Washington - "Es hat absolut keinen schlechten Umgang mit Koranausgaben gegeben", sagte John Kelly, der als Chef der US-Truppen in Lateinamerika für das US-Gefangenenlager auf Kuba zuständig ist. "Kein Koran wurde entweiht oder in irgendeiner Form unrechtmäßig behandelt." Damit dementierte das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch, in Guantanamo werde respektlos mit dem Koran umgegangen.
Vor gut zwei Wochen waren im umstrittenen Gefangenenlager auf Kuba zahlreiche Häftlinge in den Hungerstreikt getreten. Acht Hungerstreikende müssten künstlich zwangsernährt werden, sagte der Militärsprecher Jeff Pool.
Die Organisation Center for Constitutional Rights (CCR), die mehrere der 166 Guantanamo-Häftlinge vertritt, sagte, der Grund für den Streik sei die Durchsuchung und Beschlagnahmung von persönlichen Dingen wie Briefen oder Fotos. Dabei sollen Wärter auch unangemessen mit Koranausgaben umgegangen sein. Einige Häftlinge hätten bereits mehrere Dutzend Kilogramm Gewicht verloren, sagte CCR. Den Behörden warf die Organisation vor, das Ausmaß des Protestes zu verschleiern.
Kelly sagte am Mittwoch vor einem Kongressausschuss in Washington, die Häftlinge wollen mit dem Hungerstreik öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Haftbedingungen erregen. Nach Informationen des Pentagon hätten einige Häftlinge und ihre Anwälte große Hoffnungen darauf gesetzt, dass Guantanamo geschlossen werde. Nun hätten sie ihren Optimismus verloren, da US-Präsident Barack Obama sein ursprüngliches Vorhaben in seiner Antrittsrede zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar nicht bekräftigt habe.
Das Schließen des Lagers, das der republikanische Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte einrichten lassen, war eines der großen Wahlkampfversprechen Obamas vor gut vier Jahren. Bereits einen Tag nach seinem Amtsantritt unterschrieb er ein entsprechendes Dekret, konnte es aber dann wegen massiven Widerstands im Kongress nicht umsetzen. Viele Gesetzgeber lehnten eine Verlegung der Gefangenen auf amerikanischen Boden ab.
sun/AFP/dpa/Reuters
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