Honduras: Gestürzter Präsident verzichtet auf Amt

Das politische Chaos im zentralamerikanischen Staat Honduras nimmt zu: Jetzt wackelt die für den 29. November angesetzte Neuwahl, weil der gestürzte Präsident Manuel Zelaya seine Kooperation verweigert. Übergangspräsident Roberto Micheletti hat Armeereservisten einberufen.

Manuel Zelaya: Der gestürzte Präsident erklärte seinen Verzicht auf Rückkehr ins Amt Zur Großansicht
AP

Manuel Zelaya: Der gestürzte Präsident erklärte seinen Verzicht auf Rückkehr ins Amt

Tegucigalpa - In Honduras hat der Ende Juni gestürzte Präsident Manuel Zelaya seinen Verzicht auf eine Wiedereinsetzung ins Präsidentenamt erklärt. "Ich akzeptiere kein Abkommen zur Rückkehr ins Präsidentenamt, das diesen Staatsstreich vertuscht", schrieb Zelaya in einem am Samstag veröffentlichten Brief an US-Präsident Barack Obama.

Eine von den USA vermittelte Vereinbarung zur Beendigung der schwersten politischen Krise Lateinamerikas seit 20 Jahren war Anfang des Monats geplatzt. Das Ende Oktober unterzeichnete Abkommen zwischen Zelaya und Putschpräsident Roberto Micheletti sah ursprünglich eine Rückkehr Zelayas ins Präsidentenamt bis zum Amtsantritt eines neuen Staatschefs vor. Zelaya und Micheletti hatten sich gegenseitig für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht. Micheletti kündigte daraufhin an, eine neue Regierung ohne die Beteiligung Zelayas bilden zu wollen. Für den 29. November sind Präsidentschaftswahlen angesetzt.

Das Militär will die Wahl durchsetzen

Zelayas Rückkehr hätte laut dem Abkommen vom Parlament abgesegnet werden müssen - ein Termin für die Kongresssitzung wurde bislang jedoch nicht festgelegt. Zelaya warf seinen Widersachern deshalb vor, bis zu den Wahlen auf Zeit zu spielen. Zelaya war Ende Juni entmachtet und vom Militär außer Landes gebracht worden. Ende September kehrte er heimlich in seine Heimat zurück und sitzt seither in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa fest.

Übergangspräsident Roberto Micheletti ließ am Samstag versichern, dass die Interimsregierung alles dafür tun werde, die Sicherheit bei den Wahlen zu garantieren. Seit dem Sturz Zelayas kam es zu einer Reihe von Bombenattentaten. Am Donnerstag schlug eine Rakete aus russischer Fertigung in der Nähe des Gebäudes der zentralen Wahlkommission ein. In der Hauptstadt gilt wegen anhaltender gewalttätiger Übergriffe seit zwei Monaten eine nächtliche Ausgangssperre.

Für Micheletti sind hier "Kräfte von außerhalb" am Werke, die den "Wahlprozess boykottieren" wollten. Das Militär gehe Hinweisen nach, dass die Nachbarstaaten Venezuela und Nicaragua die Wahlen "behindern" wollten. Die Armee hat für die Wahltage ihre Reservisten einberufen.

pat/AFP/Reuters

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