Räumung des Protestcamps in Hongkong Bilder vom letzten Tag des Widerstands

Nach 75 Tagen Protest ist Schluss: Die Polizei in Hongkong hat die Barrikaden der Demonstranten geräumt. Tausende übten zivilen Ungehorsam, die Polizei nahm 209 Aktivisten fest. Hier sind die Bilder.

REUTERS

Hamburg - Tausende hatten sich in Hongkong noch einmal versammelt, doch es nützte nichts: Mit einem Großaufgebot hat die Polizei nach 75 Tagen Protest die Barrikaden der Aktivisten zerstört. Bei der Räumungsaktion seien 209 Menschen festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Aktion sei bis zum Abend friedlich verlaufen.

Die Demonstranten hatten vorher angekündigt, sich der gerichtlich angeordneten Räumung nicht mit Gewalt zu widersetzen. Sie wollten mit Sitzblockaden zivilen Ungehorsam üben und sich notfalls festnehmen lassen.

Die Demonstranten fordern mehr Demokratie für die frühere britische Kronkolonie, die seit 1997 wieder zu China gehört und seither als eigenes Territorium nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom verwaltet wird. Es ist die größte Krise in der asiatischen Wirtschaftsmetropole seitdem.

Auslöser der Proteste waren die Pläne der chinesischen Führung in Peking, Hongkongs Bürgern 2017 zwar erstmals direkte Wahlen erlauben zu wollen, ihnen aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Nach Polizeiangaben sind bei den Demonstrationen insgesamt mehr als 600 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Hunderte wurden verletzt, darunter über hundert Polizisten.

"Wir werden in Zukunft noch größere Aktionen organisieren, um zu zeigen, dass wir nicht einfach eine Niederlage eingestehen", sagte Studentenführer Nathan Law. Auf Bannern zur Räumung hieß es: "Wir werden zurückkommen" und "Es ist erst der Anfang".

Insgesamt waren rund 7000 Polizisten mobilisiert worden, um die Gerichtsbeschlüsse zur Beseitigung "illegaler Blockaden" durchzusetzen. Die Polizei warnte vor radikalen Kräften in der Bewegung und einer "unnötigen Konfrontation". Es werde notfalls auch Gewalt eingesetzt, hieß es.

Wegen der anhaltenden Behinderungen des Verkehrs und Geschäftslebens hatten die Proteste am Ende zunehmend an Unterstützung verloren. Die Regierung von Hongkong und die kommunistische Führung in Peking hatten klargemacht, keine Konzessionen eingehen zu wollen.

brk/dpa/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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carranza 11.12.2014
1. Widerspruch in sich
"Bei der Räumungsaktion seien 209 Menschen festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Aktion sei bis zum Abend friedlich verlaufen." Wie weit muß es kommen, dass man die Verhaftung von 209 Menschen als friedlich bezeichnet?
fffat 11.12.2014
2. es ist gut so
ein langhaltender Protest gegen ein Regime, das allem Schein nach nicht zu echter Verhandlung bereit ist, macht keinen Sinn. Im schlimmsten Fall würde es zu mehr Gewalt kommen. Die Anstifter lassen sich leicht ins Ausland absetzen oder sich von Helfern im Ausland rausholen. Leiden müssen die armen normalen Menschen. mir wäre es lieber, wenn die Aktivisten in regelmäßigem Abstand kurze Proteste halten würden. Damit machen sie sich präsent und die Möglichkeit einer Eskalation würde enorm abnehmen.
ermanerich 11.12.2014
3. Mich wundert nur,
wie wenig Gewalt zum Einsatz kam. Die Protestierenden sollten begreifen, dass die Mehrheit der Bürger zufrieden ist und keinen Wechsel wünscht. Und die Roten Kaiser in Peking sind nun Herrscher über alle Chinesen - wohl auch bald in Taipeh. Wir selbst sollten zum ganzen Thema recht ruhig sein - Leute, die wie in Frankfurt gegen die Grundübel unserer Gesellschft vorgehen, landen auch schnell im Polizeikessel. Die Drohung mit dem Wiederkommen - die hätte ich glatt stecken lassen. Sie bringt nichts. Und wieder schlug der zensurheinrich zu - meinung nicht systemkonform - Gruß ans Politbüro des ZK der ..... Kommt ihr euch nicht langsam selbst etwas ademorkatisch vor - oder zahlt jemand für die zukünftige Pleite des Spiegel? Wird langsam Zeit, dass euch die Martkwirtschaft erreicht. Süeigel-Leser seit 1986 - Glückwunsch zum Vergraulen.
humptata 12.12.2014
4. Widerspruch? Wo?
Zitat von carranza"Bei der Räumungsaktion seien 209 Menschen festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Aktion sei bis zum Abend friedlich verlaufen." Wie weit muß es kommen, dass man die Verhaftung von 209 Menschen als friedlich bezeichnet?
Wenn Demonstranten, die einem Platzverweis nicht nachkommen (gibt das in D auch, fragen Sie mal einen Polizisten Ihres Vertrauens) von der Polizei festgenommen werden, kann man durchaus vom friedlichen Verlauf einer Räumung sprechen. Unfriedlich wird das, wenn z.B. argumentverstärkende Mittel wie Schlagstock, Tränengas oder Wasserwerfer zum Einsatz kommen.
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