Homo-Ehen Proteste gegen den Vatikan

In vielen Staaten haben Schwulengruppen gegen das Vatikan-Dokument gegen Homo-Ehen protestiert. In Deutschland gerieten Unionspolitiker ins Kreuzfeuer, die das Papier begrüßt hatten.




Vatikan: Ein Demonstrant auf dem Petersplatz
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Vatikan: Ein Demonstrant auf dem Petersplatz

Frankfurt - Es sei erschreckend, dass mehrere Politiker von CDU und CSU das Vatikan-Dokument ausdrücklich begrüßt hätten, hieß es in einer Erklärung des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD. "Es ist für uns unfassbar, wie Politiker demokratischer Parteien ein Papier gutheißen können, das eine solch hasserfüllte Sprache gegen Homosexuelle führt", sagte LSVD-Sprecher Manfred Bruns.

Er forderte die Parteivorsitzenden Angela Merkel und Edmund Stoiber auf, sich eindeutig von den Aussagen des Dokuments zu distanzieren und die betroffenen Unionspolitiker zur Ordnung zu rufen. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach hatte erklärt, er gehe davon aus, dass jeder katholische Abgeordnete die Worte des Heiligen Vaters bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen werde. Nach den Worten des Kirchenbeauftragten der Unionsfraktion, Hermann Kues, bestätige das Dokument die Haltung der Union, wonach die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften grundgesetzwidrig ist.

Die Union wehrte sich: Trotz des Appells des Vatikans wolle man das geltende Gesetz zu den Homo-Ehen aller Voraussicht nach im Bundestag nicht in Frage stellen, sagte Fraktionsvize Wolfgang Bosbach. "Wir haben unsere Ablehnung bei den Beratungen des Gesetzes über die eingetragene Lebenspartnerschaft vor gut zwei Jahren deutlich gemacht", so Bosbach. "Ich bin aber nicht der Auffassung, dass wir die Botschaft des Vatikans nun zum Anlass nehmen sollten, erneut gegen das Gesetz aktiv zu werden."

Die Glaubenskongregation des Vatikans hatte katholische Politiker am Donnerstag in aller Welt aufgefordert, die "zutiefst unmoralischen" Eheschließungen von Gleichgeschlechtlichen nicht zu unterstützen. Homosexuelle Handlungen seien in keinem Fall zu billigen.

Auch in vielen europäischen Staaten gab es Proteste gegen das Vatikan-Dokument. Der Vatikan sorge mit seiner aggressiven Haltung für Intoleranz und versuche so, das Bemühen um gleiches Recht der Homosexuellen aufzuhalten. "Wir sind Bürger Italiens und nicht des Vatikans", schimpfte ein Mitglied der Radikalen Partei gegenüber CNN: "Wir wollen nicht, dass der Heilige Vater Druck auf unser Parlament ausübt."

In den Niederlanden und in Belgien dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten. In Deutschland und Frankreich können sie eheähnliche Lebenspartnerschaften schließen. Kinder adoptieren dürfen sie in beiden Ländern nicht. In Großbritannien gibt es entsprechende Pläne. In Kanada wird diskutiert, Eheschließung zu erlauben.

Auch brasilianische Schwulen-Verbände kritisierten das umstrittene Vatikan-Papier gegen die Homosexuellen-Ehe und kündigten Kampagnen gegen die katholische Kirche an. Man wolle unter anderem die Erzdiözesen und Diözesen des Landes mit Protest-E-Mails und -Briefen "bombardieren", teilte der Schwulendachverband GGB nach Medienberichten in der nordöstlichen Provinzhauptstadt Salvador mit.

Die Absender, Homosexuelle wie Sympathisanten, würden darin ihre Apostasie, ihren Abfall vom Glauben, bekunden sowie eine Annullierung ihrer Taufen beantragen. Außerdem wolle man den Staat zur Kündigung aller Abkommen mit der katholischen Kirche aufrufen. "Die Regierung kann nicht Beziehungen zu einer Institution unterhalten, die die Homosexuellen verfolgt", sagte GGB-Präsident Marcelo Cerqueira.

Der Vatikan führe gegen Schwule und Lesben eine ähnliche Kampagne wie die Nazis gegen die Juden, sagte er. Dabei könne sie nicht einmal den Fällen von Pädophilie und anderen Sex-Skandalen in ihren eigenen Reihen Einhalt gebieten.

Auch in den Medien wurde der Vatikan-Vorstoß kritisiert. So hieß es in der italienischen Zeitung "La Repubblica": "Was einen dennoch trifft, ist die extreme Härte der Sprache, ist die apodiktische Art der Behauptungen, ist der Mangel, auch wenn man "Respekt" gewährt, eines wirklichen Verständnisses gegenüber den Homosexuellen."



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