Hintergrund: Von Labour zu New Labour

Als Gerhard Schröder einmal als Ehrengast von Tony Blair die "gute, alte Labour-Partei" begrüßte, erhob sich unter den Parteitags-Delegierten schallendes Gelächter. Denn die alte Labour-Partei ist eigentlich abgeschafft, und jeder, der sich noch zu ihr bekennt, wird von Blair in die Wüste geschickt.

"New Labour": Blair auf dem Parteitag der britischen Arbeiterpartei
REUTERS

"New Labour": Blair auf dem Parteitag der britischen Arbeiterpartei

London - Wenn der Premier von seiner Partei spricht, dann fast nur noch von "New Labour". Die Erneuerung der 103 Jahre alten Arbeiterpartei hat lange auf sich warten lassen. Im Vergleich zur SPD, die sich schon 1959 im Godesberger Programm vom Klassenkampf verabschiedete, schrieben die britischen Genossen den Sozialismus noch lange stolz auf ihre Fahnen. Labour-Premier Harold Wilson (1964-1970 und 1974-1976) gab sein Marx- Studium zwar schon auf Seite 2 des "Kapitals" entnervt auf, doch noch bis in die neunziger Jahre war die Verstaatlichung der Produktionsmittel im Parteiprogramm festgeschrieben.

Erst nach vier verlorenen Wahlen in Folge kam 1994 die "Stunde Blair": Der erklärte Thatcher-Bewunderer drängte als neuer Parteichef den Einfluss der Gewerkschaften zurück und warf allen ideologischen Ballast über Bord. Sein "Dritter Weg" sei einfach "alles, was funktioniert", erklärte er einmal. Solange Blair als strahlender Wahlgewinner und beliebtester Premierminister der britischen Geschichte die politische Bühne dominierte, wagte ihm keiner zu widersprechen. Doch nun, da sein Stern durch den Irak-Krieg verblasst ist, meldet sich "Old Labour" plötzlich zurück. Blairs Rivale, Schatzkanzler Gordon Brown, distanzierte sich am Montag schon vom New Labour-Projekt: Er sprach nur noch von Labour - ganz wie in alten Zeiten.

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