Bericht von Human Rights Watch Gaddafi-Gegner prangern Folter durch CIA an

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und ehemalige libysche Gefangene erheben schwere Vorwürfe gegen die USA: Die damalige Bush-Regierung soll Inhaftierte gefoltert haben - sogar Waterboarding soll eingesetzt worden sein. Anschließend wurden die Männer an Tripolis ausgeliefert.

Das Abu-Salim-Gefängnis: Hier ließ Gaddafi seine Gegner foltern
AP

Das Abu-Salim-Gefängnis: Hier ließ Gaddafi seine Gegner foltern


Washington/Tripolis - Die Zusammenarbeit zwischen der Bush-Regierung und dem Regime von Muammar al-Gaddafi war enger als bisher bekannt. Wie aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervorgeht, hat die CIA unter dem ehemaligen Präsidenten George W. Bush libysche Regime-Gegner systematisch foltern lassen. Dabei wurde bei einem Gefangenen das Waterboarding angewandt, das simulierte Ertrinken des Verhörten - eine besonders grausame Foltermethode. Ein weiterer Inhaftierter schildert in dem Rapport eine ähnliche Foltermethode mit Wasser.

Diese Darstellung widerspricht bisherigen Angaben der CIA, nach denen nur bei drei Männern in US-Gewahrsam die Waterboarding-Methode eingesetzt wurde. "Die USA haben Gaddafi seine Gegner nicht nur auf dem Silbertablett serviert", heißt es in dem HRW-Bericht, "sondern es scheint auch so, dass die CIA viele von ihnen vorher gefoltert hat". Das Ausmaß von Foltermethoden unter Bushs Führung sei größer als angenommen. Die Menschenrechtler fordern deshalb nun eine umfassende Untersuchung.

154 Seiten ist ihr Rapport lang, er trägt den Titel "In die Hände des Feindes ausgeliefert". Human Rights Watch stützt sich darin auf Interviews mit 14 ehemaligen Gefangenen in Libyen, die zum Großteil der radikalen Organisation Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) angehörten. Einige sollen auch Kontakt zum Terrornetzwerk al-Qaida gehabt haben. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 spürten US-Behörden in mehreren Ländern Kämpfer der Gruppe auf und setzten sie fest.

Human Rights Watch bezieht sich aber auch auf Unterlagen, die im Büro des früheren libyschen Geheimdienstchefs Mussa Kussa gefunden wurden. Diese Papiere sollen von der CIA und dem MI6 stammen und genaue Absprachen zwischen dem US-amerikanischen und britischen Geheimdienst mit dem Gaddafi-Regime belegen.

Mindestens fünf der mittlerweile freigelassenen Islamisten erzählen nach Angaben von Human Rights Watch von Folter in zwei mutmaßlich von den USA betriebenen Haftanstalten in Afghanistan. Die Inhaftierten sollen in stockdunklen, fensterlosen Zellen über Wochen oder Monate nackt, manchmal auch in Windeln, an Wände gekettet, über lange Zeiträume in schmerzhafte Stresshaltungen auf engstem Raum gezwungen worden sein. Die Gefangenen sollen verprügelt und gegen die Wand geschleudert und fast fünf Monate lang eingesperrt worden sein, ohne sich waschen zu können. Außerdem sollen sie immer wieder durch sehr laute Musik am Schlafen gehindert worden sein.

Der HRW-Bericht schildert ausführlich den Fall von Mohammed Shoroeiya, der angeblich im April 2003 in Pakistan festgenommen und in ein US-Gefängnis in Afghanistan gebracht wurde, bevor er dann nach Libyen ausgeliefert wurde. Er erzählt sehr detailliert, wie er gefoltert worden sei. Zu Beispiel sei ihm eine Haube auf den Kopf gesetzt und er auf ein Holzbrett geschnallt worden. Dann sei ihm immer wieder Wasser über sein Gesicht gegossen worden - "bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich das Gefühl hatte zu ersticken". Shoroeiya berichtet, er sei zwischendurch befragt worden. "Sie sagten, sie würden nicht aufhören, bis sie nicht irgendeine Art von Antwort von mir bekommen."

