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Hungerstreik: Holocaust-Überlebende protestiert gegen Verbot von Gaza-Gedenkmarsch

Eine 85-jährige Überlebende des Holocaust ist in Kairo in Hungerstreik getreten. Sie protestiert damit gegen das Verbot eines Gedenkmarsches zum ersten Jahrestags der Gaza-Offensive. Mehrere andere ältere Menschen schlossen sich der gebürtigen Deutschen an.

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AFP

Hedy Epstein: Hunger-Striker for Gaza

Kairo - Hedy Epstein isst nichts mehr. Sie sitzt auf einem Stuhl vor dem Uno-Gebäude in Kairo und hofft, dass die ägyptischen Behörden dem Druck einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden nachgeben. Ein rosafarbenes Schild trägt sie vor ihrer Brust. Darauf steht: "Hedy Epstein Hunger-Striker for Gaza".

Sie habe am Montag die Nahrungsaufnahme eingestellt, weil die Behörden den von mehreren internationalen Organisationen organisierten Gedenkmarsch zum Gaza-Streifen untersagt hätten, sagte die 85-Jährige. "Ich habe das noch nie gemacht, ich weiß nicht, wie mein Körper reagieren wird." Epsteins aus Freiburg im Breisgau stammende Familie war von den Nazis umgebracht worden, Epstein selbst entkam 1939 nach England. Seit den siebziger Jahren reist sie um die Welt, um über die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu berichten.

Mit Epstein traten einige weitere ältere Menschen in den Hungerstreik. Sie versammelten sich mit hunderten weiteren Aktivisten vor dem Uno-Büro in Kairo, nachdem sie die Vereinten Nationen um Vermittlung in dem Streit gebeten hatten. Einige Teilnehmer der Kundgebung schwenkten eine große Palästinenserflagge, in Sprechchören forderten die Aktivisten in verschiedenen Sprachen "Freiheit für den Gaza-Streifen".

Vergangene Woche hatten 1400 Aktivisten aus 43 Ländern einen Gedenkmarsch in Rafah, einer teils in Ägypten, teils im Gaza-Streifen gelegenen Stadt, angekündigt. Die ägyptischen Behörden hatten die Kundgebung jedoch mit Verweis auf die "sensible Lage in diesem Gebiet" verboten. Jede Zuwiderhandlung werde geahndet. Die Zahl der Straßensperren in dem Gebiet sei erhöht worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte.

Israel hatte am 27. Dezember 2008 die Offensive "Gegossenes Blei" im Gaza-Streifen begonnen, um die Raketenangriffe aus dem Gebiet auf israelischen Boden zu unterbinden. Bei der dreiwöchigen Militäraktion wurden mehr als 1450 Palästinenser getötet.

ler/AFP

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Nahost-Konflikt
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Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
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