Straßenschlachten in Hongkong Regierungschef Leung will härter gegen Demonstranten vorgehen

32 Verletzte, mindestens 40 Demonstranten in Haft: In Hongkong sind Aktivisten der Demokratiebewegung und Sicherheitskräfte aneinander geraten. Nun droht Regierungschef Leung den Aktivisten mit "entschlossenem Handeln".


Hongkong - In Hongkong haben sich prodemokratische Aktivisten erneut Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Beim Versuch, den Regierungssitz zu besetzen, verhafteten die Sicherheitskräfte 32 Demonstranten. Mehr als 40 Menschen wurden nach Berichten lokaler Medien verletzt, darunter sind nach amtlichen Angaben auch vier Polizisten.

Regierungschef Leung Chun Ying drohte den Demonstranten nun indirekt mit einem gewaltsamen Vorgehen gegen erneute Proteste: Die Sicherheitskräfte seien bislang sehr tolerant gewesen, sagte er. Künftig würde die Polizei jedoch mit "entschlossenem Handeln" reagieren, sollte es erneut zu Aktionen der Demokratie-Aktivisten kommen. Es gebe endgültig keine Geduld mehr, so Leung.

Bei ihren jüngsten Protesten legten die Demonstranten eine wichtige Hauptstraße in der Innenstadt lahm. Polizeikräfte setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein, um die Menschenmenge auseinanderzutreiben und rissen Straßenbarrikaden ein. Viele der jungen Aktivisten hatten Bauhelme auf dem Kopf und versuchten, sich mit Regenschirmen gegen das Pfefferspray zu wehren. "Ich will wahre Demokratie" und "Lähmt die Regierung", rief die Menge. Der Regierungssitz blieb am Vormittag geschlossen, sollte aber am Nachmittag wieder öffnen. Auch das Parlament sagte Anhörungen ab und blieb geschlossen.

London ist verärgert

Die Protestbewegung Occupy Central, zu deren Aktivisten hauptsächlich Studenten gehören, fordert eine freie Auswahl von Bewerbern für die Wahl des Verwaltungschefs der ehemaligen britischen Kronkolonie in drei Jahren. Dieser Forderung stellt sich jedoch die chinesische Regierung entgegen - sie will nur vorab ausgewählte Kandidaten zulassen.

200.000 Menschen waren zu Beginn der Proteste für mehr Demokratie auf die Straßen gegangen. In jüngster Zeit nahm die Unterstützung jedoch merklich ab - auch weil die Blockaden im Stadtteil Mong Kok wirtschaftliche Folgen für Hongkong haben. Zuletzt ließ ein Gericht daher per Anordnung alle Straßenbarrikaden räumen, worauf weitere Proteste folgten. Dem Anführer der Bewegung, Joshua Wong, haben die Behörden den Zutritt zum Bezirk Mong Kok inzwischen untersagt.

Die Vorgänge in Hongkong haben derweil auch zu Verstimmungen zwischen China und der früheren Kolonialmacht Großbritannien geführt: Peking verweigert einer Gruppe britischer Parlamentarier die Einreise in die Metropole. Die Abgeordneten des Unterhauses wollten die Beziehung zwischen Großbritannien und Hongkong untersuchen, aber ihnen sei mit einem Einreiseverbot gedroht worden, teilte Parlamentsmitglied Richard Ottaway mit. Das britische Außenministerium erklärte, es sei bedauerlich, dass China dem Komitee keinen Besuch erlaube.

daf/mxw/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 17 Beiträge
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melnibone 01.12.2014
1. Kein ´Loslassen´
ehemaliger Herrschaftsgebiete. Demokratie, Autonomie ... Selbstverwaltung, Selbstbestimmung ... alles nicht gewollt von diversen Machthabern bzw. Systemen wie in Russland und China. Aber wie geht Europa damit um? Wie wichtig ist uns die Nato? Wohin gehen unsere Sicherheitsinteressen? Nur weil es im arabischen Raum Öl für ein paar Jahrzehnte gibt, sollte man andere und weit wichtigere ´Sicherheitsinteressen´ nicht vernachlässigen!
joG 01.12.2014
2. Das würde man nun doch erwartet haben.....
.....und muss sich eher wundern, wie gimpflich alles bisher gelaufen ist. Natürlich sollte eine Demokratie aus sich heraus ihre Kandidaten bestimmen und Demonstranten sollten nicht spätere lebensverandernde Nachteile durch die Regierung erfahren. Aber es sind keine Maschinengewehre eingesetzt worden; bisher. Und das ist besser als in der Ukraine oder Syrien oder Kroatien oder Libyen usw.
cirkular 01.12.2014
3. Großbritannien hatte 100 Jahre Zeit,
um sich um die Demokratie in Hongkong zu kümmern. Jetzt sollte man sich zurückhalten, sonst könnte ja auch einemal jemand die Situation in Nordirland untersuchen wollen.
headstar 01.12.2014
4. Mit systematischer ...
... Unterdrückung von Freiheit und Menschenwürde hat China in Tibet genug Erfahrung gesammelt. Es wird sie niemand ernstlich abhalten können und wollen, das Vorgehen zu ändern. Keine britische Delegation, kein empoerter Minister und schon gar nicht die europäische "Gemeinschaft".
barael 01.12.2014
5. Frage
Wie viele haben jetzt eigentlich wirklich demonstriert? Am Anfang waren es 200.000 Menschen, aber wie viele sind es denn jetzt? Und ich frage mich auch, warum man sich wundert, dass die Proteste durch die Polizei aufgelöst wurden. Gehen Sie doch mit ein paar Freunden nach Berlin und versuchen sie mal das System umzustürzen, indem sie den Reichstag stürmen. So können gar nicht so schnell gucken, wie das SEK sie festnehmen wird und sie im gefängnis sitzen werden. Die Systeme wollen weiter an der Macht bleiben und tun alles dafür. Ganz egal ob man in China oder Europa oder in den USA ist. Ich hoffe das mein Beitrag nach dreimaligen schreiben jetzt zugelassen wird. Vielen Dank
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