Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Höherer Militär-Etat: China rüstet kräftig auf

China verfügt schon jetzt über die weltgrößte Armee, doch das reicht der Führung in Peking nicht. Der Militärhaushalt wächst in diesem Jahr auf umgerechnet 80 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent. Investitionen für Atomraketen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Chinas Verteidungsausgaben: 670 Milliarden Yuan Fotos
AP

Peking - Während die USA ihre Verteidigungsausgaben immer weiter kürzen, kennt die Aufrüstung in China keine Grenzen: Die Volksrepublik wird ihren Militärhaushalt in diesem Jahr mit 11,2 Prozent wieder deutlich steigern. Vor Beginn der diesjährigen Sitzung des Volkskongresses an diesem Montag in Peking sagte Tagungssprecher Li Zhaoxing am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Peking, die Verteidigungsausgaben stiegen auf 670 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 80,6 Milliarden Euro). Er verteidigte den starken Zuwachs als "angemessen und vernünftig". China verfolge eine "defensive" Verteidigungspolitik.

"Wir sind ein großes Land mit langen Küsten, doch bleiben unsere Verteidigungsausgaben im Vergleich zu den anderen wichtigen Ländern relativ niedrig", sagte Li. China habe im vergangenen Jahr 1,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Dies sei deutlich weniger als etwa in den USA. Der Anteil der Militärausgaben am Gesamthaushalt sei seit 2008 von 6,68 auf 5,53 Prozent 2011 gefallen.

Experten glauben jedoch, dass die wahren Rüstungsausgaben deutlich über den offiziellen Angaben liegen, da unter anderem die Investitionen in Atomraketen nicht aufgelistet sind. Nach Einschätzung der amerikanischen Regierung sind die tatsächlichen Militärausgaben Chinas zwei- bis dreimal höher als offiziell bekannt, weil viele Aufwendungen in anderen Haushaltsposten enthalten sind.

Im vergangenen Jahr waren die chinesischen Verteidigungsausgaben im Haushaltsplan mit 12,7 Prozent auch schon deutlich stärker gestiegen als der Gesamthaushalt. Einen ganz anderen Kurs fahren zur Zeit die USA: Erst kürzlich gab Präsident Barack Obama drastische Sparpläne bekannt, die die Stilllegung von Kriegsschiffen sowie die Streichung Zigtausender Stellen im Heer und in der Marine vorsehen. Chinas offizieller Verteidigungshaushalt ist nach den USA der weltweit zweitgrößte.

Die Wahrung der Souveränität und territorialen Integrität sowie die Verteidigung der nationalen Sicherheit stünden laut Li im Mittelpunkt der Verteidigungspolitik. China stelle "keine Bedrohung" für andere Länder dar, entgegnete der Sprecher auf Sorgen in der Region über den Ausbau der Volksbefreiungsarmee.

2,3 Millionen Soldaten

Mit geschätzten 2,3 Millionen Soldaten ist sie die größte Armee der Welt. Allerdings ist ihre Bewaffnung in den meisten Bereichen den US-Streitkräften sowie anderen Armeen noch immer unterlegen. Mit der Entwicklung des Tarnkappenbombers J-20 und eines Anti-Schiff-Flugkörpers versucht China aber zumindest in einigen Bereichen den Rückstand aufzuholen. 2007 stellte Peking zudem eine Waffe vor, die Satelliten außer Gefecht setzen kann.

Die USA sowie mehrere Staaten in der Region sind insbesondere über den Ausbau der chinesischen Marine beunruhigt. Sie fürchten, dass Peking sie zur Festigung der regionalen Vormachtstellung nutzen könnte. Vergangenes Jahr nahm Peking seinen ersten Flugzeugträger in Betrieb. China beansprucht den Großteil des Südchinesischen Meeres für sich, wobei es in Konflikt mit Vietnam, Taiwan, Brunei, Malaysia und den Philippinen gerät.

Wegen dieser Territorialstreitigkeiten und der Bedrohung der demokratischen Inselrepublik Taiwan verfolgen die USA sowie Japan und andere asiatische Nachbarn den Aufstieg Chinas zur regionalen Militärmacht mit wachsendem Argwohn. US-Präsident Barack Obama hatte Anfang Januar bereits die Militärstrategie der USA stärker auf den Pazifik und damit auf die von China ausgehenden Gefahren ausgerichtet.

Zum Auftakt der Tagung am Montag wird Regierungschefs Wen Jiabao in seinem Rechenschaftsbericht voraussichtlich ein für China eher niedriges Wachstumsziel von weniger als acht Prozent in diesem Jahr vorgeben. Vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) 2012 ohnehin nur mit 8,2 Prozent Wachstum in China. Im Vorjahr war Chinas Wirtschaft noch um 9,2 Prozent gewachsen, das Land hatte aber mit hoher Inflation zu kämpfen.

