US-Wahlkampf Ufos und Aliens - Clinton hofft auf Hilfe von oben

Hillary Clinton setzt im Wahlkampf auf ein neues Thema: Außerirdische. Die Demokratin will geheime Ufo-Dokumente frei geben - und glaubt, dass wir "schon besucht worden" sind. Alien-Fans sind entzückt.

REUTERS

Von , Washington


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Hillary Clinton muss sich in diesen Tagen den ganz großen Fragen stellen. Wo immer die wahrscheinliche Präsidentschaftskandidatin auftritt, geht es um Krieg und Frieden, um Handel und Jobs, um die Zukunft der Sozialversicherung und eine gerechtere Steuerpolitik.

Und dann ist da noch dieses andere Thema: Ufos.

Die Frage nach außerirdischem Leben, gemeinhin eher selten im Fokus des Wahlkampfs, scheint Clinton besonders zu interessieren. Mehrfach hat sie sich in diesem Jahr bereits ausführlich und auffallend ernsthaft zu dem Thema geäußert und das Versprechen abgegeben, sich als Präsidentin schnell der Frage zu widmen, ob Bewohner anderer Galaxien unseren Planeten möglicherweise schon einmal besucht haben.

"Ich will sehen, wie die Informationen dazu sind", sagte Clinton kürzlich in einem Radiointerview. Nach einem Wahlsieg, so kündigte die Demokratin an, werde sie die entsprechenden geheimen Akten frei geben. "Es gibt so viele Geschichten da draußen, dass ich nicht glaube, die Leute würden sie sich in ihrem stillen Kämmerlein einfach ausdenken." Bei einem Besuch der Redaktion von "The Conway Daily" in New Hampshire betonte sie vor einigen Monaten, "der Sache auf den Grund" gehen zu wollen: "Wir sind womöglich schon besucht worden. Wir wissen es einfach nicht."

Auch Dokumente zur Area 51, jener mythenumrankten Militärbasis in der Wüste Nevadas, wolle sie öffentlich machen, versprach sie. Die "New York Times" widmete Clintons E.T.-Wahlkampf gerade erst eine lange Geschichte.

UFO-Fans jubeln

Dieses extraterrestrische Engagement der Demokratin mag irritieren. Aber in diesen ohnehin schon sehr eigenartigen Wahlkampf passen Clintons Sätze nur zu gut. Sie sind ein weiterer Beleg dafür, wie sehr populäre Kultur in den USA mit der Politik verschmelzen kann. Plötzlich hat auch die Science-Fiction-Gemeinde des Landes eine neue Hoffnungsträgerin. "Das ist eine Riesensache", sagt Stephen Bassett, der einzige registrierte Ufo-Lobbyist in Washington. Bassett dringt seit 20 Jahren darauf, dass die US-Regierung endlich preisgibt, was sie wirklich über mögliches außerirdisches Leben weiß. "Clinton", sagt er, "würde das Thema doch nicht erwähnen, wenn sie davon überzeugt wäre, dass es da draußen nichts gibt."

Die Ufo-Fans hoffen darauf, endlich ihr Nischendasein verlassen zu können, sobald unter einer Präsidentin Clinton die Alien-Geheimnisse gelüftet werden. Sie sind auch deswegen zuversichtlich, weil Clinton schon länger auf dem Gebiet unterwegs ist. Ihr ganzer Zirkel ist bekannt dafür, seit der Präsidentschaft von Ehemann Bill für Außerirdische zu schwärmen.

Clintons Wahlkampfmanager John Podesta, unter Bill Clinton als Stabschef im Weißen Haus, gilt als besonders umtriebiger Alien-Enthusiast. Podesta fordert seit Jahren, geheime Regierungsdokumente zu möglichen Ufo-Sichtungen öffentlich zu machen. Im Jahr 2010 schrieb er für das Buch "Ufos - Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen" des Journalisten Leslie Kean ein Vorwort. "Die Zeit, bei diesem Thema den Vorhang zu öffnen, ist längst gekommen", schrieb Podesta. Im April sagt er bei CNN: "Es gibt viele Planeten da draußen. Die Amerikaner können die Wahrheit verkraften."

Seitdem wird spekuliert, ob Podesta und Hillary Clinton womöglich mehr wissen, als sie preisgeben. Schon im Weißen Haus von Bill Clinton waren die Außerirdischen nämlich ein Thema. Parallel lief die so erfolgreiche Science-Fiction-Serie "X-Files" und sie beeindruckte die Mächtigen offensichtlich sehr.

Die Ufo-Connection des Weißen Hauses

Podesta berichtete bei CNN davon, dass Clinton in seiner Amtszeit Dokumente über die Area 51 und andere, verwandte Themen anforderte. Er selbst feierte einst eine "X-Files"-Mottoparty im Weißen Haus, bei der angeblich auch das Präsidentenehepaar anwesend war. Und Ufo-Fans wie Lobbyist Stephen Bassett können sich auch noch genau daran erinnern, wie das Weiße Haus 1993 mit der sogenannten Rockefeller Initiative zusammenarbeitete.

