Humanitäre Katastrophe Jeder dritte Iraker benötigt dringend Hilfe

Kein Wasser, keine Nahrung, keine sanitären Einrichtungen: Die humanitäre Krise im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Acht Millionen Menschen sind dringend auf Notfallhilfe angewiesen, vier Millionen sind bereits geflohen oder vertrieben worden.


Hamburg – Schon vor Beginn des Irak-Krieges 2003 war die Wasserversorgung im Land schlecht - so katastrophal wie heute war sie dennoch nicht: Damals war nur jeder zweite Iraker von der Versorgung mit Wasser abgeschnitten, heute sind es 70 Prozent der Menschen in dem Land mit 26,5 Millionen Einwohnern. Das geht aus einem in London veröffentlichen Bericht der Hilfsorganisation Oxfam hervor. Auch die Situation der Kinder hat sich demnach verschlechtert: Während vor dem Einmarsch der USA 19 Prozent der Kinder unterernährt waren, sind es inzwischen 28 Prozent.

Vertriebene Irakerin: Die Situation der Menschen im Land hat sich dramatisch verschlechtert
DPA

Vertriebene Irakerin: Die Situation der Menschen im Land hat sich dramatisch verschlechtert

Etwa vier Millionen Menschen im Land werden nur unregelmäßig mit Lebensmitteln versorgt, nur jeder Fünfte hat Zugang zu sanitären Einrichtungen. Insgesamt benötigen acht Millionen Menschen im Irak dringend Notfallhilfe. Oxfam und das Coordination Committee in Iraq (NCCI), das an der Erstellung des Papiers beteiligt ist, forderten die irakische Regierung und die Geberländer auf, den "täglichen Überlebenskampf" der Menschen im Irak stärker zu unterstützen.

"Die irakische Regierung, die Uno und die internationale Gemeinschaft können trotz der schrecklichen Gewalt mehr für die Bedürfnisse der Menschen tun", sagte Jeremy Hobbs, Direktor von Oxfam International. Es sei unter anderem wichtig, dass die Spenden richtig eingesetzt würden.

Abwanderung der Führungskräfte

Die Probleme im Land werden durch massive Flüchtlingsbewegungen verschärft: Zwei Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, ebenso viele haben den Irak verlassen. 1,4 Millionen irakische Flüchtlinge halten sich derzeit im benachbarten Syrien auf, 750.000 in Jordanien.

Die syrische Regierung warf den USA vor, sie leiste zu wenig Hilfe für irakische Flüchtlinge. Zum Auftakt einer zweitägigen Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Damaskus sagte Gesundheitsminister Maher Hussami: "Das Land, das den Irak besetzt und das hinter der schwierigen Situation steckt, trägt nicht dazu bei, Abhilfe zu schaffen."

Die Abwanderung von Fachleuten drohe die Versorgungsnot zu verschärfen, heißt es in dem Oxfam-Bericht. "Tausende Menschen, medizinisches Personal, Lehrer und Wasseringenieure mussten das Land verlassen." Im vergangenen Jahr seien schätzungsweise 40 Prozent aller Führungskräfte aus dem Land geflohen.

han/dpa/AP/AFP



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