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Hungersnot: Uno-Luftbrücke nach Somalia soll schnell starten

"Die Zeit läuft uns davon" - so schildern Hilfsorganisationen die Situation am Horn von Afrika. Die Uno will jetzt schnell Flugzeuge mit dringend benötigten Lebensmitteln in die Hungergebiete schicken: Tonnen energiereicher Nahrung stehen bereit. Die Schabab-Miliz hat Widerstand angekündigt.

Hunger in Ostafrika: Warten auf die Luftbrücke Fotos
AFP

Addis Abeba/Nairobi - Am Dienstag, spätestens am Mittwoch soll die Rettung aus der Luft endlich losgehen. Für viele werden die Flugzeuge mit Lebensmitteln zu spät kommen, für andere Hungernde sind sie die letzte Hoffnung. Das Welternährungsprogramm der Uno (WFP) trifft derzeit die letzten Vorbereitungen für die Luftbrücke für Hungernde in der somalischen Hauptstadt Mogadischu, im Osten Äthiopiens und im Norden Kenias.

14 Tonnen energiereicher Nahrungsmittel sollen per Flugzeug vom kenianischen Nairobi aus nach Mogadischu gebracht werden. Die Hilfe steht bereit - doch noch verzögern bürokratische Hürden sowohl in Kenia als auch in Somalia den Abflug, sagte eine Sprecherin des WFP in Rom SPIEGEL ONLINE.

Dabei ist die Hilfe so dringend nötig: "Die Zeit läuft uns davon", sagte eine Mitarbeiterin von "Save the Children" der BBC in Somalia. "Bisher hat die internationale Gemeinschaft zu viel geredet und zu wenig gehandelt." Erst am Montag hatte die Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zu einem Krisentreffen in Rom eingeladen, zu dem Vertreter aus 190 Staaten, von Hilfsorganisationen und regionalen Entwicklungsbanken kamen.

Deutschland hatte sein finanzielles Engagement für die Region zuletzt auf insgesamt 30 Millionen Euro aufgestockt.

Die Lebensmittellieferungen bestehen vor allem aus mit Vitaminen und Mineralien angereicherten Spezialprodukten, die besonders für an Unterernährung leidende Kinder geeignet sind, hieß es. Sie sollen von vor Ort tätigen Nichtregierungsorganisationen und örtlichen Ausschüssen an die hungernde Bevölkerung verteilt werden.

Mehr als zwei Millionen Kinder mangelernährt

Die Luftbrücke ist notwendig, da internationale Organisationen im von Anarchie und Gewalt geprägten Somalia große Schwierigkeiten haben, den Menschen zu helfen. Die radikalislamische Schabab-Miliz verwehrt den NGO-Mitarbeitern den Zugang zu den Menschen, sie hat Widerstand gegen internationale Hilfslieferungen angekündigt.

Besonders schlimm sind die Kinder von der Hungerkatastrophe betroffen: Nach Uno-Angaben sind in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits über 2,3 Millionen Kinder akut mangelernährt.

Die Uno hatte vor knapp einer Woche für Teile Somalias offiziell eine Hungersnot erklärt. 3,7 Millionen Menschen sind dort von der Hungerkrise bedroht. Allein in diesem Monat flüchteten rund 40.000 Somalier in die Hauptstadt Mogadischu. Etwa 30.000 weitere Hungernde seien in Flüchtlingslagern rund um die Hauptstadt eingetroffen, sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf.

Täglich passieren zudem etwa 3500 Menschen die Grenzen zu Kenia und Äthiopien, teilte das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Im Laufe der schweren Hungersnot am Horn von Afrika verließen demnach bereits rund 740.000 Somalier ihr Land.

Nach Angaben von Uno-Vertretern in Rom spendete die Weltgemeinschaft seit einem ersten Hilfsappell im November 2010 rund eine Milliarde Dollar. Bis zum Jahresende werde aber noch eine weitere Milliarde gebraucht.

Wer Spenden möchte, sollte den Spendenzweck möglichst weit fassen. "Dürre in Ostafrika" sei beispielsweise besser als "Dürre in Somalia", sagt Wolfgang Stückemann vom Deutschen Spendenrat in Berlin. So könnten die Organisationen die Gelder auch außerhalb von Somalia einsetzen. Wenn die Hilfe dort wegen der politisch unsicheren Lage nicht möglich ist, könnten die Hilfswerke die Spenden im benachbarten Kenia oder Äthiopien nutzen.

