Samaras in Paris Hollande lässt die Griechen zappeln

Bekommt Athen mehr Zeit? Griechenlands Premier Samaras hat auf seiner Schicksalstour auch in Paris keine Versprechen erhalten. Frankreichs Präsident Hollande bekannte sich aber genau wie zuvor Kanzlerin Merkel dazu, das Land in der Euro-Zone halten zu wollen - zum Ärger der CSU.


Paris - Griechenlands Premier Antonis Samaras muss seine Werbetour in Berlin und Paris ohne konkrete Zusagen beenden: Bei einem Besuch in Paris machte der französische Präsident François Hollande Athen zunächst keine Hoffnung auf Lockerungen beim Sparpaket für das marode Land. Hollande hielt sich nach dem Treffen mit Samaras sehr bedeckt. Er sprach nur von einer schwierigen Lage für das Land. Ohne Hoffnung schwinde der soziale Zusammenhalt in Europa, sagte Hollande.

Samaras will zwei Jahre Aufschub. Nach dem Treffen mit Hollande sprach er von gemeinsamen Problemen und Schwierigkeiten in Europa. "Ein griechischer Erfolg ist ein europäischer Erfolg." Er zeigte sich zuversichtlich, dass Griechenland in der Euro-Zone bleiben werde, auch wenn "einige weiterhin gegen Griechenland" spekulierten.

Hollande machte ebenfalls klar, dass er Griechenland auf jeden Fall in der Euro-Zone halten will. Allerdings müsse Athen seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen, so der französische Präsident. Zur Zukunft Griechenlands forderte Hollande eine schnelle Entscheidung. Diese müsse getroffen werden, sobald der Bericht der Gläubiger-Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds vorliegt, sagte Hollande vor Journalisten nach dem Gespräch mit Samaras. Der Bericht werde zum europäischen Gipfel im Oktober erwartet.

Hollande hat sich damit sehr ähnlich wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel positioniert. Merkel war am Freitag mit Samaras zusammengekommen. Die CDU-Chefin hatte bei dem Treffen die Einhaltung der Sparverpflichtungen durch Athen gefordert. Aber gleichzeitig machte sie Samaras etwas Hoffnung, indem sie ein klares Bekenntnis zum Verbleib der Griechen in der Währungsunion ablegte. "Ich will, dass Griechenland Teil des Euro-Raums bleibt", sagte Merkel. Offen bleibt jedoch vorerst die Frage, welchen Preis Merkel bereit ist zu zahlen, um die Griechen zu halten. Und welchen Preis Samaras zahlen muss.

Merkel hatte zuletzt immer wieder Härte demonstriert und Athen an die Einhaltung aller vereinbarten Reformen und Zielvorgaben erinnert. Davon ist die Kanzlerin auch am Freitag nicht abgerückt, die Griechen müssten ihre Zusagen einhalten, betonte sie. Gleichermaßen versicherte sie aber, dass Deutschland alles tun wolle, um Griechenland bei den Reformschritten zu helfen. Die Bundesregierung werde keine "vorschnellen Urteile" fällen, erst der Bericht der Troika werde "belastbare" Erkenntnisse bringen.

Die CSU drängte nach dem Samaras-Besuch bei Merkel erneut auf einen raschen Ausstieg Athens aus der Euro-Zone. "Nach meiner Überzeugung führt an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kein Weg vorbei", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt der "Bild am Sonntag".

"Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone", wird Dobrindt zitiert. Nach einem geordneten Austritt müsse es aber "einen Marshall-Plan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes" geben. "Und wenn Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit entsprechend gesteigert hat, sollte es eine Option für die Rückkehr in den Euro geben."

Außenminister Guido Westerwelle reagierte umgehend auf Dobrindts Äußerungen. Er kritisierte die CSU wegen ihrer permanenten Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone scharf. "Es ist falsch, vor dem Bericht der Troika ohne ausreichende Faktenlage über Griechenland zu urteilen", sagte der FDP-Politiker am Samstag in Oslo. "Das Mobbing gegen einzelne Euro-Länder aus parteipolitischem Kalkül muss aufhören."

anr/dpa/Reuters/AFP

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erpo 25.08.2012
1. Nach dem gewünschtem
Ergebnis der Troika wird die deutsche und französische Regierung keinen Spielraum mehr haben um sich Griechenland zu verweigern. Alles alternativlos.
keppler 25.08.2012
2. Wer
Zitat von sysopDPABekommt Athen mehr Zeit? Griechenlands Premier Samaras hat auf seiner Schicksalstour auch in Paris keine Versprechen bekommen. Frankreichs Präsident Hollande bekannte sich aber genau wie zuvor Kanzlerin Merkel dazu, das Land in der Euro-Zone halten zu wollen - zum Ärger der CSU. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852048,00.html
ist den dieser Dobrindt überhaupt? Was hat er gelernt, was bisher geleistet? Mir ist er nur durch seine lächerliche Brille u. dumme Sprüche aufgefallen, so recht CSU eben.
c54 25.08.2012
3. Durchsichtig
Was hätte man denn anderes erwartet? Ist doch klar, dass die Wischiwaschi-Aussagen von Merkel und Hollande abgesprochen waren, mit dem Ziel, bis zum Troika-Bericht Zeit zu gewinnen. Die Troika wird dann ebenfalls ein wachsweiches Statement loslassen, das ein Weiterwurschteln sinnvoll erscheinen lassen soll. - Warum Samaras diese Reise überhaupt gemacht hat, ist nicht einsehbar. Es kann sich allenfalls um eine PR-Tour handeln.
pedro_bergerac 25.08.2012
4. Was für ein grabdioses Schauspiel
Warum läßt man die Griechen nicht aus dem Euro? Würde der griechische Staat (und damit meine ich nicht die korrupten Politiker)), wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und die Griechen bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen. Vor allem hätten sie dann KEINE SCHULDEN mehr. Ihr GANZES Leben würde dann nicht von der korrupten Politik, und schon gar nicht mehr von den korrupten Notenbanken bestimmt. Das einzigartige Betrugssysten hätte endlich ein Ende und die Krise wäre vorbei.
Eva1230 25.08.2012
5. Armin Laschet (CDU)
wird zitiert, dass ein Austritt Griechenlands (aus dem Euro) einen Nato Partner destabilisiere. http://www.stern.de/politik/deutschland/streit-ueber-moeglichen-euro-austritt-griechenkoller-in-der-koalition-1884254.html Es ist nicht davon die Rede, dass G die EU verlässt. Würde es dazu kommen, dass G den Euroraum, mit mehr oder weniger sanftem Druck auf eigenen Wunsch verlässt, könnte das eine Chance für das gebeutelte Land darstellen. G hat von Beginn seines Beitritts in die EU erhebliche EU Mittel erhalten und würde diese weiter bekommen, ohne ständig auf Betteltour gehen zu müssen. Ein Verbleiben in der Eurozone unter den gegebenen Bedingungen ist eher ein guter Nährboden für einen Brandherd im eigenen Land. Das würde deutlich mehr destabilisieren.
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