Ex-Chef der Kaffeekette Starbucks Howard Schultz irritiert US-Demokraten mit Präsidentschaftsambitionen

Seine Absichten sind bekannt, nun erschreckt der Ex-Starbucks-Chef Howard Schultz die US-Demokraten: Der liberale Manager erwägt, als unabhängiger Kandidat gegen US-Präsident Trump anzutreten.

Howard Schultz, ehemaliger Chef der Kaffeekette Starbucks
REUTERS

Howard Schultz, ehemaliger Chef der Kaffeekette Starbucks


Er leitete die Kaffeehauskette Starbucks länger als zwei Jahrzehnte, jetzt stellt er sein neues Buch vor - und fühlt sich offenbar zum höchsten Amt der USA berufen: Howard Schultz, 65, ehemaliger CEO des Kaffeerösters hat erklärt, als unabhängiger Kandidat in den Wahlkampf um die Präsidentschaft im kommenden Jahr einzusteigen.

Vor einer Woche hatte der Sender CNN das Gerücht vermeldet, nun sagte Schultz in der Sendung "60 Minutes": "Ich denke ernsthaft darüber nach, mich zu bewerben. Ich werde als unabhängiger Zentrumskandidat antreten, außerhalb des Parteiensystems."

Howard sagte weiter, die USA lebten in "fragilen Zeiten", US-Präsident Donald Trump sei "nicht qualifiziert, um Präsident zu sein". Er sei sein Leben lang Demokrat gewesen, aber weder die demokratische Partei noch die Republikaner täten das, "was für die Amerikaner nötig ist". Die großen Parteien seien vielmehr täglich beschäftigt "mit einer Politik des gegenseitigen Rachenehmens". Angesichts einer Staatsverschuldung von 21,5 Billionen Dollar würden beide großen Parteien "ihrer verfassungsmäßigen Verantwortung nicht gerecht".

Trumps "größte Hoffnung auf eine Wiederwahl"

Bei US-Demokraten sorgt Schultz' Wille zu einer unabhängigen Kandidatur für Anflüge von Panik. Julian Castro, Bewerber um die Nominierung der Demokraten und früher Minister für Wohnungsbau, sagte CNN, wenn Schultz wirklich als Unabhängiger antrete, bedeute das für Trump "dessen größte Hoffnung auf eine Wiederwahl". Auch David Axelrod, Berater von Ex-Präsident Barack Obama, und die Washingtoner Demokratenvorsitzende Tina Podlowski warnten Schultz vor einer unabhängigen Kandidatur.

Auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, dass er die Demokraten Stimmen kosten und damit Trump zu einer zweiten Amtszeit verhelfen könnte, sagte Schultz bei "60 Minutes": "Ich will die Amerikaner gewinnen sehen, ich will die USA gewinnen sehen." Er werde ein unabhängiger Kandidat sein, der die besten Ideen umsetzen werde. Sein Vorteil sei, dass er keiner der beiden Parteien etwas schulde.

Schultz 2011 im SPIEGEL: "Wir haben eine echte Führungskrise"

In den vergangenen Wahlkämpfen hatte Schultz die Demokraten Obama und die Bewerberin Hillary Clinton intensiv unterstützt. Als Chef der Kaffeekette Starbucks hatte er seine liberale Weltsicht auch immer wieder zum Gegenstand seiner Firmenpolitik gemacht. So verbannte er nach dem Sandy-Hook-Massaker an einer Grundschule Waffen aus den Starbucks-Läden. 2015 ermutigte er seine Kaffeeverkäufer, "Race together" auf die Becher in den Starbucks-Filialen zu schreiben.

