Kabul - Frankreichs neuer Präsident François Hollande ist am Freitag zu einem Blitzbesuch in Afghanistan eingetroffen. Der Nachfolger von Nicolas Sarkozy rechtfertigte dabei unter anderem seine umstrittenen Pläne für den vorzeitigen Abzug der französischen Kampftruppen. Hollande hatte diesen Schritt am Sonntag beim Nato-Gipfel in Chicago durchgesetzt, es war eines seiner Wahlkampfversprechen gewesen.
Der Sozialist landete am Freitagmorgen in der Hauptstadt Kabul, flog von dort aber weiter zum französischen Militärstützpunkt Nidschrab in der Provinz Kapisa. Der Politiker führte Gespräche mit Militärs und erinnerte an die 83 französischen Soldaten, die seit Beginn des Militärseinsatzes am Hindukusch ums Leben gekommen sind.
Im weiteren Verlauf der Reise traf Hollande auch den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Geplant waren nach Angaben des Élyséepalastes zudem Gespräche mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen. Die Reise war aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten worden. Begleitet wurde Hollande auf seinem ersten Afghanistanbesuch als Präsident von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Außenminister Laurent Fabius.
"Die Soldaten haben ihre Mission erfüllt"
Hollandes Pläne sehen vor, die französischen Kampftruppen schon bis Ende 2012 aus Afghanistan abziehen und nur noch Ausbilder am Hindukusch zu lassen. Die Nato hatte sich eigentlich darauf geeinigt, den Kampfeinsatz erst 2014 zu beenden. Dann sollen die afghanische Armee und Polizei im ganzen Land die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen. Hollandes Pläne hatten während des Nato-Gipfels am vergangenen Wochenende für Unmut gesorgt. Das Bündnis befürchtet, dass weitere Truppensteller der Schutztruppe Isaf einen früheren Abzug aus Afghanistan erwägen könnten.
Vor Soldaten im Bezirk Nidschrab begründete Hollande am Freitag noch einmal seine Entscheidung. Es gebe mehrere Gründe, weshalb der frühere Abzug gerechtfertigt sei: Zunächst sei die Zeit afghanischer Souveränität gekommen. Und während die Bedrohung durch den Terrorismus zwar nicht erloschen sei, so sei sie doch zurückgegangen. Die Soldaten hätten ihre Mission erfüllt.
Die Taliban hatten Hollandes Pläne am vergangene Sonntag gelobt. Die Aufständischen fordern von allen Nationen, die Truppen in dem Land stellen, einen sofortigen Abzug ihrer Soldaten. Im April waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums noch rund 3400 französische Militärs im Afghanistan-Einsatz.
Die Gewalt in dem Land dauerte unterdessen an. Allein am Freitag wurden nach offiziellen Angaben bei drei Anschlägen im Süden Afghanistans mindestens vier Menschen getötet und sieben weitere verletzt.
aar/dpa/dapd
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