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Historischer Sieg: Linker Bischof sorgt für Machtwechsel in Paraguay

Historischer Machtwechsel in Paraguay: Der ehemalige Bischof Fernando Lugo hat nach 61 Jahren die Herrschaft der Colorado-Partei beendet. Der linksgerichtete Beifreiungstheologe wird damit neuer Präsident des südamerikanischen Landes.

Asunción - Erstmals seit 1947 steht mit dem ehemaligen Bischof und Befreiungstheologen Fernando Lugo ein linksgerichteter Politiker an der Spitze des südamerikanischen Staates. Auf den 56-Jährigen entfielen bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag knapp 41 Prozent der Stimmen - zehn Prozentpunkte mehr als auf die Kandidatin der seit 61 Jahren regierenden Colorado-Partei, Ex-Bildungsministerin Blanca Ovelar.

Fernando Lugo: Triumph für den "Bischof der Armen"
REUTERS

Fernando Lugo: Triumph für den "Bischof der Armen"

In einer ersten Reaktion sprach Lugo von einem "geschichtsträchtigen Datum": Paraguay werde künftig nicht mehr für seine "Korruption und Armut" bekannt sein, sondern für seine "Ehrlichkeit".

Ovelar gestand bereits vor Verkündung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses ihre Niederlage ein und gratulierte Lugo zu seinem Triumph. Auch der 64-jährige frühere General Lino Oviedo, der abgeschlagen auf dem dritten Platz landete, räumte schon vorher seine Niederlage ein.

Entgegen den Befürchtungen verliefen die Wahlen weitgehend ohne Zwischenfälle. Wahlbeobachter berichteten allerdings von vereinzelten Versuchen von Anhängern der Colorado-Partei, Stimmen zu kaufen oder Wähler einzuschüchtern. Insgesamt waren gut 2,8 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, neben dem Präsidenten auch dessen Stellvertreter, das Parlament, Gouverneure und Gemeinderäte zu wählen. Die Beteiligung lag bei 65 Prozent.

Lugo trat an der Spitze des Mitte-Links-Bündnisses Patriotische Allianz für den Wandel (APC) an. Mit Feuerwerk und Hupkonzerten feierten seine Anhänger schon am Nachmittag in der Hauptstadt Asunción den sich abzeichnenden Wahlsieg. In einer kurzen Ansprache vor seinem Wahlkampfhauptquartier sagte der ehemalige "Bischof der Armen", die Wahlen hätten gezeigt, "dass auch die Kleinen gewinnen können". Mit ihm an der Staatsspitze habe die "Klientelwirtschaft", die dem Land so großen Schaden zugefügt habe, "ein Ende".

Mit seinem Sieg brach Lugo das jahrzehntelange Machtmonopol der Colorado-Partei - darunter 35 Jahre lang mit dem deutschstämmigen Diktator Alfredo Stroessner an der Spitze. Das neue Staatsoberhaupt wird für eine auf fünf Jahre begrenzte und nicht erneuerbare Amtszeit gewählt. Der scheidende Präsident Nicanor Duarte hatte vergeblich versucht, sich per Verfassungsänderung selbst erneut zur Wahl zu stellen. Den Protest dagegen hatte 2006 Lugo angeführt. Noch im selben Jahr wechselte er in die Politik. Duarte sagte zu, für einen friedlichen Machtwechsel zu sorgen. Sein Nachfolger wird am 15. August vereidigt.

In seinem Wahlprogramm sagte Lugo Armut und Korruption den Kampf an und versprach, für mehr soziale Gerechtigkeit und eine unabhängige Justiz zu sorgen. Er werde auf eine "wirkliche Integration der Region und des gesamten Kontinents hinarbeiten", kündigte Lugo am Sonntag an. Nach seinem Sieg besteht die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur nun ausschließlich aus Ländern mit linksgerichteten Regierungen.

Ex-General Oviedo kandidierte für eine Abspaltung der Colorado-Partei. Er war 1989 maßgeblich am Sturz des deutschstämmigen Diktators Alfredo Stroessner beteiligt, der das Land seit 1954 mit harter Hand regierte. 1999 wurde der ehemalige Heereschef unter anderem wegen eines Putschversuchs im Jahr 1996 inhaftiert. Oviedo wird auch verdächtigt, 1999 in das Mordattentat auf den damaligen Vizepräsidenten Luis María Argaña 1999 verwickelt gewesen zu sein. Der Oberste Gerichtshof setzte Oviedo im Juli 2007 überraschend auf freien Fuß - nach Meinung von Beobachtern, um die um Lugo zusammengeschlossene Opposition zu schwächen.

als/AFP/AP

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