Der Unternehmer Laurance Rockefeller versuchte damals, die Clinton-Regierung dazu zu bringen, sämtliche verfügbare Informationen über außerirdisches Leben sowie den vermeintlichen Ufo-Absturz in Roswell 1947 zu veröffentlichen. Es wurden tatsächlich einzelne Aktenteile frei gegeben. Von den Ergebnissen waren aber all jene, die fest an extraterrestrische Existenzen glauben, enttäuscht.

Die Szene hofft nun also auf Hillary. Bassett glaubt zu wissen, warum sich die Demokratin neuerdings so mit dem Thema beschäftigt. "Sie macht das ja nicht, um die Ufo-Wähler zu bekommen. Sie macht das, weil sie weiß, dass die Dokumente sowieso irgendwann ans Licht kommen und sie in Erklärungsnot käme, wenn sie das Thema nie vorher erwähnt hätte", mutmaßt er.

Clinton tritt inzwischen als regelrechte Expertin auf. Vor einigen Wochen war sie in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, als dieser sie zu Ufos fragte. "Wissen Sie, es gibt einen neuen Namen dafür", belehrte ihn die Ex-Außenministerin. "Sie heißen jetzt 'ungeklärte oberirdische Phänomene'. Das ist die neueste Fachbezeichnung."


Zusammengefasst: Im US-Wahlkampf äußert sich Hillary Clinton neuerdings auffällig oft zu Außerirdischen und Ufos. In der Szene kommt das bestens an, die Ufo-Gläubigen hoffen auf eine Freigabe von brisanten Dokumenten - denn das hat Clinton für den Fall eines Wahlsiegs in Aussicht gestellt. In ihren Machtzirkel finden sich schon seit langem zahlreiche Alien-Fans.

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insgesamt 154 Beiträge
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Addams 13.05.2016
1. ja klar...
Die US-Amerikaner sitzen auf einem Fünfigstel der Gesamtmasse der Erde und glauben tatsächlich, dass Ausserirdische ihren ersten Antrittsbesuch vor der Haustür Washingtons abstatten. Mehr brauch man eigentlich nicht zu wissen, um die egozentrische Haltung dieser Nation zu entlarven.
tomhueskens 13.05.2016
2. Aua !
Auch noch direkt "aus anderen Galaxien" ! Aber was so ein gutes Wurmloch ist, das macht da keinen Unterschied. :-) Ich wär ja schon mit einem UFO von der Wega zufrieden. Vorausgesetzt, der Alien spielt mit mir Skat ;-)
unbekanntgeblieben 13.05.2016
3. Ich weiss nicht ...
Ob der vermeintliche Wähler, Hillary oder allg. die Amys einen größeren Sprung in ihrer Schüssel haben ... zumal ich denke, dass der Schwachsinn bei denen noch tatsächlich funktionieren könnte ... Opium fürs Volk mal anders. Aber um sich auf das Thema einzulassen: Entweder die ominösen Aliens sind 'gut', dann wollen die nichts mit uns zu tun haben (die Menschheit als ganzes dürfte ein äußerst erbärmliches Bild abgeben) oder sie sind böse ... reicht schon, wenn sie eine ähnliche Mentalität wie die Menschen haben ... Indianer, Afroamerikaner, Pygmäen ... mittlerweile haben wir das mit der Sklaverei subtiler drauf, Billiglohn und Geld. Abgesehn davon, dass seit dem 2. Weltkrieg die USA immer irgendwo Krieg für ihre Wirtschaftsinteressen führt. Nicht dass Aliens uns dann auch mal 'Frieden bringen' ... das dürfte dann allerdings anders ausfallen, als sich die Leute, die überhaupt Zeit haben über sowas nachzudenken, sich das wohl vorstellen ...
demophon 13.05.2016
4. Red Herring - Ablenkungsmanöver
Clinton wärmt das Thema Aliens auf, weil es immer gut geeignet ist, von den aktuellen wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Sie weiß, dass Donald Trump in Umfragen mehr Kompetenz zugemutet wird die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen, die verloren gegangenen Jobs wieder zurückzuholen und die Unzufriedenheit der Menschen aufgrund stagnierender Einkommen und stetig steigender Preise zu beseitigen. Mit dem Wirtschaftsthema konnte ja auch Sanders schon gegen Clinton punkten.
großwolke 13.05.2016
5.
Clintons Wahlkampf krankt vor allem an einem: sie schafft es nicht, die Klientel des Gegners anzusprechen. Vielmehr hat sie in ihrer Kampagne bisher eine Menge Manöver hingelegt, mit denen sie primär bestehende Grundhaltungen verfestigt. Mir scheint, dieses Ufo-Manöver geht in dieselbe Richung. Damit erreicht man eher diejenigen, die generell schon ziemlich aufgeschlossen sind und sich für Dinge abseits des tristen Alltags interessieren, sowie die Gebildeteren. Allesamt eher sowieso schon Demokraten-Wähler. Während diejenigen, die solche "Spinner" eh schon argwöhnisch beäugen, sich angesichts solcher Auslassungen erst recht mit dem Reaktionären verbunden fühlen werden.
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