Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Proteste in Hongkong: Angriffe auf Demonstranten verschärfen Spannungen

AFP

Zehntausende protestieren in Hongkong seit Tagen friedlich für ein demokratischeres Wahlrecht. Nun kam es erstmals zu Angriffen auf die Demonstranten: Banner wurden abgerissen, Zelte gestürmt.

Hongkong - Bei den prodemokratischen Protesten in Hongkong ist es zu Übergriffen gegen Demonstranten gekommen. Etwa 30 Männer mit Mundschutz zogen im Stadteil Causeway Bay los, um Barrikaden zu beseitigen. Es kam zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Maskierten, Demonstranten und Polizisten. Die Angreifer flüchteten schließlich.

Zuvor hatte es bereits auf Kowloon im Stadtteil Mong Kok Auseinandersetzungen gegeben. Gegner der Demonstranten hätten Zelte gestürmt, Banner abgerissen und Wasserflaschen geworfen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Polizei musste die beiden Gruppen trennen. Einige ältere, aufgebrachte Gegner der Demonstranten riefen: "Geht nach Hause! Geht nach Hause!"

In Hongkong protestieren seit Tagen Zehntausende Menschen gegen eine von China beschlossene Wahlreform, die zwar für 2017 erstmals eine Direktwahl des Verwaltungschefs vorsieht - die Kandidaten will jedoch die Zentralregierung in Peking auswählen.

Fotostrecke

7  Bilder
Proteste: Aufgeheizte Stimmung in Hongkong

Die Demonstranten werfen Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun Ying vor, Handlanger der chinesischen Führung zu sein, und fordern seinen Rücktritt. Leung Chun Ying lehnt das ab und ließ ein Ultimatum verstreichen. Die Demonstranten machten jedoch ihre Drohung, wichtige Regierungsgebäude zu besetzen, nicht wahr.

Nun schoben die Anführer der protestierenden Studenten ein geplantes Gespräch mit der Gegenseite auf, dem sie zunächst zugestimmt hatten. Hintergrund sind die jüngsten Angriffe auf Demonstranten. Die Polizei habe sie nicht ausreichend geschützt und Angreifer nicht festgenommen. Die Sicherheitskräfte wiesen die Beschuldigungen zurück. Eigentlich hätte die erste Dialogrunde mit der Verwaltungschefin Carrie Lam, der Nummer Zwei in Hongkong, am Samstag beginnen sollen.

Wer genau hinter den Angriffen steckt, ist unklar. Einige Demonstranten mutmaßten, es handele sich um angeheuerte Einsatzkräfte, die Unruhe stiften sollten. Manche Aktivisten verdächtigen pekingfreundliche Kräfte, hinter den Attacken zu stehen. Auch von Geschäftsleute ist die Rede, die verärgert über die Lahmlegung von Teilen des öffentlichen Lebens seien (mehr zu den wirtschaftlichen Folgen des Protests lesen Sie hier).

Vor dem Regierungssitz harrten auch am Freitag etwa hundert Demonstranten aus. Als die Polizei sie aufforderte, Platz zu machen, um einen Krankenwagen durchzulassen, hielten sie dies für einen Trick. "Lügner, Lügner", skandierten sie. Die Polizei trieb die Menge daraufhin auseinander.

hut/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das war ja zu erwarten...
ahloui 03.10.2014
...erst die Demonstranten provozieren, um dann massiv eingreifen zu können. Es wird noch schlimmer kommen. Wie arm ist die kommunistische Führung , dass sie immer noch glauben, sich nur durch derartige Aktionen durchsetzen zu können.
2. Unklare Mehrheiten
fernossi 03.10.2014
Der Protest ist natuerlich auch ein Konflikt zwischen idealisierten Jugendlichen, die leider sehr kompromisslos agieren und einer grossen schweigenden Mehrheit, die mehr oder weniger Verstaendnis fuer die Okkupierung des Stadtzentrums hat. Diese Konflikte werden zunehmen. Die Studenten werden sich wahrscheinlich schnell weiter radikalisieren, denn die Zeit ist auf Seiten der Regierung.
3. Wieso kompromisslos?
ahloui 03.10.2014
Welcher Kompromiss wurde denn angeboten? Hong Kong ist nicht Ukraine oder Deutschland. Dort ist man etwas zivilisierter als anderswo. Von "radikalisieren" kann ja wohl keine Rede sein. Radikal sind die organisierten Gegendemonstranten, sprich die KP.
4. Gespräche??? Worüber?
worldalert11 03.10.2014
Was steht denn zur Debatte? Rücktritt und Demokratie wurden von den Pekinger Marionetten doch bereits abgelehnt. Also, worüber sollte man reden? Das ist reine Hinhaltetaktik. Peking hofft, dass die meisten nach Hause gehen und bald nur noch einige hundert demonstrieren, die kann man dann mit Tränengas und Schlagstöcken vertreiben. Die Demokratiebewegung sollte darauf nicht hereinfallen und ihren jetzigen Schwung und Rückhalt nutzen, sonst verebbt das Ganze.
5. Zornige Anwohner und Geschäftsinhaber
saiber 04.10.2014
Vor einigen Tagen fuhr ein Auto mit hoher Geschwindigkeit in die Menge. Es wurde niemand verletzt aber da war klar, dass viele diese Besetzungen der Strassen satt haben. Viele verlangen, dass diese Demonstranten im Park demonstrieren sollen und nicht den Verkehr lahm legen. Geschäfte müssen schliessen, Leute können nicht in normal zur Arbeit weil, U-Bahn und Busse nicht fahren können . Nun kam es in einem Shopping Distrikt zu einer Massenschlägerei zwischen Demonstranten und Anwohner, wo auch Triaden (Hong Kongs Verbrechersyndikat) daran teilnahmen. Diese Triaden sehen auch ihre Geschäfte in den Shopping Distrikten eingeschränkt (KTV, Massage Salons und Sauna). Die Occupy Bewegung gewinnt mit jeden Tag aufs neue Gegner in der breiten Bevölkerung.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia| China-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: