USA in der Krim-Krise Hillarys Paukenschlag

Sie vergleicht Putins Taktik mit der Hitlers. Sie warnt vor einer Re-Sowjetisierung Russlands - und setzt auf die deutsche Kanzlerin: Hillary Clinton bestimmt in den USA in Sachen Krim-Krise die Schlagzeilen, nicht Präsident Obama. Was steckt dahinter?

Von , Washington


Barack Obama wollte sich im Café Beauregard endlich seinem Beef-Sandwich widmen. Vor allem aber wollte er jetzt nichts zu Russland sagen, nichts zur Krim-Krise. Schließlich war er an diesem Mittwoch nach New Britain im Ostküstenstaat Connecticut gekommen, um für die Erhöhung des Mindestlohns zu werben. Als ihn die Reporter beim Mittagessen im Café dennoch um ein Ukraine-Update baten, da sagte der US-Präsident einfach nur: "Thank you."

Daheim schwieg Obama, und drüben in Paris verhandelte erfolglos Außenminister John Kerry. Die US-Bühne aber gehörte an diesem Tag einer anderen, von der man derart deutliche Worte in dieser Sache nicht erwartet hatte, weil sie doch gar kein Amt mehr hat: Hillary Clinton.

Die Ex-Außenministerin knöpfte sich Russlands Präsident Wladimir Putin vor. Und wie.

Erst berichtete eine kalifornische Lokalzeitung, Clinton habe während einer Spendengala am Vortag die Politik Putins mit dem Verhalten Hitlers verglichen. Kolportierter O-Ton: "Wem das bekannt vorkommt - es ist das, was Hitler in den dreißiger Jahren gemacht hat." Der Diktator habe stets gesagt, "die ethnischen Deutschen, die Deutschen per Abstammung, die in Gebieten wie der Tschechoslowakei oder Rumänien waren, werden nicht richtig behandelt. Ich muss mein Volk beschützen." Clinton schränkte offenbar ein: Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Putin "so irrational wie der Anstifter des Zweiten Weltkriegs" sei.

Putin? "Harter Kerl mit dünner Haut"

Nun sind Hitler-Anspielungen in der Politik so eine Sache. Meistens gehen sie nach hinten los. Clinton aber legte am Mittwochnachmittag noch mal nach. Bei einem Auftritt vor Studenten der University of California in Los Angeles stellte sie mit Blick auf Putin fest: "Wir haben es hier mit einem harten Kerl mit dünner Haut zu tun." Was sie damit wohl sagen will: Ein Mann mit Minderwertigkeitskomplex, der sich gern obenrum nackig macht. Putins Vision sei "ein Groß-Russland", so Clinton, "sein Ziel ist die Re-Sowjetisierung von Russlands Peripherie."

Sie habe bei der Spendengala Putin nicht mit Hitler verglichen, sondern vielmehr festgestellt, dass die Taktik des Kreml-Chefs an die dreißiger Jahre erinnere. Clinton forderte dazu auf, diese "historische Perspektive" zu sehen und daraus zu lernen.

Die 66-Jährige zeigt da Härte, wo Obama unter Druck geraten ist. Werfen die Republikaner dem Präsidenten doch seit Tagen Schwäche gegenüber Russland vor. Der Senator John McCain hatte gar gesagt, Putin sei wegen Obamas "sorgloser Außenpolitik" in der Ukraine eingefallen. Zudem warf er den Geheimdiensten "massives Versagen" vor, weil sie nicht vor Russlands Invasion gewarnt hätten.

Hardliner kritisieren Obamas Politik des Rückzugs

Dabei ist offensichtlich, dass McCain und Co. keineswegs andere oder bessere Ideen haben, wie man Putin in die Schranken weisen könnte. Genau wie Obama wünschen sie weitere diplomatische Anstrengungen, genau wie er beraten sie Sanktionen, um Russland im Fall des Falles zu isolieren. Einen Militäreinsatz will niemand. Nein, was den Hardlinern aufstößt, das ist die bisherige Politik des Rückzugs, des graduellen Heraushaltens, die Obama eingeschlagen hat. Jetzt sehen sie ihre Chance, den Präsidenten zu stellen.

Die Ex-Außenministerin dagegen hat eine ganz andere Geschichte, gehört zu den sogenannten liberalen Falken. Clinton hat sich seit dem Jugoslawien-Krieg in den Neunzigern immer wieder für Interventionen ausgesprochen, hat auch für den Irak-Krieg gestimmt. Als Gegenkandidatin in den demokratischen Vorwahlen 2008 hielt sie Obama außenpolitische Naivität vor, später wünschte sie sich mehr US-Engagement in Syrien.

McCain lobt Clinton: "Sie liegt richtig mit diesem Vergleich"

Und mit Putin hatte sie nie viel am Hut. Einmal sagte sie über ihn, er sei eben ein KGB-Agent gewesen: "Per definitionem hat er also keine Seele." Putin seinerseits warf Clinton einst vor, sie stachele die Opposition in Russland gegen ihn auf, schüre die Proteste. Am Mittwoch sagte Clinton mit Blick auf Putins Halbstarken-Politik: "Ich habe viel Erfahrungen mit solchen Leuten, im Besonderen aber mit Putin." Kein Wunder, dass John McCain ihre Putin-Hitler-Parallele prompt per Twitter zu loben wusste: "Sie liegt richtig mit diesem Vergleich."

Clinton kokettiert mit einer Präsidentschaftskandidatur 2016, längst läuft ein Schattenwahlkampf. Ihre harte Putin-Kritik ist Teil des Spiels: Tritt sie an, muss sie sich vorsichtig von Obama absetzen, um im Wahlkampf einen Neuanfang glaubhaft versprechen zu können. Dabei ist im konkreten Fall allerdings auch Clinton klar, dass die Musik in Europa spielt. Denn nur wenn die EU mitzieht, würden wirtschaftliche Sanktionen für Putin wirklich schmerzhaft. Weil aber die Europäer noch zögerlich sind, will man in Washington abwarten und ihnen die Initiative überlassen.

Eine Art Mittlerrolle nimmt dabei die deutsche Kanzlerin ein. Bezeichnend, dass sie - und nicht Obama - in den vergangen Tagen die entscheidenden Telefonate mit Putin geführt hat. Clinton sagt: "Deutschland hat die Schlüsselrolle, Angela Merkel ist die wichtigste Anführerin in Europa."

Das ist nicht nur als bedingungsloses Lob zu verstehen. Da steckt auch die Erwartungshaltung eines liberalen Falken drin.



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Seite 1
blattschuss 06.03.2014
1. der Vergleich...
ist natürlich starker Tobak. Wenn ich dann aber weiterlese, muss ich feststellen: die Frau hat recht!
BlakesWort 06.03.2014
2.
Ganz unrecht hat sie mit ihrer Einschätzung bezüglich Putin nicht, aber dazu muss man kein Psychologe sein. Was allerdings bedenklich ist, ist dieses gedankliche Abdriften in Zeiten des Kalten Kriegs. Diese haben nämlich vor allem dem militärisch-industriellen Komplex zu multimillarden Dollar-Gewinnen verholfen mit dem Endeffekt, dass sich die Sowjetunion zu tode gerüstet hat. Der Verteidigungshaushalt der USA ist mit knapp 600 Milliarden US-Doller ohnehin einer der Gründe für das überbordende Haushaltsdefizit und eine erneute Wettrüstung mit einem weitgehend schuldenfreien, wenngleich infrastrukturell am Boden liegenden Russland, wird diesmal einen anderen Sieger finden. Putin weiß das und er weiß auch um die Schwäche der NATO, weil diese um die Stärke Russlands auf der Krim weiß. Dazu braucht es nicht einmal Soldaten, sondern Menschen, denen es egal ist ob es ihnen in der Ukraine oder unter Russland schlecht geht.
tomsailor 06.03.2014
3. Schwachsinn
Man sollte nun endlich aufhören über die Ukrainer zu reden sondern stattdessen mit der Ukrainer und seinen Nachbarstaaten.
Basiscreme 06.03.2014
4. Die Kriegstreiber...
...sollen mal die Luft anhalten. Wenn Hilly Präsidentin werden sollte, geht Amerika den Bach runter. Obamas Außenpolitik ist zwar nicht lobenswert, aber zumindest ist Zurückhaltung in der Krim-Krise vernünftig. Von den Medien wünsche ich mir neutrale Berichterstattung, auch wenn ich kein Putin-Freund bin.
jujo 06.03.2014
5. ...
Zitat von sysopAPSie vergleicht Putins Taktik mit der Hitlers. Sie warnt vor einer Re-Sowjetisierung Russlands - und setzt auf die deutsche Kanzlerin: Hillary Clinton bestimmt in den USA in Sachen Krim-Krise die Schlagzeilen, nicht Präsident Obama. Was steckt dahinter? http://www.spiegel.de/politik/ausland/hitler-vergleich-clinton-rueckt-putin-in-naehe-zu-nazi-diktator-a-957169.html
Mit der gleichen Begründung wie Russland könnten jetzt auch andere Länder vorgehen. In vielen Ländern Europas leben nationale Minderheiten welche sich nicht ausreichend "geschützt" fühlen. So könnte z.B. Ungarn den Vertrag von Trianon ignorieren und ungarische Minderheiten in Slowenien, Rumänien und auch in der Ukraine "schützen" Von den Baltischen Staaten mit großen russischen Minderheiten gar nicht zu reden. Da könnte einem schon bange werden.
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