Debatte nach Briefbombenserie Hillary Clinton wirft Trump "rücksichtslose Rhetorik" vor

"Die Atmosphäre ist unberechenbar und hasserfüllt": Hillary Clinton rechnet nach der Paketbombenserie in den USA mit Donald Trump ab - auch dessen Vorgänger Barack Obama äußert sich ungewohnt deutlich.

Hillary Clinton in New York
AFP

Hillary Clinton in New York


Der Verantwortliche für die Briefbombenserie in den USA ist offenbar gefunden, Cesar S. wurde in Florida festgenommen. Kurz vor den Halbzeitwahlen prägt das Thema den Wahlkampf. Hillary Clinton, die bei der Präsidentschaftswahl Donald Trump unterlegen war, sieht den Präsidenten zumindest indirekt mit in der Verantwortung.

"Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist, und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtslose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll", sagte Clinton am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y. "Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: Er treibt sie an, und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen."

REUTERS

Die Briefbomben hatten die USA seit Mittwoch in Atem gehalten. Insgesamt stellten die Ermittler bislang 13 Päckchen sicher. Sie waren an Personen adressiert, die als Hassfiguren der politischen Rechten gelten.

Paketbombe, an Ex-CIA-Chef John Brennan adressiert
AP/ ABC News

Paketbombe, an Ex-CIA-Chef John Brennan adressiert

Neben Clinton und dem früheren Präsidenten Barack Obama waren Ex-Vizepräsident Joe Biden, der ehemalige CIA-Direktor James Brennan, der Milliardär und Spender für die oppositionellen Demokraten George Soros und der Schauspieler Robert De Niro darunter. Die Päckchen konnten allesamt abgefangen werden, verletzt wurde niemand. Nach Darstellung der Bundespolizei FBI handelte es sich bei den Sprengsätzen nicht um Attrappen.

Auch Obama kritisierte Trump so scharf wie selten, ohne den Präsidenten allerdings beim Namen zu nennen. Republikaner "denken sich einfach Dinge aus", sagte Obama bei Wahlkampfauftritten in Milwaukee und Detroit. Als Beispiel nannte er Trumps Ankündigung, vor den Halbzeitwahlen Steuererleichterungen durchzusetzen. Der Kongress habe vor den Wahlen gar keine Sitzungstage mehr, sagte Obama. "Er denkt es sich einfach aus!"

"Was wir bislang im öffentlichen Leben nicht gesehen haben, sind Politiker, die offenkundig, wiederholt und schamlos lügen." Über Trumps Versprechen, den "Sumpf in Washington auszutrocknen", sagte Obama, die Regierung habe in der Hauptstadt einfach losgeplündert. Aus Trumps Administration seien so viele Leute angeklagt worden, dass es für ein Footballteam reiche.

Barack Obama bei Wahlkampfauftritt
AFP

Barack Obama bei Wahlkampfauftritt

Weil die Päckchen an Menschen adressiert waren, die Trump kritisieren und vom Präsidenten oft verbal angegangen werden, gibt es eine Debatte darüber, ob Trump mit seiner oft hetzerischen Rhetorik eine Mitschuld an den Taten trage. Er tut sich regelmäßig mit heftigen verbalen Attacken auf die Demokraten und die Medien hervor. Kritiker werfen ihm vor, die Spaltung in der US-Gesellschaft dadurch weiter voranzutreiben.

Äußerungen des Verdächtigen auf Twitter und Facebook legen nahe, dass er ein Anhänger Trumps ist und offenbar sogar Wahlkampfveranstaltungen besucht hat. Laut dem Sender CNN ist er ein eingetragener Republikaner. Auf dem Auto des Mannes war eine Reihe von Bildern geklebt, auf denen unter anderem Trump und sein Vize Mike Pence, die Aufschrift "CNN sucks" (etwa: CNN ist ätzend) sowie ein Konterfei von Hillary Clinton mit einem Fadenkreuz über dem Gesicht zu sehen waren. S. habe eigentlich nicht für Politik interessiert, sagte der Anwalt Ron Lowy dem Sender CNN. Offenbar fühlten sich "solche Außenseiter" wie sein Mandant aber angesprochen von Trumps Politikstil.

