Demokratie-Bewegung in China Demonstranten in Hongkong sollen Morddrohungen erhalten haben

In Hongkong spitzt sich der Konflikt zwischen der Protestbewegung und den regionalen Machthabern zu. Nun berichten Demonstranten von Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen - wer dahinter steht, ist unklar.

Demonstranten in Hongkong: Rasierklingen mit der Post
AFP

Demonstranten in Hongkong: Rasierklingen mit der Post


Hongkong - Führende Mitglieder der Hongkonger Demokratie-Bewegung haben nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. Der Mitgründer der Protestgruppe Occupy Central, der Soziologie-Professor Chan Kin-Man, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe einen Stapel mit Todesdrohungen in chinesischen Schriftzeichen enthielten. "Es war mir klar, dass sie mich ab dem Moment, an dem ich zur Bewegung stieß, angreifen und wie einen Feind behandeln würden", sagte Chan.

Auch der Jura-Professor und Occupy-Mitbegründer Benny Tai erklärte, er habe Drohungen erhalten. Einige der Umschläge hätten Rasierklingen enthalten. Fünf weitere Aktivisten sagten Reuters, sie seien aufgrund ihres Engagements Ziel von Einschüchterungen geworden.

Occupy Central versucht seit Tagen, den einflussreichen Finanzdistrikt in Hongkong mit Besetzungen lahmlegen. Chan und seine Mitstreiter wollen damit gegen den Beschluss der Pekinger Zentralregierung protestieren, zur Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs 2017 nur handverlesene Kandidaten zuzulassen. Regierungskritiker sind damit chancenlos.

"Wenn mir was passiert, wird die Schuld auf Peking fallen"

Der Politik-Professor Joseph Cheng berichtete, er sei in der Zeitung "Wen Wei Po" des Plagiats bezichtigt worden. Zudem werde ihm vorgeworfen, Nebeneinkünfte nicht korrekt angegeben zu haben. Cheng bestreitet die Vorwürfe. Regierungstreue Gruppen hätten seine Vorlesungen mit Forderungen nach amtlichen Untersuchungen gestört und ihn drangsaliert, sagte der Professor. Zudem sei sein Computer manipuliert worden.

Unklar ist Reuters zufolge bislang, wer hinter den mutmaßlichen Einschüchterungsversuchen steht. Zwar hat die Regierung die Proteste zuletzt als illegal bezeichnet, aber Tai glaubt nicht, dass sie hinter den Drohungen steckt. "Für Peking ist es, glaube ich, wichtig, mich zu schützen. Wenn mir etwas passiert, wird die Schuld auf Peking fallen."

Tai berichtete, eine handvoll Aktivisten hätten schlagartig die Bewegung verlassen. Dies sei vermutlich auf Einschüchterung zurückzuführen, möglicherweise auch durch Druck auf die Geschäftsbeziehungen zum chinesischen Festland. Weder Tai noch Chan haben die Vorfälle bei der Polizei gemeldet. Er glaube nicht, dass die Urheber der Drohungen ermittelt werden könnten, sagte Tai zur Begründung.

Fotostrecke

14  Bilder
Proteste in Hongkong: Die Regenschirm-Revolution
Zuletzt hat sich die Lage in Hongkong weiter zugespitzt: Der örtliche Regierungschef Leung Chun Ying hat barsch auf das Ultimatum der Demonstranten im Herzen der Millionenstadt reagiert. Diese verlangen seinen Rücktritt, er fordert ein unverzügliches Ende der Proteste, die das öffentliche Leben in der Stadt teilweise lahmlegen. Einen Rücktritt schloss Leung aus, seine Begründung: Mit einem Machtverzicht würde er die Entwicklung hin zu einem freien Wahlrecht zurückwerfen.

Zehntausende Demonstranten harren derweil auf den Straßen aus, die Hauptverkehrsadern im Finanzbezirk und in Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon sind noch immer blockiert. Die Studentenführer haben gedroht, die Proteste noch auszuweiten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Sie verlangen neben Leungs Rücktritt vor allem die Rücknahme einer umstrittenen, nur begrenzten Wahlreform bis Mittwoch (die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Protesten finden Sie hier).

Die Führung in Hongkong versucht indes alles, um ein Anwachsen der Protestbewegung zu verhindern: Die Behörden haben zuletzt etwa den Zugang zur Fotoplattform Instagram gesperrt. In Twitter-ähnlichen sozialen Netzen werden zudem Suchworte wie Hongkong, Studenten oder Tränengas geblockt.