Die Jahrestagung wird bis zum 14. März dauern. Es ist die letzte Sitzung des Volkskongresses vor dem geplanten Generationswechsel an der Spitze der Kommunistischen Partei. Auf dem nur alle fünf Jahre stattfindenden Parteitag im Herbst soll der heutige Vizepräsident Xi Jinping, 58, neuer Parteivorsitzender werden und die Nachfolge des 69-jährigen Staats- und Parteichef Hu Jintao antreten. Im Zuge des Machtwechsels soll ferner Vizeministerpräsident Li Keqiang, 56, im März 2013 den heutigen Regierungschef Wen Jiabao, 69, ablösen.

jus/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. China muß auf die zunehmenden Kriegsspiele
derandersdenkende 04.03.2012
Zitat von sysopAPChina verfügt schon über die weltgrößte Armee, doch das reicht der Führung in Peking nicht: Der Militärhaushalt wächst in diesem Jahr auf umgerechnet 80 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent - Investitionen für Atomraketen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819143,00.html
des Westens reagieren, im eigenen Interesse und natürlich im Interesse eines erheblichen Teils der Weltbevölkerung. Zahnlose Tiger werden von den Männern an den Schalthebeln der Hegemonialmächte zunächst belächelt und anschließend "entmannt". Eine Erhöhung der Militärausgaben ist deshalb wichtiger als jegliche Finanzhilfen an Amerika und Europa. Denn diese könnten Sich in Drohnen und andere abartige Instrumente verwandeln, die China dann wieder bedrohen.
2. Verhältnisse
prospektor 04.03.2012
Zitat von sysopAPChina verfügt schon über die weltgrößte Armee, doch das reicht der Führung in Peking nicht: Der Militärhaushalt wächst in diesem Jahr auf umgerechnet 80 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent - Investitionen für Atomraketen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819143,00.html
Hahaha, das ist gerade mal der Betrag, den die USA EINSPAREN wollen. Die haben doch einen Militärhaushalt von um und bei 550 Milliarden Dollar. Wenn man das mal in diesem Licht betrachtet, wirkt das auf einmal gar nicht mehr so bedrohlich, nicht wahr. Aber wer möchte sich schon ein umfassendes Bild machen.
3. Sehe keine Missverhältnisse
Gerdtrader50 04.03.2012
Zitat von sysopAPChina verfügt schon über die weltgrößte Armee, doch das reicht der Führung in Peking nicht: Der Militärhaushalt wächst in diesem Jahr auf umgerechnet 80 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent - Investitionen für Atomraketen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819143,00.html
"Mit geschätzten 2,3 Millionen Soldaten ist sie die größte Armee der Welt" Bei der Grösse des Landes und einer Bevölkerung von runden 1,4 Milliarden Chinesen sehe ich da kein Missverhältniss, im Gegenteil, die Armee ist da eher klein. 80 Milliarden Euro Militäretat, selbst wenn er um 50 % höher läger inoffiziell, das ist kein Geld für so einen Giganten. Sogar die Minirepublik BRD mit ihrer Minibevölkerung von 80 Millionen gibt 50 Milliarden Euro per anno aus, bei gerade mal noch nicht mehr 200.000 Soldaten. ? Was soll also das popolistische Gerede ?
4. Soll ich jetzt Angst haben?
Mani2 04.03.2012
Zitat von sysopAPChina verfügt schon über die weltgrößte Armee, doch das reicht der Führung in Peking nicht: Der Militärhaushalt wächst in diesem Jahr auf umgerechnet 80 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent - Investitionen für Atomraketen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819143,00.html
Nur mal zum Vergleich, die USA geben über 500 Mrd. Dollar für ihr Militär aus, also mehr als das 6-fache, hier sind die Kosten für den Afghanistan- und Irak-Einsatz nicht mitgerechnet. Bitte auf dem Teppich bleiben.
5.
TheZioWolf 04.03.2012
Zitat von prospektorHahaha, das ist gerade mal der Betrag, den die USA EINSPAREN wollen. Die haben doch einen Militärhaushalt von um und bei 550 Milliarden Dollar. Wenn man das mal in diesem Licht betrachtet, wirkt das auf einmal gar nicht mehr so bedrohlich, nicht wahr. Aber wer möchte sich schon ein umfassendes Bild machen.
Die BRD gibt ca. 30 Mrd. für die Verteidigung aus, bei 80 Mio. Einwohnern und bleibt damit in % des Bip hinter den aller meisten NATO Staaten zurück. Die Volksrepublik China gibt jetzt 80 Mrd. aus, für die Verteidigung von 1,2 Mrd. Menschen.... Für mich klingt das immer noch ziemlich arm.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia| China-Reiseseite


Fotostrecke
Chinas Rüstung: Flugzeugträger und Tarnkappenbomber

SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: