Triaden bei Demokratie-Demo Mafia-Schläger mischen Hongkong-Protest auf

Die berüchtigten Triaden kontrollieren Hongkongs Unterwelt. Nun haben ihre Schläger Pro-Demokratie-Demonstranten angegriffen. Handelt die Mafia im Auftrag Pekings? Der Verdacht liegt nahe.

Aus Hongkong berichtet Ulrike Putz


An einer von Demonstranten besetzten Kreuzung im Viertel Admiralty in Hongkong steht ein gelbes Straßenschild. "Central Government Offices" steht neben dem nach links zeigenden Pfeil. Am Samstag haben Protestler das Schild mit einem selbstgemalten Zusatz versehen. "Central Government and Triad Offices" steht da nun - angeblich befinden sich hier also die Büros der Regierung ebenso wie die der Triaden, der chinesischen Mafia.

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Heft 41/2014
Helmut Kohl - Die geheimen Gesprächsprotokolle

Wie die Schild-Verzierer sind viele der für freie Wahlen demonstrierenden Hongkonger überzeugt, dass die Stadtregierung mit den örtlichen Unterwelt-Banden gemeinsame Sache macht. Die prochinesische Regierung bediene sich der Mafia-Schläger, um Demonstranten anzugreifen und einzuschüchtern, sagen Aktivisten und Oppositionelle.

"Die Regierung hat organisierte, orchestrierte Gewalt und sogar Triaden-Gangs benutzt, um die Bürger zu vertreiben", sagte James To Kun-sun, Abgeordneter der oppositionellen Demokratischen Partei und stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats im Stadtparlament. Stadtratsmitglied Albert Ho erklärte, die Polizei lasse den Triaden "eine Menge durchgehen". Die Machthaber ließen die China-Mafia die Drecksarbeit machen, überließen es deren Handlangern, die besetzten Plätze und Straßen zu räumen, so Ho, ein bekannter Anwalt und Bürgerrechtler.

Hongkongs Sicherheitschef Lai Tung-kwok wies diese Vorwürfe während einer Pressekonferenz am Samstag weit von sich. "Diese Anschuldigungen sind erfunden und gehen entschieden zu weit", rief der sichtlich wütende Lai.

Mafia-Bodyguards für Politiker

Am Freitag hatte es in dem von Banden dominierten Viertel Mong Kok gewalttätige Übergriffe auf die Teilnehmer eines friedlichen Sit-ins gegeben. Die Polizei griff dabei nach Angaben von Augenzeugen erst sehr spät ein und tat nur wenig, um die Demonstranten vor den Angreifern zu schützen. Schließlich wurden 19 Krawallmacher festgenommen. Bei acht von ihnen handelte es sich laut Polizei um Mitglieder der Triaden.

Ob die Bandenmitglieder aus eigenem Antrieb auf die Demonstranten losgingen oder aber von ihren Organisationen dazu abgestellt wurden, lässt sich nicht überprüfen. Selbst wenn die Männer im Auftrag unterwegs waren, wird nie nachzuweisen sein, ob die Triaden im Dienst oder mit der Duldung der China-treuen Regierung Leung Chun-yings agierten oder ihre Anweisungen gar direkt aus dem fernen Peking bezogen.

Dass die chinesische Regierung sich der Hongkonger Triaden bei Bedarf bedient, haben Offizielle in der Vergangenheit jedoch vereinzelt zugegeben. In einem ungewohnt offenen Statement sagte der damalige chinesische Minister für Öffentliche Sicherheit, Tao Siju, im Jahr 1993, solange die Triaden patriotisch seien und sich für Hongkongs Wohlstand und Stabilität engagierten, könnten sie ein nützliches Werkzeug der chinesischen Politik in Hongkong sein. China habe die Triaden bereits mehrfach in Anspruch genommen, zum Beispiel ihre Mitglieder engagiert, um einen chinesischen Politiker bei einer Auslandsreise zu beschützen, so Tao.

"Ein Fluch für die Zivilgesellschaft Hongkongs"

Steve Vickers, ehemaliger Chef der Abteilung der Hongkonger Polizei für verdeckte Ermittlungen im kriminellen Milieu, meldete sich am Samstag mit einem Gastbeitrag in der "South China Morning Post" zu Wort. Darin schrieb Vickers, dass es ein offenes Geheimnis sei, dass sowohl Peking als auch prodemokratische Kräfte in Hong Kong die Triaden für ihre Zwecke benutzt hätten. "Der Einfluss der Triaden ist immer noch ein Fluch für die Zivilgesellschaft Hongkongs."