mxw/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
crêpes 30.09.2014
1. Westliche Welt muß helfen...
...und darf NICHT länger passiv bleiben! ....ein Tian’anmen-Massaker vom 3.u.4. Juni 1989 darf sich NICHT wiederholen und daher muß der Westen der freiheitsliebenden u. freiheitssuchenden Hongkonger Demokratiebewegung flankierend helfen! Diktatur, Despotismus, Menschenverachtung, Folterung, Unterdrückung, Meinungsunfreiheit dürfen NICHT länger Wirkungsräume auf dieser Erde haben! Der Westen hat genug Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen Vergehen entgegenzuwirken; über vor der UNO gegen diese Hilfe ausgesprochene Vetos - wie im Falle Syrien - muß sich die übrige Welt endlich hinwegsetzen und mit EINER STIMME SPRECHEN und konseqente Stärke zeigen!
abrweber 30.09.2014
2. Verzeihung dass ich
Zitat von crêpes...und darf NICHT länger passiv bleiben! ....ein Tian’anmen-Massaker vom 3.u.4. Juni 1989 darf sich NICHT wiederholen und daher muß der Westen der freiheitsliebenden u. freiheitssuchenden Hongkonger Demokratiebewegung flankierend helfen! Diktatur, Despotismus, Menschenverachtung, Folterung, Unterdrückung, Meinungsunfreiheit dürfen NICHT länger Wirkungsräume auf dieser Erde haben! Der Westen hat genug Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen Vergehen entgegenzuwirken; über vor der UNO gegen diese Hilfe ausgesprochene Vetos - wie im Falle Syrien - muß sich die übrige Welt endlich hinwegsetzen und mit EINER STIMME SPRECHEN und konseqente Stärke zeigen!
Ihnen wiederspreche.Der Westen sollte sich da tunlichst heraushalten. Schauen Sie auf die Ukraine und dann sehen Sie was das westliche Einmischen für ein Ergebnis gebracht hat.Mit dem Völkerrecht nimmt es der Westen selbst nicht so genau, siehe Bombardement auf Syrien, ohne Mandat.Bisher war es doch immer so, dass überall wo der "Westen" sich eingemischt hat danach ausser Tote,Chaos, Blut und Tränen nichts blieb. Da sollte man die Menschen in Hongkong eher vor schützen. Das was Sie anprangern,Folter Menschenverachtung, Meinungsfreiheit, sind Phänomene die hier, wie Folter in USA angewendet werden,bezüglich der anderen beiden Punkte besteht auch hier elementarer Nachholbedarf. Wir sollten nicht immer bei anderen den Finger in die Wunde legen, wenn wir selbst ein großes Loch im Bauch haben.
markus_wienken 30.09.2014
3.
Zitat von crêpes...und darf NICHT länger passiv bleiben! ....ein Tian’anmen-Massaker vom 3.u.4. Juni 1989 darf sich NICHT wiederholen und daher muß der Westen der freiheitsliebenden u. freiheitssuchenden Hongkonger Demokratiebewegung flankierend helfen! Diktatur, Despotismus, Menschenverachtung, Folterung, Unterdrückung, Meinungsunfreiheit dürfen NICHT länger Wirkungsräume auf dieser Erde haben! Der Westen hat genug Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen Vergehen entgegenzuwirken; über vor der UNO gegen diese Hilfe ausgesprochene Vetos - wie im Falle Syrien - muß sich die übrige Welt endlich hinwegsetzen und mit EINER STIMME SPRECHEN und konseqente Stärke zeigen!
Was genau soll und muss der Westen tun um zielführend eine (positive) Veränderung herbeizuführen? Und wie soll die Welt mir EINER Stimme sprechen, wenn Vetos und gegenteiligen Meinungen anderer Staaten übergangen werden? Das verstehe ich nicht.
kaiping 30.09.2014
4. Wieder voller Fehler...
Ich zitiere Die Führung in Hongkong versucht indes alles, um ein Anwachsen der Protestbewegung zu verhindern: Die Behörden haben zuletzt etwa den Zugang zur Fotoplattform Instagram gesperrt. In Twitter-ähnlichen sozialen Netzen werden zudem Suchworte wie Hongkong, Studenten oder Tränengas geblockt. Wie auch in fast allen anderen Artikeln zu den Protesten in HK gilt: Die Behoerden in HK haben nichts gesperrt. HK ist zu grossen Teilen ganz anders als die VR China, hat andere Gesetze, eigene Legislative und vor allem Judikative. Pressefreiheit wird gewaehrt. Der Zugang zu Instagram sowie die Blockade von Woertern wie Studenten, Traenengas und Hongkong bezieht sich auf das Festland China, also die Volksrepublik unter Peking. In HK ist auf alles ohne Probleme zugreifbar.
multi_io 01.10.2014
5.
Zitat von abrweberIhnen wiederspreche.Der Westen sollte sich da tunlichst heraushalten. Schauen Sie auf die Ukraine und dann sehen Sie was das westliche Einmischen für ein Ergebnis gebracht hat.Mit dem Völkerrecht nimmt es der Westen selbst nicht so genau, siehe Bombardement auf Syrien, ohne Mandat.Bisher war es doch immer so, dass überall wo der "Westen" sich eingemischt hat danach ausser Tote,Chaos, Blut und Tränen nichts blieb. Da sollte man die Menschen in Hongkong eher vor schützen. Das was Sie anprangern,Folter Menschenverachtung, Meinungsfreiheit, sind Phänomene die hier, wie Folter in USA angewendet werden,bezüglich der anderen beiden Punkte besteht auch hier elementarer Nachholbedarf. Wir sollten nicht immer bei anderen den Finger in die Wunde legen, wenn wir selbst ein großes Loch im Bauch haben.
In der Ukraine hat sich Russland eingemischt, und das Ergebnis ist bis jetzt u.a. eine annektierte Halbinsel, ein abgeschossenes Passagierflugzeug und ein okkupierter östlicher Landesteil namens "Neurussland". Soviel dazu.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.