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lgr/kgp/amz/dpa/AFP

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1. "Die Schabab-Miliz hat Widerstand angekündigt."
alex3004 26.07.2011
2 Mio. hungernde und leidende Kinder sind wirklich nur schwer zu ertragen. Um so wichtiger, dass die Hilftransporte auch ihr Ziel erreichen. Wieso denkt eigentlich niemand darüber nach, die Hilfstransporte zu schützen/ abzusichern um damit sicher zu stellen, dass die Hilfe wirklich dort ankommt wo sie gebraucht wird? Mit einer schlagkräftigen, westlich geführten "Sicherungstruppe" wären die Milizen sicherlich nicht in der Lage, den Zugang zur Bevölkerung zu behindern. Wer macht den Anfang, wer ergreift hier die Initiative? Offensichtlich keiner....
2. mal kräftig in den Hintern treten
eastbayray 26.07.2011
"Die Schabab-Miliz hat Widerstand angekündigt." - dann muß man diesen verblendeten Fanatikern eben mal kräftig in den Hintern treten.
3. Der nächste Kriegsschauplatz
archie, 26.07.2011
Zitat von eastbayray"Die Schabab-Miliz hat Widerstand angekündigt." - dann muß man diesen verblendeten Fanatikern eben mal kräftig in den Hintern treten.
Das wäre doch was für unsere neue Freiwilligen-Armee. Spätestens wenn die Afg-Mission beendet ist, wird sowieso eine neue Aufgabe für unser Soldatinnen und Soldaten benötigt.
4. Warum ist uns Afrika egal?
theprestige86 26.07.2011
Vor kurzem wurde Griechenland ein weiteres Mal mit zig Milliarden beigestanden. Daran ist an sich nichts Verwerfliches, wir sind eine europäische Gemeinschaft und es ist im Interesse des Bevölkerungsgroßteils, dass wir dies auch bleiben. Warum aber wird Griechenland mit einem Paket geholfen, dessen Wirkung zweifelhaft ist? Warum werden zig Steuermilliarden in die kurzfristige Bonität eines Landes investiert, statt ihm mit einer langfristigen Umschuldung oder einem wirklich weitreichenden Hilfspaket zur Seite zu stehen? Ist die Politik wirklich so Unentschieden statt nachhaltig? Vor allem unsere Deutsche? Ganz fatal wird dieser Eindruck, wenn man sich die schwelende Katastrophe in Ostafrika betrachtet. Im Kontext dieser Entwicklung wirken die verschleuderten Milliarden nicht nur wie ein Hohn vor Europa und Griechenland, sie tragen auch eine fatale Doppelmoral und ein Menschlichkeitsdefizit in der westlichen Demokratie zutage. Wenn Ban-Ki Moon in einem leidenschaftlichen Artikel in der Süddeutschen um 600-700 Millionen (nicht Milliarden) bittet, die zumindest für einige Monate die Leben von Millionen Menschen sichern würden, stellt man sich als Humanist die Frage nach dem Maß, dass an die Dinge angelegt wird. Die westlichen Demokratien waren lediglich bereit die Hälfte der benötigten 1,5 - 2 Milliarden zur Verfügung zu stellen. Griechenland bekommt in einem Schnellverfahren zig Milliarden zugeschrieben. Und es waren nicht die Ersten. Und sicherlich auch nicht die am Besten investierten. Ist die Stabilität Griechenlands wichtiger, als das Leben von Millionen Menschen, um mal eine moralgeschwängerte Frage zu stellen? Ist es sogar so viel Wichtiger, dass unsere Regierungen bereit sind, vermutlich wirkungslose zig Milliarden in die Stabilität eines States zu pumpen, der vermutlich besser dran wäre mit einer Umschuldung, als mit ein paar hundert Millionen (!) das Leben von Millionen zumindest mittelfristig zu retten oder zu stabilisieren? Selbst 4 oder 5 Milliarden wären potenziell und schnell für Afrika zur Verfügung zu stellen, wenn Leben wieder wichtiger wären als Finanzmärkte und Bonität von Staaten die hoffnungslos verschuldet sind. Warum lassen wir so ein Handeln mit den von uns finanzierten Steuermilliarden zu? Warum empören wir uns nicht darüber? Man kann die Frage stellen, was es bringen sollte, Milliarden in korrupte afrikanische Systeme zu investieren, mal den Pessimismus vorausgesetzt, dass die Hilfsgelder nicht durchkommen. Aber die Frage über die korrupten Systeme stellt sich am Ende bei europäischen Angelegenheiten auch niemand. Und dafür wird wesentlich viel mehr Geld verplempert. Am Ende sollte doch der Mensch und die Humanität das Maß aller Dinge bleiben... Bleibt mir am Ende nicht viel mehr übrig, als als Privatperson zu spenden, weil die Regierungen bei tatsächlicher Nothilfe handlungsunfähig sind? Zumindest das habe ich getan. Ich hoffe es hilft wenigstens einigen Menschen.
5. -
Willie, 26.07.2011
Zitat von archieDas wäre doch was für unsere neue Freiwilligen-Armee. Spätestens wenn die Afg-Mission beendet ist, wird sowieso eine neue Aufgabe für unser Soldatinnen und Soldaten benötigt.
Warum nicht mal Russland und China? Koennen die keine humanitaeren Missionen? Geht denen das am A... vorbei?
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Internet: www.welthungerhilfe.de

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Internet: www.plan-deutschland.de

Kindermissionswerk Die Sternsinger

Stichwort: "Hunger Ostafrika"

Pax-Bank eG

Konto 1031

BLZ 37060193

Internet: www.sternsinger.org

Save the Children

Stichwort: "Horn von Afrika"

Bank für Sozialwirtschaft

Konto 929

BLZ 10020500

Internet: www.savethechildren.de

SOS-Kinderdörfer weltweit

Stichwort: "Notfhilfe Ostafrika"

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BLZ 70070010

Internet: www.sos-kinderdoerfer.de


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