TV-Debatte der Demokraten Clinton wirft Sanders Schmierenkampagne vor

Beim letzten Rededuell der US-Demokraten vor der nächsten Vorwahl zeigt sich Hillary Clinton angriffslustig: Bernie Sanders betreibe unrealistische Politik und "sehr hinterlistige Verleumdung".

Ex-Außenministerin Clinton in New Hampshire: "Die Rechnung geht einfach nicht auf"
REUTERS

Ex-Außenministerin Clinton in New Hampshire: "Die Rechnung geht einfach nicht auf"


Die amerikanische Ex-Außenministerin Hillary Clinton hat ihrem Parteirivalen Bernie Sanders vorgeworfen, im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten eine Schmierenkampagne zu betreiben. "Wenn Du etwas zu sagen hast, sag es", sagte Clinton bei der letzten TV-Debatte der Demokraten vor den Vorwahlen in New Hampshire. "Es ist an der Zeit, die sehr hinterlistige Verleumdung zu beenden, die Du und Deine Kampagne betreiben."

Sie reagierte damit auf Vorwürfe Sanders, sie lasse sich von großen Spendern aus der Finanzwelt beeinflussen. Laut dem Nachrichtenportal "Politico" bekam Clinton von der Investmentbank Goldman Sachs 2013 für drei Vorträge 675.000 Dollar.

Clinton konzentrierte sich bei dem TV-Event an der Universität von New Hampshire in Durham verstärkt auf die Themen Wirtschaft und Finanzen. Bislang war das ein Bereich, in dem Sanders mit seinen Angriffen auf die Wall Street punkten konnte.

Clinton warf Sanders vor, unrealistische Politik zu betreiben. Bei seinen Forderungen "geht die Rechnung einfach nicht auf". Wie der Senator sei auch sie eine "fortschrittliche" Politikerin, sagte Clinton. Aber sie könne Dinge erledigen.

Sanders wies die Kritik zurück. Seine Vorschläge wie die Abschaffung von Studiengebühren an staatlichen Universitäten werde er mit einer Steuer auf Finanzspekulationen bezahlen. "Die Mittelschicht hat die Wall Street gerettet, als sie Hilfe benötigte", sagte er. "Nun ist es an der Zeit, dass die Wall Street der Mittelschicht hilft."

Sanders und Clinton beim TV-Duell: Enges Rennen
AP

Sanders und Clinton beim TV-Duell: Enges Rennen

In New Hampshire finden am 9. Februar die nächsten innerparteilichen Vorwahlen der Demokraten und der Republikaner statt. In dem nordöstlichen Bundesstaat ist Sanders klarer Favorit bei den Demokraten: Der Senator aus dem US-Bundesstaat Vermont führt in Umfragen mit 2:1 vor Clinton. Am vergangenen Montag hatte die 68-Jährige die Vorwahl in Iowa mit einem hauchdünnen Vorsprung gewonnen.

Bei den Republikanern sagen die Umfragen für New Hampshire einen Sieg des umstrittenen Milliardärs Donald Trump vorher. Marco Rubio liegt demnach auf Platz zwei, und Ted Cruz - der Sieger aus Iowa - auf dem dritten Platz.

Die USA wählen am 8. November ein neues Staatsoberhaupt. Präsident Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Die Vorwahlen in allen 50 US-Staaten ziehen sich bis in den Frühsommer hin, ihre Kandidaten küren Republikaner und Demokraten dann offiziell bei den Nominierungsparteitagen im Juli.

US-Vorwahlen
Ergebnisse der US-Vorwahlen

aar/dpa/AFP



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insgesamt 47 Beiträge
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CommonSense2006 05.02.2016
1. da verstehe ich Hillary nicht
Was ist denn daran verleumderisch oder hinterlistig, wenn er darauf hinweist, dass sie kaum die richtige Person ist, um sich mit der Wall Street anzulegen, wenn sie von Goldmann Sachs erhebliche Geldbeträge zugeschoben bekommt, für was auch immer? Also Sanders kann man ja meinetwegen Blauäugikeit vorwerfen, aber hinterfotzig ist er in der Sache nun wirklich nicht.
bolith0 05.02.2016
2. Das kann sie ja wohl nicht ernst meinen!
Sanders war während des gesamten Wahlkampfes extrem fair, und ging niemals auf unfaire Fragen der Moderatoren ein, welche ihn z.B. nach seiner Meinung über Bill Clintons Affäre gefragt hatten. Während der E-Mail-Affäre hat er Clinton sogar verteidigt um sinnvollere Themen anzusprechen. Außerdem spricht Sanders seine einzige wirkliche Kritik an Clinton sehr offen aus: Anders als er, hat sie Spenden in Millionenhöhe von großen Firmen genommen, was ihrer Glaubwürdigkeit in der Tat sehr schadet. Niemand gibt Geld, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Clinton allerdings hat im vergangen Jahr versucht Sanders Kampagne zu sabotieren indem sie Sanders Wahlkamfdaten sperren ließ.
dimitri_dimitrov 05.02.2016
3. hinterlistige Verleumdung
...so entkräftet man die Vorwürfe von der Wallstreet geschmiert zu sein aber kaum. Klingt nach rhetorischer Ablenkung und dann der billige Angrif mit "sag was du zusagen hast" ... ok, Hillary, du bist geschmiert! Nu sag, was du zusagen hast! Aber bitte mit Inhalten und ohne unbelegte Wertungen.
ofelas 05.02.2016
4. Bernie faehrt das ganze gegen die Wand-street
Verleumdung, ich denke diese Artikel geben die wahren Gruende her Clinton blasts Wall Street, but still draws millions in contributions https://www.washingtonpost.com/politics/clinton-blasts-wall-street-but-still-draws-millions-in-contributions/2016/02/04/05e1be00-c9c2-11e5-ae11-57b6aeab993f_story.html Bernie’s making Wall Street shiver: Goldman Sachs CEO Lloyd Blankfein lashes out against Sanders, warning a “dangerous moment” could be ahead http://www.salon.com/2016/02/04/bernies_making_wall_street_shiver_goldman_sachs_ceo_lloyd_blankfein_lashes_out_against_sanders_warning_a_dangerous_moment_could_be_ahead/
kjartan75 05.02.2016
5. Hochgejazzter Streit
Die Medien brauchen Stories. Das sieht man auch hier wieder. Da wird ein Satz von Clinton mal wieder zu einem heftigen Streit hochgejazzt. Fakt ist, dass die demokratischen Debatten weitaus friedlicher verlaufen als bei der GOP. Eine Umfrage von Monmouth zeigt, dass 80% der Sanders-Wähler kein Problem damit hätten, auch Clinton zu unterstützen.
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