Cesar S.
REUTERS/Broward County Sheriffs Office

Cesar S.

Trump verurteilte die Taten als "Terrorakte", der Täter müsse "mit der ganzen Härte des Gesetzes" bestraft werden: "Politische Gewalt darf in Amerika niemals geduldet werden, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie zu stoppen." Der Präsident wies aber jede Verantwortung von sich und sagte, er trage keine Mitschuld.

Auf die Frage, ob er etwas an seiner Rhetorik ändern wolle, antwortete er, er habe seinen Ton bereits abgemildert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wenig später attackierte Trump die Medien und die oppositionellen Demokraten erneut scharf. Später zog er über Clinton sowie die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters her, an die ebenfalls ein Päckchen adressiert war.

Am Freitag hatten die Sicherheitsbehörden in Florida den 56 Jahre alten Cesar S. gefasst (mehr über den Verdächtigen lesen Sie hier). Er wurde angeklagt und muss sich unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Der Verdächtige ist vorbestraft. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn durch einen Fingerabdruck identifiziert, den sie auf einem der Päckchen gefunden hatten.

Video: Paketbomben in den USA - Verdächtiger in Florida festgenommen

AFP/ WPLG

FBI-Chef Christopher Wray erklärte am Freitag, der Inhalt habe jeweils aus einem etwa 15 Zentimeter langen PVC-Rohr, einer kleinen Uhr, einer Batterie, einer Verkabelung und sogenanntem energetischem Material bestanden, das potenziell explosiv gewesen sei. Er warnte davor, dass noch weitere Päckchen im Umlauf sein könnten.

Zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern. Dafür sei es noch "zu früh", sagte der Direktor der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, in Washington. Es gebe noch viele offene Fragen.

