Historische Entscheidung Barack Obama gewinnt US-Wahl

Die Präsidentschaftswahl in den USA ist entschieden: Um 4.59 Uhr erklärte der US-Fernsehsender CNN den Demokraten Barack Obama zum Gewinner. Die Siege in den wichtigen Bundesstaaten Virginia und Florida brachten die Entscheidung.


New York - Die entscheidenden Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in den USA sind da - und zeigen einen deutlichen Vorsprung für den Demokraten Barack Obama. Er siegte nach Prognosen mehrerer US-Fernsehsender in den Bundesstaaten Florida, Kalifornien, Pennsylvania, Ohio, New York, Michigan, Virginia, Wisconsin, Minnesota, Rhode Island, Massachusetts, Maryland, New Jersey, Illinois, der Hauptstadt Washington DC, Connecticut, Maine, Delaware, New Hampshire, Vermont, Iowa, New Mexico, Hawaii, Oregon, Washington State und Oklahoma.

Der Republikaner John McCain hingegen siegte im US-Staat Kentucky, in Texas, Georgia, Mississippi, North Dakota, Wyoming, West Virginia, Alabama, Arkansas, Utah, Kansas, South Carolina, Tennessee, Louisiana und Oklahoma.

Laut CNN kann McCain auf 139 Wahlmännerstimmen zählen, Obama auf 297. Für die Wahl zum US-Präsidenten sind 270 Wahlmännerstimmen nötig - somit liegt Obama uneinholbar vorn.

Obama wartete die Stimmenauszählung in seinem Haus in Chicago ab. Im Wahlkampf hat der 47-Jährige in 21 Monaten insgesamt 49 der 50 US-Staaten besucht. McCain hält sich in der Wahlnacht in seinem Heimatstaat Arizona auf.

Die Stimmung in den jeweiligen Lagern könnte unterschiedlicher kaum sein. Auf Fernsehbildern waren Zehntausende jubelnde Obama-Anhänger bei einer gigantischen Party unter freiem Himmel in Chicago im Bundesstaat Illinois zu sehen - in Phoenix, Arizona, hingegen ging es deutlich ruhiger zu. McCains Unterstützer sahen dort geduldig unterschiedlichen Bühnendarbietungen zu, einem Kinderchor etwa oder einem Gitarre spielenden Countrysänger.

Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie am Dienstag. Schon bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 wurde mit 60,7 Prozent die höchste Beteiligung seit 1968 registriert. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung am Dienstag auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch.

Sechs von zehn Wählern im ganzen Land nannten die Sorge um die Volkswirtschaft als wichtigsten Faktor ihrer Wahlentscheidung, wie eine Wählernachfrage der Nachrichtenagentur AP ergab. Vier von zehn Wählern gaben zudem an, die finanzielle Situation ihrer Familie habe sich in den vergangenen vier Jahren verschlechtert. Etwa die Hälfte der Befragten zeigte sich sehr besorgt, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise die eigene finanzielle Lage belasten werde. Kein anderes Thema, darunter die Energiepolitik, der Irak-Krieg, der Terrorismus und die Gesundheitsversorgung, hatte bei den Wählern einen höheren Anteil als zehn Prozent. Die Wählernachfrage beruht auf einer Stichprobe von nahezu 10.000 Wählern nach ihrer Stimmabgabe.

Obama gehörte in seinem Stimmbezirk in Chicago zu den ersten Wählern. Zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den zehn- und siebenjährigen Töchtern Malia und Sasha erschien er bereits kurz nach 7.30 Uhr (Ortszeit) im Wahllokal in einer Grundschule. "Die Reise ist zu Ende", sagte er anschließend mit Blick auf den langen und mit harten Bandagen geführten Wahlkampf.

McCain gab seine Stimme in einer Kirche in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona ab. Begleitet wurde der 72-Jährige von seiner Ehefrau Cindy.

Mit Blick auf die hohe Beteiligung hofften die Demokraten am Dienstag auch auf ein erfolgreiches Abschneiden bei der gleichzeitigen Kongresswahl. Neu gewählt wurden am Dienstag alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 35 der 100 Mandate im Senat.

ffr/AP/Reuters/dpa



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