Clintons Wahlkampfmanager Der Hillraiser

Er ist erst 35 Jahre alt und soll Hillary Clinton zur Präsidentin machen: Wahlkampfmanager Robby Mook gilt als Wunderwaffe der Demokraten. Der schwierigste Teil des Jobs - die Problemfamilie der Kandidatin bändigen.

Kandidatin Clinton: Frischer Wind mit Daten-Nerd
REUTERS

Kandidatin Clinton: Frischer Wind mit Daten-Nerd

Von , New York


Robby Mook hat seinen eigenen Fanclub: Die Mook Mafia, einen eingeschworenen Freundeskreis aus rund 150 Wahlkampf-Veteranen. Die Mitglieder kommunizieren über eine private Listserv-Mailingliste mit dem Hashtag #mafia4life - manchmal auch recht deftig: "F U Republicans", lautete einer der Einträge. Klartext: "Fuck you."

Die pikanten E-Mails wurden Ende vergangenen Jahres publik, als sie jemand an den Fernsehsender ABC News lancierte. Ein durchsichtiger Versuch, Mook und seine Mannschaft zu diskreditieren: Der anonyme Informant, so ABC, habe verhindern wollen, dass Mook eine "Führungsrolle" im Wahlkampf übernehme.

Kurz darauf berief Hillary Clinton ihn dennoch zu ihrem Wahlkampfmanager - zunächst nur inoffiziell. Aber seit sie am Sonntag ihre Präsidentschaftskandidatur mit einem Web-Video verkündete, hat er den Job nun auch ganz offiziell.

Robby Mook: Wunderwaffe des Wahlkampfes
Getty Images

Robby Mook: Wunderwaffe des Wahlkampfes

Nach einer Karriere hinter den Kulissen steht Mook, 35, plötzlich im Rampenlicht: als Chefstratege einer Organisation, die bis zum Urnengang im November 2016 insgesamt bis zu 2,5 Milliarden Dollar verfeuern dürfte. Clintons zweiten Anlauf auf das Weiße Haus zu inszenieren, ist ein Höllenjob. Die Kandidatin ist schwierig, trägt jede Menge Altlasten mit sich herum und erlebte 2008 einen dramatischen Flop.

Neustart dringend gewünscht

Mit dem Daten-Nerd Mook zeigt Clinton, wie sehr sie einen Neustart hinlegen will - und eine Abkehr von der vermeintlichen dynastischen Unvermeidlichkeit. Seit 1978, als sie mit Bill Clinton in die Gouverneursvilla in Little Rock, Arkansas, einzog, steht sie in der Arena. Da war Mook noch nicht einmal geboren.

Inzwischen nennen sie ihn die "Wunderwaffe": Mook ist direkt unter dem Chef des Wahlkampfteams angesiedelt. Den Posten hat John Podesta inne, Ex-Stabschef im Weißen Haus. Mook soll nicht nur Clintons Team verjüngen, sondern auch das Image der 67-jährigen Kandidatin.

Der Generationswechsel ist überfällig. Die meisten Gurus der letzten Wahlkämpfe - David Axelrod, Jim Messina, James Carville - haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen und bekleiden inzwischen lukrativere Posten als TV-Kommentatoren. Sie waren streitlustige Narzissten. Mook - übrigens auch der erste offen schwule Wahlkampfmanager in der US-Geschichte - ist still, charmant und diskret.

Seit Jahrzehnten in der Skandalarena: Hillary und Bill Clinton (1998)
AP

Seit Jahrzehnten in der Skandalarena: Hillary und Bill Clinton (1998)

So diskret, dass sein mutmaßliches Twitter-Profil ein Anachronismus in dieser Welt endlos-digitaler Eigenwerbung ist: Er folgt auf Twitter nur drei anderen - Barack Obama, der "New York Times" und Taylor Swift. Er gibt auch kaum Interviews, das letzte erschien 2013 in der Wochenzeitung "Seven Days", die in seinem Heimatstaat Vermont erscheint. Das Blatt pries ihn als "Wunderkind".

"Robby kümmert sich um persönliche Beziehungen", sagte Teresa Vilmain, die 2008 Clintons Iowa-Team leitete, dem Magazin "Vice". "Er nimmt sich Zeit, die Leute kennenzulernen."

Eine ruhige Hand ist bitter nötig. Loyalisten, Egomanen und der ewige Störenfried Bill: "Hillaryland" ist eine chaotische Problemfamilie. An den internen Machtkämpfen scheiterte 2008 Clintons erste Wahlkampfchefin Patti Solis Doyle.

Damals war Mook bereits mit dabei: In den Vorwahlstaaten Nevada, Indiana und Ohio half er mit seinen Datenbanken dabei, dass sich Clinton knapp gegen Konkurrent Barack Obama durchsetzen konnte.

