Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kriegsschiff-Deal: Putin plant die Aufrüstung zur See - mit Frankreichs Hilfe

Von

  Schiff der Mistral-Klasse: Aufrüstung zur See  Zur Großansicht
AFP

Schiff der Mistral-Klasse: Aufrüstung zur See

Russland kauft zwei moderne Kampfschiffe aus Frankreich, auf der gerade erst annektierten Krim werden Häfen ausgebaut. Präsident Wladimir Putin will sein Land zur größten Seemacht nach den USA machen.

Berlin - Am 22. Juni sollen über 400 russische Marinesoldaten im französischen Hafen Saint-Nazaire eintreffen. Sie werden dort monatelang auf einem hochmodernen Kriegsschiff der Mistral-Klasse trainiert. Moskau hat zwei Exemplare dieses Typs bestellt.

Mistral-Schiffe dienen dazu, von See aus Invasionen zu unterstützen: Sie sind so groß wie zwei Fußballfelder und können ein Dutzend Panzer, Kampfhelikopter und Hunderte Soldaten transportieren. Bisher hatte Russland solch ein Schiff nicht. Das ist ein Grund, so meinen Militärstrategen, warum es die Armee im Sommer 2008 nicht schaffte, das kleine Georgien komplett zu überrennen. Ein paar Monate nach dem Konflikt ging die Mistral-Bestellung aus Moskau in Paris ein.

Nun - mitten in der Ukraine-Krise - steht das erste Schiff kurz vor der Übergabe, im Oktober soll es so weit sein. Heftig kritisieren Washington, London und Warschau Frankreich für diesen Waffendeal im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro. Paris jedoch argumentiert: Man erfülle eine bestehende Vereinbarung, an der rund tausend Arbeitsplätze hingen. Bislang gebe es keine Sanktionen, die der Lieferung des ersten Schiffes entgegenstünden, heißt es. "Wir erfüllen den Vertrag, und das ist völlig legal", sagt Präsident François Hollande.

Das Abkommen zwischen Paris und Moskau sieht vor, dass die staatliche französische Marinewerft DCNS gemeinsam mit dem Unternehmen STX France die zwei Hubschrauberträger für Russland baut. Nach Informationen der russischen Agentur Interfax beträgt der Stückpreis für die ohne Waffen gelieferten Schiffe "unter 600 Millionen Euro".

Putin will mehr Seemacht

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sogar noch weitere Bestellungen in Aussicht gestellt. Seine Vision von der neuen alten Weltmacht Russland sieht vor, bis 2030 die zweitmächtigste Marine aufzubauen, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti. Ein Viertel der geplanten Rüstungsausgaben soll in neue Schiffe investiert werden.

"Putin will Russlands Einfluss in der Welt wieder spürbar machen. Seemacht ist ein kostengünstiger Weg dafür", sagt Lee Willet, Marine-Analyst beim militärwissenschaftlichen britischen Fachverlag IHS Jane SPIEGEL ONLINE.

Auch die Annexion der Halbinsel Krim im März passt zu Putins maritimen Ambitionen. Denn solange die Krim noch ukrainisch war, durfte Russland den Hafen Sewastopol zwar nutzen, dort aber keine neuen Schiffe stationieren. So legte es ein Vertrag zwischen Moskau und Kiew fest. Die Folge: Die Schwarzmeer-Flotte verrostete. Michail Barabanow vom russischen Think-Tank Center for Analysis of Strategies and Technologies beschrieb sie jüngst als "eine Sammlung antiker Fahrzeuge mit der Technologie von 1991".

Nun macht sich Putin daran, die Schwarzmeer-Flotte zu modernisieren: Nur Tage nach der Annexion erklärte er sämtliche Beschränkungen des ukrainisch-russischen Vertrages für nichtig. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums soll der Militärstützpunkt Sewastopol für über zwei Millionen Euro ausgebaut werden, dort die neuesten U-Boote stationiert und bis 2019 die Zahl der Soldaten von 12.500 Soldaten auf 40.000 erhöht werden.

Abkürzung ins Mittelmeer

Die Schwarzmeer-Flotte wird Russlands strategisches Gewicht im Mittelmeer erhöhen. Wenn Moskau bisher Schiffe in dieses Seegebiet verlegen wollte, mussten die sich von der Ostsee aus auf den Weg machen. "Wir wollen eine Präsenz im Mittelmeer", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow 2013 in einem Interview mit der russischen Zeitung "Rossiyskaya Gazeta". "Es ist für Russland wichtig, seine Position in der Welt zu verbessern."

Es war ein Hafen in der heutigen Ukraine, von dem aus die sowjetischen Schiffe ablegte, die 1962 Nuklearraketen nach Kuba bringen sollten - und damit beinahe einen neuen Weltkrieg auslösten. Heute können von diesem Hafen ausdie russischen Waffenlieferungen an Russlands syrischen Verbündeten Baschar al-Assad verschifft werden.

Das syrische Tartus ist derzeit Moskaus einziger Übersee-Stützpunkt außerhalb von Russlands traditioneller Einflusssphäre. Mit aller Macht hält Putin daran fest. Als die USA Assad im Sommer 2013 mit Luftschlägen drohten, kreuzten plötzlich zehn russische Kriegsschiffe im Mittelmeer. Washington nahm die Drohung wieder zurück, es kam zu einem russisch-amerikanischen Kompromiss.

Mit Material von dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. War es nicht Lenin
phaenologos 05.06.2014
Zitat von sysopAFPRussland kauft zwei moderne Kampfschiffe aus Frankreich, auf der gerade erst annektierten Krim werden Häfen ausgebaut. Präsident Wladimir Putin will sein Land zur größten Seemacht nach den USA machen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hubschraubertraeger-fuer-russland-frankreich-liefert-putin-schiffe-a-962441.html
der einmal feststellte, dass die Kapitalisten so dumm seien, sogar die Nägel zu ihrem Sarg und so gierig die Stricke für ihren Galgen ihren Henkern zu verkaufen. Warum sollte Russland auch nicht so handeln? Kapitalistische Länder machen das genau so.
2. Das zeigt ja deutlich,
Lankoron 05.06.2014
wie weit Sanktionen gehen dürfen....bis 5cm vor die nationale Brieftasche. "Keine Lieferung neuer Militärtechnologie an Russland"...heisst das nun, Landungsschiffe ja, PC-Spiele nein?
3. Die dummen Deutschen
ossian 05.06.2014
Die USA kaufen nach wie vor Russiche Raketentriebwerke für Ihre Militärraketen. Die Franzosen verkaufen Ihre Schiffe. Nur die dämlichen Deutschen sollen auf das günstige russiche Gas verzichten und überteuertes Gas aus Norwegen und den USA beziehen. Geht's noch
4. Würden die Amis ja
flanker01 05.06.2014
auch nie machen, einfach so irgendwem Waffen verkaufen, nicht mal dem Iran nach der Geiselnahme, danke Oli.
5.
Wolfgang Probstmeier 05.06.2014
Wir sollten endlich aufhören Gas und Erdöl aus Russland zu beziehen! Der 1,65m Mann Putin wird mit dem Geld sonst nur eine gigantische Aufrüstung betreiben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite


Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ukraine-Reiseseite

Fotostrecke
Nato in Osteuropa: Angst vor dem "Raubtier"


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: