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Horrorszenen in libyscher Klinik: "Eine der schlimmsten Sachen, die ich je gesehen habe"

Als die Helfer kamen, fanden sie blutverschmierte Flure, Leichenberge in Zimmern und im Vorhof: In einer Klinik in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind laut BBC mehr als 200 Menschen gestorben. Ärzte und Schwestern flohen vor den Kämpfen und überließen die Patienten offenbar einfach dem Tod.

Freiwillige im Krankenhaus Abu Salim: Unbeschreibliches Grauen Zur Großansicht
AP

Freiwillige im Krankenhaus Abu Salim: Unbeschreibliches Grauen

Tripolis - Es sind grausige Bilder, die sich Reportern am Freitag in einem Krankenhaus im Viertel Abu Salim boten: Der Boden auf den Fluren ist blutverschmiert, in den Krankenzimmern stapeln sich Leichen, selbst im Vorhof liegen tote Körper unter Decken.

In dem Krankenhaus in Tripolis sind Dutzende Leichen entdeckt worden, die seit Tagen verwesen. Offenbar sind die meisten an fehlender Versorgung gestorben - Ärzte und Krankenschwestern sind offenbar vor den Kämpfen in der Nachbarschaft geflüchtet und haben die Patienten zurückgelassen.

Die Klinik liegt in einem Viertel, das bis vor kurzem noch unter Kontrolle von regimetreuen Truppen stand und in dem in den vergangenen Tagen besonders heftig gekämpft wurde.

"Unbeschreibliches Grauen"

Wie viele Leichen in dem Krankenhaus liegen, ist noch nicht klar. Nachrichtenagenturen berichten von mindestens 80 Toten, die britische BBC spricht von mehr als 200 Leichen. Der BBC-Reporter Wyre Davies sagt, die Lage im Krankenhaus sei mit das "Erschreckendste und Ekelerregendste", was er je gesehen habe. Alex Thomson von Channel 4 News sprach von einem Bild "unbeschreiblichen Grauens". Auch er sagte: "Das ist eine der schlimmsten Sachen, die ich jemals gesehen habe." Überall lägen verwesende Leichen - in Korridoren, Büros, vor dem Gebäude. Alles sei voll von Fliegen und Maden. Unter den Dutzenden Toten seien auch Frauen und Kinder.

Ärzte berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass Gaddafi-treue Heckenschützen bis Donnerstag jeden auf Distanz gehalten hätten, der sich dem Krankenhaus im Viertel Abu Salim nähern wollte. Daher seien die Patienten einer nach dem anderen gestorben. Die überlebenden Patienten, unter ihnen ein Kind, mussten demnach tagelang den Geruch verwesender Leichen ertragen.

Ein Anwohner sagte der BBC, dass die Leichen seit fünf Tagen in der Klinik lägen, ohne dass sich jemand um sie gekümmert hätte.

Wer die Toten sind, ist noch nicht klar. Reporter vor Ort berichteten, sie haben sowohl Leichen von Zivilisten als auch tote Kämpfer gesehen. Offenbar seien die meisten verwundet eingeliefert worden und dann im Krankenhaus gestorben. Viele der Toten seien schwarze Afrikaner - entweder Söldner Muammar al-Gaddafis oder Gastarbeiter.

Weitere lagen auf Grünstreifen vor dem eroberten Hauptquartier Gaddafis, Bab al-Asisija. Der Anblick dieser Toten, teils die Hände mit Plastikbändern gefesselt und mit Kopfschüssen, weckt den Verdacht, dass Zivilpersonen regelrecht hingerichtet wurden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf am Freitag sowohl den regimetreuen Truppen als auch den Rebellen in Libyen Folter vor. Sie beschuldigte Gaddafi-Getreue, inhaftierte Jungen vergewaltigt zu haben. Tausende Männer seien nach Festnahmen durch die Gaddafi-Truppen verschwunden, darunter auch unbewaffnete Zivilisten. Auch die Rebellen müssen sich Vorwürfe anhören: Amnesty beschuldigt sie, ihre Gefangenen unter äußerst problematischen Bedingungen festzuhalten.

fab/AFP/dapd/AP

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Forum - Umsturz in Libyen - Wie geht es weiter?
insgesamt 3633 Beiträge
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1. gute arbeit
dayo, 27.08.2011
Zitat von sysopMonatelang haben die libyschen Rebellen gekämpft, nun sind sie in Tripolis einmarschiert. Vom langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi fehlt jede Spur. Es sind historische und entscheidende Tage - das Land muss nach den heftigen Gefechten schnell wieder aufgebaut werden. Wie geht es weiter in Libyen?
nun, wie soll es weitergehen?al quaida hat eine neue basis, dh. es besteht keine gefahr, das die terrorgefahr nachlässt und die rüstungsindustrie kann beruhigt sein.
2. Ist das nicht wunderbar
cherusciprinceps 27.08.2011
Wie die NATO und ihre rebellischen Kumpanen den Menschen in Libyen Frieden, Liebe und Wohlstand gebracht haben. Einfach toll.
3. .
ThomasPr, 27.08.2011
Zitat von sysopMonatelang haben die libyschen Rebellen gekämpft, nun sind sie in Tripolis einmarschiert. Vom langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi fehlt jede Spur. Es sind historische und entscheidende Tage - das Land muss nach den heftigen Gefechten schnell wieder aufgebaut werden. Wie geht es weiter in Libyen?
Fragen Sie doch die Rebellen. Aber die werden es auch nicht sagen können, wie es weitergeht in Libyen. Es ist halt leichter etwas zu zerdeppern, als es wieder aufzubauen.
4. Frz Pub-Kampagne 1973: "Erdoel haben wir nicht, aber Ideen"
seine-et-marnais 27.08.2011
Zitat von sysopMonatelang haben die libyschen Rebellen gekämpft, nun sind sie in Tripolis einmarschiert. Vom langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi fehlt jede Spur. Es sind historische und entscheidende Tage - das Land muss nach den heftigen Gefechten schnell wieder aufgebaut werden. Wie geht es weiter in Libyen?
Diese Frage haette man sich frueher stellen muessen. Aber gestern abend konnte man bei einer Diskussion auf i-tele (frz) einen Journalisten hoeren mit dem Vorschlag, da in Libyen umstritten sei wer denn nun regieren koennte, koennte Sarkozy als eine Art Vormund voruebergehend einspringen. Ueberrascht mich nicht, ist er es doch der das ganze arrangiert hat, siehe als naechste Veranstaltung 'Treffen der Freunde Libyens' veranstaltet von Sarkozy.
5. Fangfrage?
drouhy 27.08.2011
Zitat von sysopMonatelang haben die libyschen Rebellen gekämpft, nun sind sie in Tripolis einmarschiert. Vom langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi fehlt jede Spur. Es sind historische und entscheidende Tage - das Land muss nach den heftigen Gefechten schnell wieder aufgebaut werden. Wie geht es weiter in Libyen?
Die Mentoren des selbst legitimierten NTC sind doch bekannt. Solche Fragen sollten besser an Mandatsmissbrauchsmächte gerichtet werden, deren Truppen sich illegal in Libyen aufhalten. Es sind übrigens diesselben, welche die Schäden zu grossen Teilen erst anrichteten, sei es durch Bomben oder durch illegal gelieferte Waffen.
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Fotostrecke
Jagd auf Gaddafi: Sturm auf Abu Salim

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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