Treffen mit Ai Weiwei Grüne stiehlt Seehofer in China die Show

Horst Seehofer wollte in China eine gute Figur machen - das vermasselte ihm Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im Bayerischen Landtag. Sie traf sich mit Regimekritiker Ai Weiwei - und brüskierte den CSU-Chef.

DPA

Von , Guangdong und Peking


Wenn Horst Seehofer auf Reisen ist, dann dreht sich gewöhnlich alles um eine Person: ihn selbst. Wo immer der CSU-Herrscher Hof hält, scharen sich die Journalisten um ihn und die mitgereisten Wirtschaftsführer, egal, ob er zur großen Mauer hinaufsteigt oder, wie vor einigen Tagen, über den Perlfluss im Süden Chinas schippert. Dass noch andere bayerische Politiker in Seehofers China-Delegation mitreisen, von der SPD bis zu den Freien Wählern, bekommt man bestenfalls mit, wenn man im Kleingedruckten des Programms blättert.

Am Sonntagabend war das anders. Nach dem offiziellen Besuchstermin an der Mauer machte sich Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag, auf zu einem klandestinen Trip. Zwei Autos holten sie vom Kempinski-Hotel im Nordosten Pekings ab und brachten Bause zunächst zu einer kleinen Galerie im Künstlerviertel am Rande Pekings. Von dort aus ging es wenig später zu Ai Weiwei, dem berühmtesten Regimekritiker Chinas und einem der wichtigsten Künstler der Gegenwart.

Bause hat den Besuch über eine Freundin organisiert, die sich in der Kunstszene der chinesischen Hauptstadt auskennt. Es ist Neugier, die sie in Ai Weiweis Atelier treibt, Interesse an dessen Arbeit. Aber die Grünen-Fraktionschefin will Seehofer auch zeigen, dass so etwas nicht geht: ein tagelanger Besuch in China, bei dem das Thema Menschenrechte bestenfalls mal nebenbei kurz angetextet wird.

Witze über die politische Konkurrentin

Ai Weiwei fordert die deutsche Besucherin auf, sich für Menschenrechte einzusetzen. Mit konkreten Namen von einzelnen Inhaftierten, Details von ihren Fällen. Nur so könne man die Kommunisten unter Druck setzen, sagt er bei dem etwa einstündigen Gespräch.

Seehofer gefiel der Ausflug der Grünen-Fraktionschefin nicht. Nach seinem Treffen mit Chinas Premierminister Li Keqiang am Montagmittag (Ortszeit) tadelte Seehofer Bause vor der Presse: "Der Anstand hätte es verlangt, dass man mir als Delegationsleiter vorher Bescheid gesagt hätte." Ansonsten sei er angesichts der Aktion aber "völlig entspannt".

Für die halbstündige Visite im Zhongnanhai, dem Regierungsviertel neben der Verbotenen Stadt, ist Seehofer extra zwei Tage länger als geplant in China geblieben. Dass mit Bause ein Mitglied seiner offiziellen Delegation einen Tag vor dem großen Termin beim berühmtesten Kritiker der chinesischen Machthaber vorbeischaut, darf der CSU-Chef getrost als Schlag ins Gesicht werten.

Zumal sich Seehofer während der Reise im kleinen Kreis immer wieder über die Politikerin mit dem flammend roten Haar lustig machte. Vor allem, weil Bause entgegen ihren Ankündigungen vor Beginn der Reise das Thema Menschenrechte bei keinem der Termine angesprochen habe. Im Gegenteil: Einmal, bei einem Termin mit dem Außenbeauftragten von Chinas Kommunistischer Partei in Peking, habe er, Seehofer, seine Mitreisenden extra gefragt, ob sie noch etwas zu sagen hätten - und die hätten, inklusive Bause, mit dem Kopf geschüttelt.

Der Besuch bei Ai Weiwei ist nicht das erste Mal, dass Bause Seehofer auf der China-Reise in Bedrängnis bringt. Als Seehofer am vergangenen Samstag in Guandong die Neuauflage des Partnerschaftsabkommens zwischen Bayern und der Provinz Kanton unterzeichnete, schaute sich Bause das Papier genauer an. Als eine der wenigen in Seehofers Entourage, wie sich schnell zeigen sollte.

Denn das Dokument, das Seehofers Leute monatelang mit den Chinesen verhandelt hatten, enthielt einen Passus, in dem Bayern den Chinesen verspricht, neben vielem anderen auch die Atomforschung weiter zu fördern.

Bause ließ sich die Steilvorlage nicht entgehen. "Ich finde es scheinheilig, auf der einen Seite die Energiewende loben zu lassen und auf der anderen Seite die Atomenergie zu unterstützen", sagte sie.

Der Schlag saß. Genervt reagierte Seehofer mit einem Interview im Bayerischen Rundfunk: "Wo Bause ist, ist Ärger."



insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
hundini 24.11.2014
1. ^^
hat man denn den Horst auch gleich mitverhaftet?
luckyfrank 24.11.2014
2. gute Aktion(en)
...aber Gruenen Bashing ist ja en vogue im SPON Foren...
m.heusler 24.11.2014
3. Danke Frau Bause
China ist wie Russland ein Staat der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Leider interessiert dies unsere Elite nicht, solange der Rubel rollt. Menschen wie Frau Bause machen Hoffnung.
silentsport 24.11.2014
4. Kreativität=0
Schön vom Pressesprecher der Grünen die Meldung übernommen?
bazingabazinga 24.11.2014
5. Heuchler!
Erdogan und Putin einen Diktator nennen. Die Türkei und Russland wegen angeblicher Diktatur, Menschenrechtsverletzungen und was weiß ich bestrafen.Aber einem Land, das wirklich eine Diktatur ist - und das auch stolz zugibt - so einem Land kriecht die deutsche Wirtschaft in den Allerwertesten. ------Wohlwissend, dass die Dikratur China spätestens dann deutsche Unternehmen raus wirft und durch chinesische Ersetzt, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Gewinne deutscher Unternehmen können sowieso kaum ausser landes Gebracht werden, wegen chinesischer Gesetze, die besagen, dass der chinesische Teil eines JointVentures immer größer 50% sein muß. Den Weg deutscher Unternehmen in China bestimmt letztendlich immer die chinesische Diktatur. Das war die letzten Jahrzehnte so - und es hat sich pro chinesische Unternehmen verstärkt!
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