Revolte in Hongkong Zorn auf die First Daughter

Zehntausende Bürger Hongkongs fordern den Rücktritt von Regierungschef Leung Chun Ying. Mindestens ebenso unbeliebt ist seine Tochter. Eine Facebook-Seite facht den Volkszorn weiter an.

Chai Yan Leungs Facebook-Seite: Fragwürdige Kommentare
facebook/CoconutsHongKong

Chai Yan Leungs Facebook-Seite: Fragwürdige Kommentare

Aus Hongkong berichtet Ulrike Putz


"Was bildet die sich ein?", schimpft Lucy Li Ha. "Chai Yan ist wie die böse Prinzessin aus dem Märchen, arrogant und gemein", pflichtet ihre Freundin Rachel bei. Der Zorn der jungen Hongkongerinnen, die in einem Café im Stadtviertel Wan Chai über ihren Smartphones die Köpfe zusammenstecken, richtet sich gegen eine Altersgenossin: Leung Chai Yan ist die älteste Tochter des örtlichen Regierungschefs Leung Chun Ying. Die 23-Jährige hatte am Mittwoch mit einem Facebook-Kommentar unter den im Zentrum von Hongkong ausharrenden Demonstranten und deren Sympathisanten große Empörung ausgelöst.

Die Kritiker, die mehr Demokratie für Hongkong fordern, hatten Leung in den vergangenen Tagen mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Er gilt als Statthalter Pekings. Einige griffen Leungs Tochter auf ihrer öffentlich einsehbaren Facebook-Seite für die Politik ihres Vaters an. Andere gingen die Studentin, die in London Wirtschaft studiert, auch persönlich an. Einer fragte nach einer Halskette, mit der Chai Yan auf ihrem Profilfoto zu sehen sei: Ob es sich dabei um ein Hundehalsband handele?

Chai Yan teilte daraufhin mächtig aus: Die Kette wie auch "all meine wunderschönen Schuhe und Kleider und Handtaschen" stammten aus einem Hongkonger Luxuskaufhaus. "Ja, bezahlt von all euch Hongkonger Steuerzahlern", provozierte sie in Anspielung auf das üppige Gehalt, das ihr Vater als Regierungschef einstreicht. Weiter unten schränkte sie dann ein, dass die meisten Demonstranten ja vermutlich arbeitslos seien und ohnehin keine Steuern zahlten. "Deshalb habt ihr auch so viel Zeit, mich mit Nachrichten zu bombardieren."

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Proteste gegen Leung Chun Ying: Machtkampf um Hongkong
Damit war sie aber mit ihrer Tirade noch nicht am Ende: Ihre Widersacher seien zu dumm, um die Arbeitsweise sozialer Medien zu verstehen, und kaum des Englischen mächtig, litten an Unsicherheit und Selbsthass, schrieb Leung. "Macht aber nichts - eure Mütter lieben euch trotzdem", höhnte sie. Dass die fragliche Facebook-Seite tatsächlich von Chai Yan betrieben wird, hatte deren Mutter Regina Leung Tong Ching-yee im Sommer bestätigt.

Mediale Eskapaden schaden das Image Leungs

Der Schlagabtausch war von dem Hongkonger Online-Portal "Coconuts" dokumentiert worden. Die verbalen Ausfälle von Hongkongs First Daughter wurden auf Blogs, auf Twitter und Facebook tausendfach kommentiert und geteilt. Ob ihr Vater oder einer seiner PR-Berater schließlich eingriff, ist nicht bekannt: Auf jeden Fall verschwand ihre Facebook-Seite am Donnerstag aus dem Netz.

Chai Yan hatte sich in der Vergangenheit schon öfter mit fragwürdigen Kommentaren zu Wort gemeldet. Ihre Eskapaden schadeten auch immer dem ohnehin angeschlagenen Image ihres Vaters.

So hatte sie sich im Februar mit Verfechtern der Pressefreiheit angelegt. Damals war der prominente Hongkonger Journalist Kevin Lau Chun-to bei einem offenbar politisch motivierten Angriff mit einem Messer verletzt worden. Chai Yan behauptete, das sei gar kein Einschüchterungsversuch der freien Presse in der Sonderverwaltungszone gewesen.

Im Juni postete sie Bilder von ihren blutigen Handgelenken auf Facebook. Womöglich hatte die junge Frau sich selbst verletzt. Nach wenigen Stunden verschwanden die Fotos wieder. Pekingtreue Medien veröffentlichten kurz darauf Heile-Welt-Porträts der Leungs.

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jorgeG 02.10.2014
1. Armes, reiches Mädchen
Ohne Ironie, die tut mir leid.
Klaus's Meinung 02.10.2014
2. So läuft das
eben in Systemen, in denen das Volk keine Möglichkeit hat die Herrscher frei zu wählen und somit Kontrolle auszuüben. Nur in diesen Systemen herrschen Millionen oder gar Milliarden $ schwere Politiker über das dumme Volk. So etwas extremes kann es in westlichen Demokratien nicht geben. Da kann sich kein Präsident halten, der auch nur den Verdacht hat ( z. B. Wulff)...
bloub 02.10.2014
3.
was ist jetzt das eigentliche problem? das erste gekeife von irgendwelchen demonstranten oder das zurückgekeife?
cxcx386 02.10.2014
4.
Also. 1. Hätte ich und wahrscheinlich die meisten auf solch ein Sinnentleertes Gespamme geantwortet, und 2. Was sind das für "friedliche Regenschirmdemonstranten" die eine unbeteiligte Junge Frau angteifen? Gehts noch?
wermoe 02.10.2014
5. Sippenhaft hatten wir zuletzt bei den Nazis und
in angeschwächter Form auch in der DDR ...
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