Verpasster Anlauf: Clinton und Obama zum Ende des Vorwahlkampfes 2008
DPA

Verpasster Anlauf: Clinton und Obama zum Ende des Vorwahlkampfes 2008

Schon an der Universität von Columbia organisierte Mook die College-Demokraten. Später zog er für Vermonts Ex-Gouverneur Howard Dean von Tür zu Tür, wechselte zu den Kongress-Demokraten und steuerte 2013 den früheren Parteichef Terry McAuliffe bei der Gouverneurswahl von Virginia zum Sieg. Das war ein außerordentlich schmutziger Wahlkampf - der Charmeur kann auch hart sein.

Auch der mutmaßliche Chefstratege in Hillarys Wahlkampf, Ehemann Bill Clinton, schätzt den Berater offenbar sehr. "Präsident Clinton liebte ihn, sie hatten ein tolles Verhältnis", sagte McAuliffe der "New York Times". "Aber Robby ist am glücklichsten, wenn er mit seinem Computer und seinen Daten im Büro sitzt." Bis vor Kurzem handelte es sich dabei um ein paar Quadratmeter in Manhattan, manchmal nutzte Mook sogar seine Abstellkammer zum telefonieren. Inzwischen ist das Team in Clintons offizielle Wahlkampfzentrale nach Brooklyn umgezogen.

Sein Job ist es, Clinton als modernes Zukunftsideal zu positionieren und von der Aura des Gestrigen zu befreien. Als Vorlage gilt ihr Senatswahlkampf im Jahr 2000. Damals tingelte sie mit einer "Listening Tour" durch die Provinz und tat so, als lägen ihr die Interessen der Bürger am Herzen.

Genau diese Strategie verfolgt Mook offenbar auch diesmal. Das zeigt schon Clintons Kandidatur-Video vom Sonntag, voller Wärme, Witz und "ganz normaler" Wähler. Clinton selbst taucht da erst nach eineinhalb Minuten auf, ganz am Ende.

Im Video: Hillary Clinton macht ihre Kandidatur offiziell.

REUTERS
Zum Autor
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

Der Autor auf Facebook

Mehr Artikel von Marc Pitzke

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schwaebischehausfrau 13.04.2015
1. Es sagt ne Menge aus...
..über die USA und ihr Politikverständnis und über die Qualität der US-Präsidenten , wenn das Präsidenten-Amt permanent innerhalb einiger Familien-Clans durchgereicht wird: Im letzten Jahrhundert die Kennedys und der unsägliche Bush-Clan - jetzt die Ehefrau des Ex-Präsidenten. Fast so wie wenn bei uns jeder mittelmässige TV-Schauspieler seine gänzlich untalentierten Kinder beim Fernsehen unterbringt. Primäre Qualifikation: "Der Sohn, die Tochter von ..".
pospischilp 13.04.2015
2. Ohne Kohle geht nix im US-Wahlkampf...
Eigentlich ziemlich "shocking" wenn man das alles so verfolgt. Der Kandidat, der den höchsten Milliarden-USD-Betrag auftut, hat die höchsten Chancen. Das US-System ähnelt immer mehr einem mittelalterlichen Feudalsystem. An Stelle der wahlberechtigten Fürsten treten die Finanz- und Wirtschafts-Oligarchen, der zu bestimmende Kaiser ist der US-Präsident.
borgani 13.04.2015
3.
Gott sei Dank hat die Kanzlerin offenbar keine näheren Verwandten, die in Erbfolge Anspruch auf das Kanzleramt erheben werden. Wahrscheinlich ist die aus europäischer Sicht merkwürdige traditionelle Polit-Dynastiebildung in den VSA doch eher auf den verdeckten Neid zurückzuführen, über keine eigene Königin bzw. König zu verfügen. Schließlich muss der einfache Bürger sich dann nie Gedanken darüber machen, wer sein nächstes Staatsoberhaupt wird. Europa könnte den Amis sicher einige zur Rente anstehenden Kandidaten zur Verfügung stellen.
luehrs 13.04.2015
4. Bill
ich finde das nur aus einem Grund Klasse wenn sie Präsidentin wird. Was macht die First Lady ( Bill ) den ganzen Tag??
muellerthomas 13.04.2015
5.
Zitat von borganiGott sei Dank hat die Kanzlerin offenbar keine näheren Verwandten, die in Erbfolge Anspruch auf das Kanzleramt erheben werden. Wahrscheinlich ist die aus europäischer Sicht merkwürdige traditionelle Polit-Dynastiebildung in den VSA doch eher auf den verdeckten Neid zurückzuführen, über keine eigene Königin bzw. König zu verfügen. Schließlich muss der einfache Bürger sich dann nie Gedanken darüber machen, wer sein nächstes Staatsoberhaupt wird. Europa könnte den Amis sicher einige zur Rente anstehenden Kandidaten zur Verfügung stellen.
Auf die von Weizsäckers war und ist Deutschland so so stolz und auch die Vogel-Brüder wurden in den Medien gerne als Polit-Familie herausgekramt. VdL ist Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht, die de Maizeres sind ein Polit-Clan usw. Natürlich kann man das kritisch sehen, aber zum einen ist es hierzulande nicht so viel anders, zum anderen kann man ja schlecht eine Person ein politisches Amt verbieten unter dem Hinweis, dass bereits ein Verwandter ein hohes Amt innehat(te).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.