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Wut über Mohammed-Film: Islamisten attackieren US-Vertretungen in Kairo und Benghasi

Islamisten haben versucht, die US-Botschaft in Kairo zu stürmen. Im libyschen Benghasi setzten Demonstranten das US-Konsulat in Brand - dabei kam ein Amerikaner ums Leben. Die Proteste richteten sich gegen einen Film, in dem angeblich der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

US-Konsulat in Benghazi: Gestürmt und angezündet Zur Großansicht
REUTERS

US-Konsulat in Benghazi: Gestürmt und angezündet

Kairo - Mit Schildern und schwarzen Fahnen haben sie sich vor die US-Botschaft in Kairo gedrängt. Hunderte aufgebrachte Islamisten skandierten und stürmten am Dienstagabend auf die amerikanische Vertretung zu. Ihr Unmut richtete sich gegen einen Film, in dem ihrer Meinung nach der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

Der Film wurde von einem koptischen Christen produziert, der in den USA lebt. Nach Angaben ägyptischer Medien zeigt der Film, von dem Ausschnitte im Internet bei YouTube zu sehen sind, den Propheten beim Sex und zweifelt seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort an.

Auch im libyschen Benghasi kam es wegen des Films zu Unruhen. Dort haben bewaffnete Männer das US-Konsulat gestürmt und es angezündet. Dabei wurde nach Mitteilung von Außenministerin Hillary Clinton ein US-Amerikaner getötet. Ein weiterer US-Bürger sei an der Hand verletzt worden, sagte der libysche Vize-Innenminister Wanis al-Scharef der Agentur. Zunächst hatte ein Sprecher gesagt, in dem Gebäude hätte sich niemand aufgehalten. Alle weiteren Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung seien in Sicherheit gebracht worden.

In Kairo gelang es einigen Demonstranten, die Mauern der Botschaft zu erklettern und die US-Flagge herunterzureißen. Botschaftssprecher hatten zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt.

Die Sicherheitsabsperrungen auf den Straßen rund um die US-Botschaft waren erst kürzlich entfernt worden, nachdem örtliche Händler dies vor Gericht durchgesetzt hatten. Die ägyptischen Behörden mussten zusätzliche Sicherheitskräfte schicken, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten.

In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen". Nuland rief außerdem dazu auf, aus dem Vorfall keine Rückschlüsse auf das amerikanisch-ägyptische Verhältnis zu ziehen. Es seien generell Fortschritte bei Kontakten zur zivilen Gesellschaft erzielt worden.

Erst Ende August hatte ein ägyptischer Extremist die deutsche Botschaft in Kairo angegriffen und vor dem Gebäude mit einer Spielzeugpistole um sich geschossen.

Vor einem Jahr hatten Demonstranten die israelische Botschaft in Kairo gestürmt und die Fahne Israels vom Botschaftsgebäude entfernt. Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei starben damals vier Menschen.

kha/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
c++ 11.09.2012
Zitat von sysopDPAWütende Islamisten haben versucht, die US-Botschaft in Kairo zu stürmen. Sie demonstrierten gegen einen Film, in dem angeblich der Prophet Mohammed verunglimpft wird. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855266,00.html
Man vergleiche diese Entwicklung mal mit den Berichten über den "arabischen Frühling" und die Kommentare, mit denen Journalisten und Politiker diesen neuen "arabischen Frühling" begrüsst haben. Es scheint, Ägypten bewegt sich alles andere als in Richtung Aufklärung und Freiheit.
2. Tja
Stelzi 11.09.2012
Zitat von c++Man vergleiche diese Entwicklung mal mit den Berichten über den "arabischen Frühling" und die Kommentare, mit denen Journalisten und Politiker diesen neuen "arabischen Frühling" begrüsst haben. Es scheint, Ägypten bewegt sich alles andere als in Richtung Aufklärung und Freiheit.
Wäre Mubarak noch am Drücker, wäre die Hälfte dieser Islamisten natürlich noch in seinen Folterkerkern eingesperrt und die andere Hälfte hätte es nicht mal zur Botschaft geschaft bevor sie niedergeknüpelt und zur anderen Hälfte gesperrt worden wären. Wie mans macht ist es falsch, gelle? Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass diese Religion das Problem ist, weil sie offenbar aggressive Gewalt als Folge rückständiger Auslegung irgendwelcher Schriften hervor bringt...
3.
Atheist_Crusader 11.09.2012
Ich will gar nicht wissen, wie viele von diesen dummen, blökenden Schafen den Film überhaupt gesehen haben. Wahrscheinlich ähnlich viele wie Submission gesehen, oder die Satanischen Verse gelesen oder die Mohammed-Karikaturen gesehen haben. Die ägyptische Regierung sollte mal zusehen, dass sie beweist, dass sie ausländische Botschaften schützen kann. Mit dem Vorfall in der britischen Botschaft im letzten Jahr zusammen ergbit das kein allzu tolles Bild.
4. Wunderts noch wen?
silberwolf 11.09.2012
Alle paar Tage immer wieder Berichte von irgendwelchen religiös-fanatischen Schwachsinnigen... @Stelzi: Das Problem ist nicht DIESE eine bestimmte Religion, sondern das, was so manche Menschen mit einer Religion machen. So, wie es im Jahr 2012 in diversen arabischen Ländern in Bezug auf die Religion aussieht, sah es in Europa vor ca. 300 Jahren aus. Ob Christentum oder Islam oder Judentum ist doch völlig irrelevant. Vielleicht sind die Fanatiker in der Gegend in 100 Jahren ja mal weiterentwickelt. (Das klingt zwar arrogant, aber irgendwann kann man den Unsinn nicht mehr ernsthaft kommentieren)
5.
querulant_99 11.09.2012
Zitat von Atheist_CrusaderIch will gar nicht wissen, wie viele von diesen dummen, blökenden Schafen den Film überhaupt gesehen haben. Wahrscheinlich ähnlich viele wie Submission gesehen, oder die Satanischen Verse gelesen oder die Mohammed-Karikaturen gesehen haben. Die ägyptische Regierung sollte mal zusehen, dass sie beweist, dass sie ausländische Botschaften schützen kann. Mit dem Vorfall in der britischen Botschaft im letzten Jahr zusammen ergbit das kein allzu tolles Bild.
Warum sollte es in Ägypten besser laufen aus hier in Deutschland. Wie viele von denen, die Sarrazin verteufeln, haben auch nur eine Seite seiner Bücher gelesen? Es reicht doch vollkommen aus, wenn man etwas vom Hörensagen kennt.
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