Howard Schultz vor einer Starbucks-Filiale in Paris, 2004
DPA

Howard Schultz vor einer Starbucks-Filiale in Paris, 2004

Dass er selbst politische Ambitionen hegt, sagte er bereits bei seinem Abschied von Starbucks im Sommer 2018. Schon 2011 hatte er in einem SPIEGEL-Interview erläutert: "Wir haben eine echte Führungskrise. Den Politikern beider Parteien ist Ideologie wichtiger als das Wohlergehen der Bürger. Dadurch verspielen sie das Vertrauen und den Kredit, den die USA in der Welt genießen." Am Montag erscheint sein Buch "From the Ground Up: A Journey to Reimagine the Promise of America".

cht/dpa/AP

insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
erzengel1987 28.01.2019
1. mh
Ich bin vorsichtig, der Artikel ist hier in dem Fall sehr positiv geschrieben. Aber es ist ein Unternehmer, der wohl eher an sich denken wird. Aber im ernst wieso soll er nicht Kandidieren das ist absolut unlogisch, dass durch seine Kandidatur Trump gewinnt. Wenn Trump tatsächlich eine zweite Amtszeit erhält, dann haben die USA wirklich ein ernstes Problem.
tmhamacher1 28.01.2019
2. Na super!!!!
Jetzt haben wir nach Ralph Nader und Bernie Sanders den dritten liberalen Politiker gefunden, der die Sache der Konservativen und Verrückten betreiben wird.
wiesenflitzer 28.01.2019
3. Na endlich mal einer, der versucht
dieses öde und starre "Zwei-Parteien-System" aufzuknacken. Das könnte in der Tat richtig spannend werden. Die Ängste der Demokraten sind nachvollziehbar. Diejenigen, die Trump wählen, tun dies wohl auch nach der tausendsten trumplüge noch; eher sind es die "etwas demokratischeren Demokraten-Wähler", die ihre Stimme jemand anderes geben würden. Aber der wichtigste Satz, den ich hier gelesen habe lautete: Die Politiker hängen nur noch ihren Ideologien nach, und tun wenig für ihre Bürger. Nun, dass lässt sich zu hundert Prozent wohl auch auf Deutschland übertragen.
s.l.bln 28.01.2019
4. Tatsächlich ...
...könnte das Trumps Rettungsanker sein. Seine 35% Sekte hält zu ihm, bis in den Untergang, aber die Wechselwähler, die ihn letztes mal in einem Anflug von Risikobereitschaft unterstützt haben, hat er vergrault. Vermutlich hätten die meisten von Ihnen mangels Alternative jetzt zähneknirschend die Demokraten gewählt und nun tritt Schultz auf den Plan, der genau deren Gefühl bewirtschaftet, daß die Politik in Washington nur noch um sich selbst kreist. Zusätzlich ist er wesentlich seriöser als Trump, wenngleich seine Botschaft die gleiche ist: in Amerika stimmt etwas nicht mehr und ich kann das beheben. Das reicht weder, um Trumps Basis abzuwerben, noch um links von der (US) Mitte groß durchzustarten. Als unabhängiger Kandidat hat er keine Chance auf das Amt, kann den Demokraten die von Trump vertriebenen Wechselwähler aber wieder abjagen, wenn die es nicht schaffen, einen wirklich starken Kandidaten zu küren. Mit etwas Verantwortungsbewußtsein, würde er das lassen, aber auch hier wird das Ego wieder größer sein als das Interesse am Land.
s.l.bln 28.01.2019
5. Im Gegenteil...
Zitat von erzengel1987Ich bin vorsichtig, der Artikel ist hier in dem Fall sehr positiv geschrieben. Aber es ist ein Unternehmer, der wohl eher an sich denken wird. Aber im ernst wieso soll er nicht Kandidieren das ist absolut unlogisch, dass durch seine Kandidatur Trump gewinnt. Wenn Trump tatsächlich eine zweite Amtszeit erhält, dann haben die USA wirklich ein ernstes Problem.
...das ist sogar komplett logisch. Der rechte und linke mainstream der USA wählt keinen Präsidenten ohne Partei, von dem klar ist, daß er während der gesamten Amtszeit immer beide Kammern gegen sich hat. Was soll dabei rauskommen? Wer würde den also wählen: Die Protest und Wechselwähler. Ohne die haben die Demokraten aber zumindest aktuell nicht genug Stimmen, um gegen Trumps 35 % Fanbase anzukommen. In dem Fall wär seine Strategie komplett aufgegangen, auf die Bevölkerungsmehrheit zu defäkieren und sich nur um seine Jünger zu bemühen.
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