Gewalt bei Protesten Hongkong ermittelt gegen Polizisten wegen Misshandlung

Am Mittwochmorgen ging die Polizei in Hongkong gewaltsam gegen Demonstranten in Hongkong vor. Dabei handelten einige Beamte offenbar so brutal, dass jetzt gegen sie ermittelt wird.


Hongkong - Wegen der mutmaßlichen Misshandlung eines wehrlosen Demonstranten wird gegen mehrere Polizisten in Hongkong ermittelt. Die Beamten seien von ihren derzeitigen Aufgaben entbunden worden, sagte der Sicherheitschef der chinesischen Sonderverwaltungszone, Lai Tung-kwok, am Mittwoch. Er versprach eine "genaue und faire Untersuchung" des Vorfalls. Der Verdacht richtet sich offenbar gegen sechs Polizisten.

Auslöser der Ermittlungen war offenbar ein Video. In einem vom TV-Sender TVB veröffentlichten Film ist zu sehen, wie ein Polizist einen gefesselten Demonstranten schlägt, der in einer dunklen Ecke eines Parks am Boden liegt. Drei weitere Beamte treten den Mann mehrfach. Dem Sender zufolge dauerte der Angriff vier Minuten. Der Demonstrant gehört offenbar der Demokratiegruppe Civic Party an, die umgehend einen Anwalt einschaltete. Studentenführer Joshua Wong sagte, die Polizei habe nun jegliches Vertrauen verspielt.

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Hongkong: Polizei gegen Demonstranten
Die Polizei in Hongkong hatte am Mittwochmorgen erneut gewaltsam einen von der Demokratiebewegung besetzten Tunnel geräumt und 45 Demonstranten festgenommen. Mit Pfefferspray und Schlagstöcken bewaffnet rückten die Beamten auf den von Hunderten Menschen besetzten Tunnel der Lung-Wo-Straße nahe des Regierungssitzes vor und räumten neu errichtete Barrikaden ab. Dabei gab es Berichten zufolge Verletzte auf beiden Seiten.

Die Aktion ging laut lokalen Medien nicht auf die Studentenvereinigung oder die "Scholarism" genannte Gruppe der Oberschüler zurück. Einige Demonstranten hatten offenbar auf eigene Faust gehandelt, nachdem die Polizisten am Vortag etliche Barrieren geräumt und die Regierung von Hongkong einen geplanten Dialog mit den Studenten abgesagt hatte.

"Zeit"-Mitarbeiterin weiterhin in Haft

Die Proteste in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zu China gehört, laufen seit mehr als zwei Wochen. Auslöser waren Beschlüsse Pekings, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern.

In der Volksrepublik China selbst sind laut Bürgerrechtlern schon rund 60 Menschen wegen Sympathiebekundungen für den Ruf nach mehr Demokratie in Hongkong festgenommen oder verhört worden. Unter ihnen ist auch die Mitarbeiterin der Wochenzeitung "Die Zeit", Zhang Miao. Seit zehn Tagen wird der inhaftierten 40-Jährigen der Zugang zu ihrem Anwalt verweigert. Sie war auf dem Weg zu einer Dichterlesung zur Unterstützung der Hongkonger Demonstranten festgenommen worden.

mxw/AFP/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
imlattig 15.10.2014
1. in china....
sind die ordnungskraefte anscheinend besser unter kontrolle als bei uns. siehe stuttgart 21.
mesut2012 15.10.2014
2.
Zitat von imlattigsind die ordnungskraefte anscheinend besser unter kontrolle als bei uns. siehe stuttgart 21.
Unter anderem wegen des Vorgehens der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen rund um Stuttgart 21 wurde letztlich eine Landesregierung abgewählt. Ich bezweifle, dass das China auch möglich ist.
maxuli 15.10.2014
3.
Zitat von imlattigsind die ordnungskraefte anscheinend besser unter kontrolle als bei uns. siehe stuttgart 21.
Die Chinesen - vor allem die Regierung von Hongkong - wollen sich vor der Weltöffentlichkeit als fair and correct darstellen. Das bedeutet aber keineswegs mehr Demokratie.
gott777 15.10.2014
4.
Man stelle sich vor, hunderte Aktivisten würden den Elbtunnel in Hamburg blockieren, da würde die Polizei auch ruckzuck "mit Pfefferspray und Schlagstöcken bewaffnet" anrücken und da ganz schnell räumen. Bis auf die Misshandlung, die wohl deutlich schneller als in manch anderem Land geahntet werden, kann ich jetzt aus dem Artikel nichts schändliches entnehmen.
Bernd R. 15.10.2014
5.
Schon vergessen, dass am ersten Tag fleißig Tränengas eingesetzt wurde? Und Hongkong hat innenpolitisch mit China nichts zu tun. Und dafür, dass es so bleibt, sind die Studenten auf der Straße. Im Großen und Ganzen ist die Polizei seit dem zweiten Tag aber friedlich und verteidigt die Demonstranten auch gegen Gegendemonstranten, wenn diese gewalttätig werden.
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