Die Triaden entstanden bereits im 17. Jahrhundert auf dem chinesischen Festland. Die ursprünglich von Shaolin-Mönchen gegründeten Geheimgesellschaften verstanden sich als patriotische Widerstandsbewegung gegen die damals herrschende Qing-Dynastie, die mithilfe der Triaden 1911 schließlich gestürzt wurde. Im Lauf der Zeit mutierten die ursprünglich politisch motivierten Gruppen zu kriminellen Banden.

Als die Kommunisten in China 1949 die Macht übernahmen, wichen die meisten der in Clans organisierten Mitglieder in die damalige britische Kolonie Hongkong aus. Dort kontrollieren sie bis heute den Drogenhandel, Menschenhandel, Schmuggel, das Glücksspiel, die Prostitution und Geschäfte mit Zinswucher.

Ältere Schätzungen gehen davon aus, dass etwa hunderttausend Hongkonger im Laufe ihres Lebens im Dienste der China-Mafia standen. Mitglieder sind zumeist an großflächigen Tätowierungen zu erkennen, an denen auch abzulesen ist, welchem Clan die Männer angehören. Auch international sind die Triaden aktiv, sie haben ihre Basen dabei in den Chinatowns von Einwandererländern wie den USA und Australien. Auch in Deutschland sollen Ableger der Clans tätig sein.

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Seite 1
demophon 05.10.2014
1.
Auch in China werden von der KP brutale Schlägerbanden eingesetzt, um Demonstranten zusammenzuschlagen. Manchmal greifen sie auch westliche Journalisten an. Die KPCh kann man mit Fug und Recht als die größte Mafia-Organisation der Welt bezeichnen.
_meinemeinung 05.10.2014
2. Das gleiche Muster
Bei diesen Protesten handelt es sich um das gleiche Muster wie in Kiew. Offenbar ist China das nächste Ziel der US Administration, die Destabilisierungskampagne läuft. Wieder gegen einen BRICS -Staat gerichtet, wieder gegen einen Staat, der es wagt, seinen Außenhandel ohne Dollar abzuwickeln. Hongkong mit seiner britischen Vergangenheit bietet natürlich eine idealen Angriffspunkt. Die Amis brauchen offenbar einen Krieg zum wirtschaftlichen Überleben -um jeden Preis.
zieloptiker 05.10.2014
3. Yesssss!!!!
Frau Putz, ist Ihnen aufgefallen, dass der reißerische Aufmacher Ihres Artikels auf der Behauptung eines einzigen Mannes beruht? ---Zitat--- Ob die Bandenmitglieder aus eigenem Antrieb auf die Demonstranten losgingen, oder aber von ihren Organisationen dazu abgestellt wurden, lässt sich nicht überprüfen. ---Zitatende--- Genau, Thema verfehlt. Sie schreiben es sogar selbst. Kleiner Tipp, an der Online-Poll im Juni haben sich nur 10% Prozent der Hongkonger beteiligt. Kann es vielleicht auch sein, dass die restlichen 90% kein Interesse an einer "Ukrainisierung" ihrer Stadt haben?
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 05.10.2014
4. Wer benutzt wen?
Die Regierung in Honkong die Triaden oder umgekehrt? Gibt es für die Anschuldigungen Beweise, oder ist dies erst nach einem Machtwechsel möglich? Wer Garantiert, dass die Opposition sich nach einem angestrebten Machtwechsel nicht genauso agiert wie die derzeitige Regierung? Ist schon oft genug vorgekommen. Andererseits ist es gut wenn die Regierung in Peking auch mal unter Druck gesetzt wird. Nur sollte man es nicht auf eine Eskalation anlegen. Wem die nützt das kann keiner voraussehen, aber erfahrungsgemäß kommt dabei selten gutes raus.
kobmicha 05.10.2014
5. ..sagen Akivisten und Oppositionsquellen
..immer das selbe bei SPON. wie in der Ukraine und den sonstigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Wie es in die eigene gewünschte Meinungsmache passt werden Nachrichten verbreitet . Dazu werden Meinungen als Tatsache hingestellt und auf dieser Basis weitere unbewiesene Behauptungen in den Raum gestellt . So eine Zeitung wurde vor nicht allzu langer Zeit als "Linientreu" bezeichnet. Auch diese Meinung werden sie nicht veröffentlichen wie schon zig andere Kommentare auch. Aber ich gebe nicht auf.
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