLeaks publiziert immer neue, offenbar von Russland gehackte E-Mails aus ihrem engsten Kreis. Neben Lappalien - so studierte Clinton wohl selbst den kleinsten Lacher für ihre Auftritte ein - fand sich da auch Skandalpotenzial: So habe das Außenministerium mit dem FBI mauscheln wollen, um sie aus der E-Mail-Affäre zu ziehen. Außerdem soll ihr die Partei bei einer Townhall-Veranstaltung eine "Wählerfrage" vorab zugesteckt haben.

Es dürfte aber zu spät sein, um Clinton damit noch ernsthafte Probleme zu bereiten. Zumal die Demokratin in den Umfragen längst so deutlich vorne liegt, dass sie nun sogar darauf hofft, bisherige Republikaner-Staaten wie Texas zu erobern.


Zusammengefasst: Zum dritten und letzten Mal duellieren sich Trump und Clinton vor den TV-Kameras - und die Demokratin scheint kaum noch einholbar. Zu stark haben die Skandale der vergangenen Wochen ihrem Konkurrenten geschadet. Trotzdem wird Trump neue Attacken starten. In seiner verzweifelten Lage könnten diese noch unsachlicher als in der Vergangenheit ausfallen.



insgesamt 34 Beiträge
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Marvel Master 19.10.2016
1. Die Wahl ist gelaufen. Clinton wird gewinnen
Das veröffentliche Video war der Genickbruch für Trump. Clinton wird daher gewinnen. Ich persönlich muss auch zugeben, dass Trump etwas zu extrem agiert. Man kann ja konservativ sein, aber Trump übertreibt einfach. VG
Jochen_S 19.10.2016
2.
"Um von den eigenen Skandalen abzulenken, brachte Trump zur letzten Debatte drei Frauen mit, die behaupten, von Obama-Vorgänger Bill Clinton sexuell belästigt worden zu sein." Zugetraut hätte ich ihm: "Um von den eigenen Skandalen abzulenken, brachte Trump zur letzten Debatte drei Frauen mit, die behaupten, von ihm -nicht- sexuell belästigt worden zu sein."
Hermes75 19.10.2016
3.
Trump ist ein Narzisst und wollte die Präsidentschaft nicht aus politischen Gründen, sondern zur Befriedigung seines Egos. Da dieses Ziel für ihn aber nicht mehr erreichbar scheint, wird er jetzt alles daran setzen das zu zerstören was er selbst nicht haben kann. Er ist eher bereit das Amt zu beschädigen und seine Anhänger zur Gewalt anzustacheln als einzugestehen, dass er verloren hat.
nimue15 19.10.2016
4. Es wäre unglaublich gut...
... wenn sich die letzte Debatte mal wirklich um Sachthemen drehen würde. Auch wenn ich vermute, dass Clinton da punktet, ist das dennoch im Moment nicht meine primäre Intention (Nur mein Wunsch).
Celestine 19.10.2016
5.
Man stelle sich vor, ein CDU-Politiker hätte solche Sachen gesagt, und dann würde noch neun Frauen mit ähnlichen Vorwürfen auftauchen, eiine von denen eine Journalistin, deren Aussage von sechs Kollegen/innen bestätigt wurde, weil sie ihnen dies nach der Tat völlig aufgelöst offenbart hatte. Nachdem Brüderle weg vom Fenster war wegen vergleichsweise harmloser Sprüche, die er angetrunken in einer Bar machte? Man kann es sich nicht vorstellen. Es gab zwar einen Berlusconi, doch Deutschland ist eben nicht Italien. Erstaunlich, wie viele deutsche Männer in den Foren und Blogs das primitive Gerede im Video für "normal" halten. Sorry, aber laut den US Medien, TV-Politanalysten und Blog-Teilnehner ist das auch in den USA nicht normal, jedenfalls in der Normalbevölkerung nicht. Trump ist natürlich alles, nur nicht normal. Aber die Art und Weise, wie er "crazy" ist, was ja durchaus positiv sein kann, ist unangenehm, zuweilen hasserfüllt und beleidigend.
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