Hongkong - Der Zwischenfall ereignete sich während der Ansprache des chinesischen Präsidenten. Hu Jintao war extra für die Vereidigung des neuen Regierungschefs Hongkongs, Leung Chun-ying, angereist. Ein Demonstrant unterbrach Hus Rede mit einem Zwischenruf. Er forderte lautstark ein "Ende der Ein-Parteien-Herrschaft". Polizisten führten den Mann ab.
Es war die aufsehenerregendste Aktion der Demonstranten, die am Wochenende gegen die Einflussnahme Pekings protestierten. Zehntausende versammelten sich in einem großen Park von Hongkong. "Unsere Rechte sind ernsthaft bedroht", rief Eric Lai von der Zivilen Menschenrechtsfront den Teilnehmern zu. Ein Demonstrant sagte der Nachrichtenagentur AP: "Unsere Mentalität ist eine komplett andere als die chinesische."
Vor genau 15 Jahren wurde Hongkong von Großbritannien an die Volksrepublik übergeben. Die Sonderverwaltungszone hat eine eigene Währung, ein eigenes Rechtssystem und es herrscht eine Pressefreiheit, die in der Volksrepublik nicht denkbar wäre.
Selfmade-Millionär Leung hat die Bürger vergrätzt
In seiner Rede versprach Präsident Hu den Menschen, die Politik nach dem Motto "ein Land, zwei Systeme" bleibe unerschütterlich. Zuvor hatte der Millionär Leung seinen Amtseid als neuer Regierungschef Hongkongs abgelegt. Er wurde bereits im März von einem Komitee aus 1200 führenden Geschäftsleuten gewählt. Diese richten ihre Entscheidung größtenteils an den Wünschen Pekings aus.
Die 3,4 Millionen registrierten Wähler Hongkongs dürfen zwar Nachbarschaftsräte und die Hälfte der Abgeordneten wählen, bei der Wahl ihres Regierungschefs haben sie aber keine Stimme. Leungs Popularität litt außerdem darunter, dass er auf seinem Anwesen nicht genehmigte Anbauten hatte. In Hongkong, wo sich die meisten Bewohner gerade einmal eine kleine Wohnung leisten können, kam das nicht gut an.
Für 2017 hat Peking zwar direkte Wahlen versprochen. Allerdings will sich die chinesische Regierung das Recht vorbehalten, Einspruch gegen Kandidaten zu erheben.
cte/AFP/dapd
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