Wirbelsturm "Florence" Trumps Bewährungsprobe

Donald Trump will in der kommenden Woche selbst ins Katastrophengebiet reisen. Der US-Präsident fürchtet, "Florence" könnte negative Folgen für sein Image haben. Bringt ihm der Sturm politische Probleme?

Donald Trump
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Donald Trump

Von , New York


Das Wasser ist schlimmer als der Wind. Als "Florence" die US-Ostküste erreichte, bei Wilmington in North Carolina, hatte sich der Hurrikan abgebremst, auf die schwächste Kategorie der Sturmskala. Immerhin, das waren noch gewaltige Böen. Doch was die mit sich brachten, machte den Leuten noch viel mehr Angst.

Enorme, anhaltende Sturmfluten schoben sich vom Atlantik auf die Strände von North und South Carolina zu und dann die Flüsse hoch. Zugleich begannen beispiellose Regenfälle: Die Meteorologen fürchten, dass an einigen Orten an einem einzigen Tag so viel Niederschlag fallen könnte wie sonst in acht Monaten. Auch landeinwärts noch, Hunderte Kilometer von der Küste entfernt.

"Florence" überwältigt seit Freitag mehrere US-Südstaaten. Doch die Auswirkungen waren auch weiter nördlich zu spüren, in Washington. Dort kämpfte die Regierung mit der Organisation ihres bisher größten Katastropheneinsatzes - und zugleich mit einem zornigen Präsidenten Donald Trump, für den "Florence" zum selbst verschuldeten Politikum wurde.

"Florence" aus dem All
REUTERS

"Florence" aus dem All

Dabei half das den Betroffenen am wenigsten. Mindestens fünf Menschen starben an den Folgen des Sturms, Hunderttausende hatten keinen Strom, zahllose waren eingeschlossen. Fast 4000 zivile Rettungskräfte waren im Einsatz, darunter 1100 Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde Fema. Hinzu kamen mehr als 7100 Mitglieder der Küstenwache und 560 Mediziner.

North Carolinas Gouverneur Roy Cooper, der "Florence" ein "Monster" nannte, warnte: "Der Sturm wird seine gewaltsame Walze noch tagelang fortsetzen." Denn "Florence" ist enorm groß - und so langsam, dass er fast auf der Stelle tritt, ohne dass der Regen nachlässt. Die Überschwemmungen könnten 48 Stunden anhalten.

Trump will nach Angaben des Weißen Hauses kommende Woche selbst ins Sturmgebiet reisen. Ansonsten behandelte er den Hurrikan jedoch in erster Linie als politischen Zankapfel - und persönlichen Affront.

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Hurrikan "Florence": Land unter an der Ostküste

Seit Tagen war er wie besessen davon, welche Folgen der Sturm auf sein Image haben könnte. Dazu scheute er auch vor absurden Verschwörungstheorien nicht zurück.

So verwies er auf den Hurrikan "Maria", der voriges Jahr Puerto Rico verwüstete. Die US-Karibikinsel leidet bis heute an den Folgen - auch weil die staatliche Hilfe viel zu spät eintraf. Trump hingegen bezeichnete den scharf kritisierten US-Einsatz in Puerto Rico als "unglaublichen, unbeachteten Erfolg", gab sich selbst dafür die Note "A-Plus" und beschuldigte die Demokraten, die offizielle Zahl von 2975 Todesopfern manipuliert zu haben, um ihn "so schlecht wie möglich aussehen" zu lassen: "3000 Menschen starben nicht", twitterte er.

Diese erfundene Behauptung sorgte nicht nur bei den Demokraten, bei Vertretern von Puerto Rico und bei Hinterbliebenen für Entsetzen. Sondern auch bei Trumps Beratern im Weißen Haus, die jeden Kommentar verweigerten.

Stattdessen bemühten die sich - in einer Art Gegenprogramm zu den präsidialen Tweets - um den Eindruck professioneller Betriebsamkeit. Die Presseabteilung des Weißen Hauses verschickte regelmäßige Aufstellungen über die "Florence"-Hilfsmaßnahmen mit Überschriften wie: "Präsident Donald Trump mobilisiert massiven Regierungseinsatz." Auch verteilte sie Fotos von Trump, wie er sich informieren ließ, mit grimmigem Blick und verschränkten Armen.

Auf einem Foto im Oval Office erklärte Vizepräsident Mike Pence ihm die Lage - anhand groß ausgedruckter, anschaulicher Grafiken, die die Schneise des Sturms zeigten.

Doch nicht nur Trump sieht "Florence" als politisch gefährlich. Die Staaten in der Schneise des Sturms - North und South Carolina, Virginia, Georgia sowie später West Virginia und Kentucky - dürften bei den US-Kongresswahlen in weniger als acht Wochen eine wichtige Rolle spielen. Fast alle haben klare republikanische Mehrheiten. Wie die die Lage bewältigen, könnte auch auf die Wahlen abfärben.

"Florence" trifft auf North Carolina
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"Florence" trifft auf North Carolina

Allein in North Carolina könnten die Republikaner mindestens zwei Sitze im US-Repräsentantenhaus verlieren. "Wenn man Regierungsversäumnisse mit einer Prise Herzlosigkeit kombiniert", schreibt das Magazin "Politico", "dann könnte das die Republikaner runterziehen."

Selbst Florida - abseits des Sturmverlaufs - schaut auf "Florence" und die Folgen. Trumps abfällige Äußerungen über Puerto Rico sorgten dort für Unmut: In Florida lebten schon vor "Maria" mehr als eine Million Ex-Puertoricaner - eine Zahl, die sich nach "Maria" um Hunderttausende "Maria"-Flüchtlinge erhöht hat. Viele dürfen wählen.

Ein Thema bleibt jedoch bei allen Diskussionen hier bisher meist ausgeklammert - der Klimawandel, dessen Auswirkungen auf Wirbelstürme wie "Florence" und die Rolle der US-Regierung. "Der Sturm ist wegen des wärmeren Wassers größer, und der Regen wird stärker", sagte der Meteorologe Eric Holthaus im TV-Sender MSNBC. Trump mache dieses Problem durch seine Politik "nur noch schlimmer".

Trump hat die Beteiligung der USA am Pariser Klimaabkommen aufgekündigt und die Öko-Auflagen für Amerikas Auto- und Braunkohleindustrie erheblich reduziert.

insgesamt 27 Beiträge
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Spiegelleserin57 15.09.2018
1. aus dem Klimaabkommen ausgestiegen!
Herr Trump ist ja der Meinung das Klima ändert sich nicht und ist auch aus dem Klimaabkommen ausgestiegen. Wie viele Stürme und Überschwemmungen und Hochwasser müssen noch kommen bis dieser Mann zur Einsicht kommt? Er wird viele Tote zu beklagen haben aber das ist dann halt der Schaden der jedes Jahr durch die Stürme kommt, die kommen ja schon lange. Das wird das Argumentsein obwohl alle Forscher anderer Meinung sind. Dann wird halt die Forschung finanziell nicht mehr gefördert...das ist dann die Folge :)
kuac 15.09.2018
2.
Solche Naturkatastrophen sind nicht sein Ding. Sie kann er nicht als Fakenews bezeichnen oder wegtwittern! Great Hurricane, klingt auch nicht positiv.
io_gbg 15.09.2018
3.
Bewährungsprobe? Wie sollte sich Trump denn bewähren können? Er müsste ja alles umstoßen, wofür er steht. Mir tun die Menschen leid, die unter dem Sturm leiden müssen -- und unter einem unfähigen, bösartigen Präsidenten.
aquarius99 15.09.2018
4. Lasst sie lernen ...
Die Amerikaner haben mehrheitlich einen Mann gewählt, der die Erderwärmung als FakeNews deklariert. Die USA sind schon mehrfach hart von Unwettern getroffen worden, die ohne den Klimawandel in dieser Stärke nicht passiert wären. Daraus hat die Mehrheit der Amerikaner offenbar wenig gelernt (Bundesstaaten wie z.B Kalifornien mit einer guten Umweltpolitik seien hier ausgenommen). Lasst sie doch einfach mit ihrem Präsidenten ein wenig weiterlernen. Solange sollten diese vermeidbaren Unwetter dann auch nicht unsere Schlagzeilen bestimmen. Mitleid ist hier fehl am Platze. Umgekehrt würden die amerikanischen Medien übrigens über ähnliche Katstrophen hierzulande gar nicht berichten, weil den meisten US-Amerikanern der Rest der Welt ziemlich egal ist.
Bueckstueck 15.09.2018
5. Der Clown hat schon versagt
Bei zwei Stürmen über Puerto Rico. Das ist jetzt ein Jahr her und immer noch verrecken US Bürger dort weil sich ihr Präsident nicht für braune Inselbewohner einsetzen mag, die nicht für ihn gestimmt haben (weil sie nicht Wählen dürfen). Wenn er denn dann die Carolinas besucht, wird es natürlich wieder nur um ihn und seinen Ruhm gehen. trump ist mit das Schäbigste was die menschliche Spezies so hervorbringen kann und das demonstriert er Tag für Tag.
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