ulz/dpa/AP



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Seite 1
bakiri 27.10.2018
1.
Es ist bestimmt wie Trump sagt: Er ist weder für seine Politik, die Spaltung der Nation noch den Attentäter verantwortlich. Es gibt einfach Menschen, die nie für etwas verantwortlich sind. Einfach nur weil ihr Genius die gesamte Welt überstrahlt und sie die einzige wahre und ehrenwerte Sichtweise haben. Alles was falsch läuft und Spinner auf die Tagesordnung ruft kann also nicht mit ihm in Verbindung stehen. "Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht" ist das einzig wahre Motto, um eine große Nation wie eine Familie zusammenzuhalten. Alles andere ist doch einfach nur Fake News! Ich finde man sollte nur noch Staatsoberhäupter in der Altersgruppe 70+ zulassen. Der Intellekt und die Sicht nach vorne ist dort einfach supi ;-)
g.eliot 27.10.2018
2.
Zitat von bakiriEs ist bestimmt wie Trump sagt: Er ist weder für seine Politik, die Spaltung der Nation noch den Attentäter verantwortlich. Es gibt einfach Menschen, die nie für etwas verantwortlich sind. Einfach nur weil ihr Genius die gesamte Welt überstrahlt und sie die einzige wahre und ehrenwerte Sichtweise haben. Alles was falsch läuft und Spinner auf die Tagesordnung ruft kann also nicht mit ihm in Verbindung stehen. "Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht" ist das einzig wahre Motto, um eine große Nation wie eine Familie zusammenzuhalten. Alles andere ist doch einfach nur Fake News! Ich finde man sollte nur noch Staatsoberhäupter in der Altersgruppe 70+ zulassen. Der Intellekt und die Sicht nach vorne ist dort einfach supi ;-)
Das sind wahrlich weise Worte. Und eine überwältigende Mehrheit der Reaktionen auf Trumps Twitter Acount bestätigt das: https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1055826295337172993?ref_src=twsrc^google|twcamp^news|twgr^tweet lol Eines muss man den Amerikanern lassen: Humor haben sie, trotz der Misere mit ihrem Genie.
medienskeptiker 27.10.2018
3. Gut dass Hillary Clinton nicht Präsidentin wurde
Es ist einfach unglaublich wie sie immer und immer wieder den Hass in der US Politik schürt. Trump für die Attentatsversuche eines Verrückten mitverantwortlich zu machen ist ein historischer Tiefpunkt in der Politik in den USA. Derartiges kam nie voe,dass der politische Gegner für Attentate verantwortlichgemacht wurde. Und politische Attentate gab es in den USA wahrlich viele. Von Lincoln. Garfield, Mc Kinley,den beiden Kennedys, Martin Luther Ling. Reagan. Dass 017 ein Verrückter republikanische Abgeordnete bei einem Baseball Train ing unter Beschuss nahm und einen republikanischen Abgeordneten schwer verletzte,wird geflissentlich vergessen.Was sich seit mehr als 2 Jahren in den USA an wüsten Gehässigkeiten abspielt(von beiden Parteien und den Medien) ist langsam unerträglich. Wenigstens die europäischen Medien könnten sich da heraus halten.
hugahuga 27.10.2018
4.
Die Wut, die Wahl verloren zu haben ist bei $Clinton offensichtlich. Meine Freude, dass diese Dame verloren hat ebenfalls. Obama wurde - was die Zahl der Opfer anbelangt - von Trump bisher noch nicht übertroffen. Nicht, dass ich viel von Trump halte, aber er agiert auch nur als Marionette der Hintergrund-Eliten und führt deren Pläne aus. Seine Proletenart erleichtert es, ihn entsprechend zu instrumentarisieren.
g.eliot 27.10.2018
5.
Zitat von hugahugaDie Wut, die Wahl verloren zu haben ist bei $Clinton offensichtlich. Meine Freude, dass diese Dame verloren hat ebenfalls. Obama wurde - was die Zahl der Opfer anbelangt - von Trump bisher noch nicht übertroffen. Nicht, dass ich viel von Trump halte, aber er agiert auch nur als Marionette der Hintergrund-Eliten und führt deren Pläne aus. Seine Proletenart erleichtert es, ihn entsprechend zu instrumentarisieren.
Na ja, Obamas Amtszeit belief sich auf acht Jahre. Die Anzahl ziviler Tote durch Krieg sowie durch Drohnentötungen ist seit Trumps Amtszeit relativ gesehen, also am Zeitraum gemessen, enorm gestiegen. Weil Sie hier regelmäßig schreiben, hätten Sie das eigentlich anhand entsprechender Informationen mit Quellennachweis zur Kenntnis nehmen sollen. Aber da habe ich schon längst die Hoffnung aufgegeben. Vielleicht gehören solche Fakten in Ihrer Welt zu den Fake News...? Außerdem hat er die Truppenstärke in Mittleren Osten um 33% erhöht, dass sind zig tausend mehr Männer, vor allem in Afghanistan. Und während Obama die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien stoppte, wegen der vielen zivilen Tote, verkauft Trump Waffen ohne Einschränkung und lässt das US Air Force obendrein den Saudis bei den menschenverachtenden Bombardierungen helfen, zwecks Treffsicherheit. Er ist also mitverantwortlich für die zivilen Tötungen, auch von Kindern. Das war hier auch schon mehrmals kommentiert. Aber entweder lesen Sie die Posts nicht oder wollen den Inhalt nicht zur Kenntnis nehmen. Aber das reicht ja alles nicht, damit Sie Ihre Meinung revidieren. Dass Sie ihn quasi dann noch als "Opfer" darstellen, als Marionette der Eliten, ist auch nur eine Ausrede. Er ist und war von Anfang an keine Marionette, sondern hat seine mittellosen, abgehängten Wähler vorsätzlich getäuscht. Manche haben das durchschaut, manche sehen ihren Irrtum ein, manche wissen das, aber halten trotzdem mit Händen und Füßen zu ihm. Manche haben Ausreden, wie z.B. "Marionette". Aber selbst dann wäre er ja nichts als ein Loser.
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