Oslo/Berlin - "Norweger nahmen die Verhaftungen vor, Norweger fuhren die Lastwagen und es geschah in Norwegen." Mit deutlichen Worten hat Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg die Beteiligung des Landes an der Deportation und Ermordung von Juden während der Nazi-Besatzung thematisiert. "Heute ist es nach meiner Ansicht angemessen, unsere aufrichtige Entschuldigung dafür auszusprechen, dass dies auf norwegischem Boden geschehen konnte", sagte er am Freitag, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag. Es ist das erste Mal, dass sich ein Vertreter des Landes explizit entschuldigt.
Während der Zeit der deutschen Besatzung ordnete der norwegische Ministerpräsident Vidkun Quisling 1942 die Registrierung von 2100 Juden im Land an. Mehr als ein Drittel von ihnen wurde in die Todeslager deportiert, andere flohen ins Nachbarland Schweden. Die Menschen seien zwar von den Nazis ermordet, aber von Norwegern ausgeliefert worden, sagte Stoltenberg. Und die Ideen, die zum Holocaust geführt hätten, seien auch 70 Jahre danach immer noch lebendig. "Überall auf der Welt sehen wir, dass Einzelne und Gruppen Intoleranz und Angst verbreiten."
1998 hatte Norwegen die Rolle des Landes beim Holocaust anerkannt, ohne jedoch eine volle Entschuldigung auszusprechen. Rund 60 Millionen Dollar wurden den norwegischen Juden und jüdischen Organisationen als Entschädigung für beschlagnahmtes Eigentum gezahlt.
In Deutschland hat am Freitag Marcel Reich-Ranicki in einer Rede zum 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an die Untaten des Nazi-Regimes und das Leid der Gefangenen erinnert. Der 91-jährige Publizist hat in seiner Jugend direkte Erfahrungen mit den Gräuel des "Dritten Reichs" gemacht: Reich-Ranicki wuchs in einer jüdischen Familie auf und überlebte die Gefangenschaft im Warschauer Ghetto. Viele seiner Angehörigen kamen jedoch im Nazi-Terror ums Leben.
Weltweit wird am Holocaust-Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden.
aar/Reuters/dpa
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