Auch Khalid al-Sharif berichtet von seinen Misshandlungen. Er war nach eigenen Angaben zwei Jahre lang in zwei verschiedenen, wahrscheinlich von der CIA betriebenen, US-Haftzentren in Afghanistan inhaftiert. "Zunächst wurde ich drei Monate lang intensiv verhört und jeden Tag war eine andere Foltermethode dran. Mal verwendeten sie Wasser, mal nicht (… ) Mal zogen sie mich nackt aus, mal konnte ich meine Kleidung anbehalten", so al-Sharif.

Nach dem Ende der Gaddafi-Ära wurden er und zahlreiche Islamisten freigelassen. Heute ist al-Sharif Chef der libyschen Nationalgarde. Er ist unter anderem für die Sicherheit in Hafteinrichtungen zuständig. Seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes hätten US-Diplomaten und Kongressmitglieder einige der ehemaligen, jetzt in Libyen lebenden Gefangenen der CIA getroffen, berichtete HRW.

Neben den USA und Großbritannien sollen auch andere Staaten in die Vorgänge involviert gewesen sein, unter anderem China und die Niederlande. Die Mitwirkung vieler Länder bei der Misshandlung von Gaddafis Feinden lege die Vermutung nahe, sagte Laura Pitter, HRW-Terrorismusexpertin und Autorin des Berichts, dass der Einfluss des US-Haft- und Verhörprogramms weit größer war als bisher bekannt.

US-Präsident Barack Obama hatte die Anwendung von Waterboarding bei seinem Amtsantritt als Folter bezeichnet und abgeschafft. Die Bush-Regierung hatte die Methode zuvor als notwendig verteidigt, um geplante Anschläge zu verhindern.

heb

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
herr_kowalski 06.09.2012
1. So eine Überraschung aber auch.
Zitat von sysopAPDie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und ehemalige libysche Gefangene erheben schwere Vorwürfe: Die Bush-Regierung soll die Inhaftierten gefoltert haben - sogar Waterboarding soll eingesetzt worden sein. Anschließend wurden die Männer an Tripolis ausgeliefert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854265,00.html
Wer hätte das von den freiheitsliebenden Superdemokraten und Heilsbringern erwartet. Das kann ich fast nicht glauben.........
HeisseLuft 06.09.2012
2.
Zitat von sysopAPDie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und ehemalige libysche Gefangene erheben schwere Vorwürfe: Die Bush-Regierung soll die Inhaftierten gefoltert haben - sogar Waterboarding soll eingesetzt worden sein. Anschließend wurden die Männer an Tripolis ausgeliefert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854265,00.html
Das ist alles völlig undenkbar und unglaubwürdig. Unsere Freunde von der "WirSindKeineGaddafiFansUndHierGibtEsAuchKeine", welche sich bekanntlich mindestens in Teilen mit der Gruppe "WirSindKeineAssadFansUndHierGibtEsAuchKeine" überschneidet, wird uns auch bestätigen können warum das so ist: 1) HRW ist eine proamerikanische Organisation, im Syrienkonflikt eindeutig parteisch. Also ist undenkbar, dass sie die USA kritisiert. 2) Gaddafi ist, pardon, war eine der Lichtgestalten im Kampf gegen den US-Imperialismus. Also undenkbar, dass er in dieser Weise mit den Amis zusammengearbeitet hat. Wer hier Ironie oder gar Sarkasmus nachweist: mir seine Adresse schicken, er bekommt zu Belohnung ein MickyMausKlebebildchen.
udolf 06.09.2012
3. optional
Obama hat das Foltern durch US Angehörige auf US Boden verboten. Das inhaftieren in Länder die Foltern und dann für die USA Folter ist weiterhin erlaubt
DasBrot 06.09.2012
4. OMG, die armen....
Zitat von sysopAPDie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und ehemalige libysche Gefangene erheben schwere Vorwürfe: Die Bush-Regierung soll die Inhaftierten gefoltert haben - sogar Waterboarding soll eingesetzt worden sein. Anschließend wurden die Männer an Tripolis ausgeliefert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854265,00.html
...Terroristen. Was sind das nur für Waschlappen geworden. Weinen über schlechte Behandlung. Ihr seid so peinlich.
sgritheall 06.09.2012
5. Regierung oder Regime?
Wieso heisst es Gaddafi-Regime aber nicht Bush-Regime?
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