Höhere Urananreicherung Irans Atomankündigung beunruhigt EU

Eskalation im Atomstreit: Iran hat angekündigt, seine umstrittene höhere Urananreicherung noch auszuweiten. Sanktionsdrohungen scheinen Teheran nicht zu stören. Die EU reagierte mit Besorgnis.


Teheran - Trotz der internationalen Kritik an seinem Atomprogramm will Iran die Urananreicherung massiv ausweiten. Ziel sei es, die Kapazitäten zur Herstellung von auf 20 Prozent angereichertem Uran zu verdreifachen, kündigte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereidun Abbassi Dawani, am Mittwoch an. Dazu solle die Produktion von Natans in die neue Atomanlage Fordo verlagert werden.

Teheran werde die Produktion "unter der Kontrolle" der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in diesem Jahr von Natans nach Fordo verlagern, sagte Abbassi Dawani laut der Internetseite des iranischen Staatsfernsehens. Sobald die Produktionskapazität in Fordo, etwa 150 Kilometer südlich von Teheran, erhöht worden sei, werde die Anreicherung auf 20 Prozent in Natans gestoppt.

Die Europäische Union reagierte mit Sorge. Man nehme vor dem Hintergrund einer möglichen militärischen Dimension des iranischen Atomprogramms die Ankündigung zur Ausweitung der Anreicherung auf 20 Prozent mit besonderer Besorgnis zur Kenntnis, sagte Ungarn als Vertreter der EU vor dem Gouverneursrat der IAEA in Wien. Damit verschlimmere Teheran seine Missachtung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen weiter.

US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel hatten am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit weiteren Sanktionen gedroht, falls Teheran weiterhin seine internationalen Verpflichtungen ignoriere. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte bereits mehrfach Strafen gegen Iran erlassen, weil das Land seit Jahren nicht ausreichend mit den IAEA-Inspekteuren zusammenarbeitet.

Uran wird je nach Anreicherungsgrad für die Stromgewinnung, aber auch für Atomwaffen benötigt. Iran hatte zunächst mit der Anreicherung auf die für Atomkraftwerke benötigten unter fünf Prozent begonnen, reichert aber seit Februar 2010 auch auf 20 Prozent an. Nach Angaben Teherans wird der Brennstoff für einen medizinischen Forschungsreaktor gebraucht. Für die Verwendung für Nuklearwaffen ist ein noch höherer Anreicherungsgrad nötig. Experten befürchten aber, dass das islamische Land durch die immer höhere Anreicherung wichtiges Wissen und Erfahrung dafür sammelt.

als/dpa



insgesamt 99 Beiträge
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guybrush, 08.06.2011
1.
Die höhere Anreicherung auf 20% U235 ermöglicht tatsächlich keinen Fissionssprengsatz. Allerdings wären damit betriebene Reaktoren durchaus kleiner zu bauen - ob für medizinische Zwecke oder zum Antrieb von z.B. Ubooten sei mal dahingestellt (der strategische Nutzen von letzteren erübrigt sich). Jedoch könnte in mehreren kleinen Reaktoren evtl. ein Brutprozess von Pu239 besser zu beherrschen und zu verheimlichen sein. Was die Frage aufwirft, ob Teheran auch ein Implosionsdesign hinbekommt...
Alborz, 08.06.2011
2. Re
Zitat von sysopEskalation im Atomstreit:*Iran hat angekündigt, seine umstrittene höhere Urananreicherung noch auszuweiten. Sanktionsdrohungen scheinen Teheran nicht zu stören. Die EU reagierte mit Besorgnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767486,00.html
iran wirtschaft hat asich unter Ahmadi nejad Gründlich verändert. Alle Verbindungen nach Europa abgebaut, alles nach China, indien, türkei, Brazilien, verlagert.
Silver Surfer, 08.06.2011
3. Niemand hat die absicht
Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen Hieß es mal Jetzt eher "Niemand hat die Absicht einen Bombe zu bauen" Mannomann So langsam ist es doch echt peinlich mit der Besorgniss der Eu Idioten, die merken doch garnichts mehr
zukunft2050 08.06.2011
4. Klingt nicht gut
20% bedeutet im Grunde die Fähigkeit auch höher an zureichern. Da sind die Ängste der EU schon berechtigt, vor allem weil das Programm sehr undurchsichtig ist. http://ini-fz.info/artikel/iz-exklusiv-berichte/die-revolution%C3%A4ren-garden-und-ihr-einfluss-auf-das-iranische Es wird nicht mehr lange dauern bis Iran zur Atommacht aufsteigt.
hanspeter.b, 08.06.2011
5. mich würde interessiern
wieviele Milliarden dieses Land schon in die diversen Atom-Projekte gepumpt hat. Dazu kommen ökonomische Schäden durch die jahrelangen Sanktionen. Selbst wenn sie am Ende ein paar selbst zusammengeschusterte Reaktoren haben lohnt sich das zumindest ökonomisch nie und nimmer.
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