Hymne für US-Wahlkampf: Obama ist HipHop plus Soul

Von Stefan Simons, Paris

Zitate des US-Präsidenten aus den vergangenen vier Jahren, dazu das Beste aus den Achtzigern und Neunzigern: Drei junge Franzosen aus Bordeaux sampeln eine neue Hymne für Obama. Dass sie es drauf haben, beweist ihr YouTube-Hit "Change has come".  

Wahlkampf in den USA: Hip-Hop für Obama Fotos
REUTERS

Es könnte der Polit-Schlager des Jahres werden: "What more" (Was noch) heißt das musikalische Projekt zweier junger Nachwuchsdesigner, mit dem sie die Wiederwahl von Barack Obama unterstützen wollen. Das Arrangement aus Textstücken, hinterlegtem Sound und fetzigen Rhythmen soll nach dem Wunsch von Mathieu Billon, Tony Jazz und Charlie Léon erklingen, wenn der Präsident nach seiner offiziellen Inthronisierung beim Parteitag der Demokraten als offizieller Wahlkämpfer antritt.

Der Kontakt zwischen dem Start-Up-Unternehmen "On Air" aus Bordeaux und der Demokratischen Partei kam bereits 2008 zustande. Damals hatten die beiden Franzosen, begeistert vom Sieg des ersten schwarzen US-Präsidenten, einen Video-Clip komponiert und ins Internet gestellt. Die Hommage "Change has come", montiert aus TV-Auftritten von Obama und historischen Filmdokumenten und begleitet von Tony Jazz auf Klavier oder Gitarre, wurde über Nacht zum YouTube-Hit. Begeistert war auch die US-Botschaft in Paris, über die kurz darauf Kontakt zu den "Young Democrats" - der Nachwuchsorganisation der US-Regierungspartei - entstand.

Danach blieben die Franzosen mit den Anhängern Obamas per Internet in Verbindung. Und bereits im vergangenen Jahr baten die neuen Freunde von den "Young Democrats" um weitere musikalische Verstärkung für den Wahlkampf ihres Präsidenten.

"Wir waren natürlich mächtig geehrt durch die Bitte", sagt Mathieu Billon, 25, Marketing-Chef der PR-Firma für Akustisches Design, die sonst für Werbeagenturen oder Industrieunternehmen eine "klangliche Identität" erstellt: "Alles zwischen einem Jingle für einen Werbespot bis hin zu einem hörbaren Logo, das etwa die Warteschleife einer Telefonansage begleitet."

Mit seinem Kompagnon Tony Jazz, Absolvent des nationalen Konservatoriums, und Assistentin Charlie Léon, 22, begann Billon die Suche nach geeigneten Aussagen Obamas für eine visionäre und zeitlose Wahlkampfaussage: Sie sichteten Stunden von TV-Nachrichten und -Dokumentationen, hörten Radiosendungen ab und fischten im Internet nach sprachlichen Versatzstücken.

Soul plus HipHop plus Textbausteine

"Der entscheidende Vorteil bei Politikern ist", so Billon, der sich während seiner Ausbildung an der INSEEC-Business School auch mit Urheberrecht befasst hatte, "dass ihre Reden und Mitteilungen 'public domain' sind - und damit frei verfügbar."

Die Textbausteine aus den vergangenen vier Jahren sind ausgewählt, nun werden sie akustisch von störenden Hintergrundgeräuschen gereinigt, zusammengeschnitten und dann musikalisch unterlegt. Dafür zuständig ist Tony Jazz: Der 27-jährige Künstler mit dem Rasta-Look kennt Amerika aus eigener Anschauung und ergänzte "gesampelte Soul-Stücken der achtziger und neunziger Jahre" um vibrierende Hip-Hop-Motive. Von den US-Freunden gewünscht wird nämlich ein "frischer, fortschrittlicher Sound".

Die Komposition, vorläufig noch unter Verschluss, wollen die Musik-Mixer ihren Kumpeln von den Young Democrats "spätestens im März" abliefern, "damit das Material rechtzeitig für die heiße Phase des Wahlkampfs zur Verfügung steht". Ein Honorar wollen die Franzosen für ihre Arbeit nicht verlangen.

"Das ist ein Geschenk", sagen die Obama-Fans aus Bordeaux. "Es wäre ja schon ein toller Erfolg, wenn unsere Musik dann tatsächlich auch während der Kampagne gespielt würde", hofft Billon, der sich nichts lieber wünschte, als "einmal Obama persönlich gegenüberzutreten".

Politisch festgelegt ist der PR-Mann jedoch nicht. Würde er auch für französische Politiker musikalische Begleitung kreieren? Vielleicht sogar für Präsident Nicolas Sarkozy? "Warum nicht", sagt Billon selbstbewusst, "aber dann nur als Geschäft und gegen Honorar."

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
frubi 16.01.2012
Zitat von sysopZitate des US-Präsidenten aus den vergangenen vier Jahren, dazu das Beste aus den Achtzigern und Neunzigern: Drei junge Franzosen aus Bordeaux sampeln eine neue Hymne für Obama. Dass sie es drauf haben, beweist ihr YouTube-Hit "Change has come". * Hymne für US-Wahlkampf: Obama ist HipHop plus Soul - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808595,00.html)
Und wen wollen die noch davon überzeugen, dass Obama wirklich etwas "changen" kann? Das einzig revulotionäre an ihm ist seine Hautfarbe und das war es aber auch schon. Er hat weder die Finanzhaie aus der Regierung geworfen oder Guantanamo geschlossen. Ich jedenfalls wurde das letzte mal von einem Politiker durch dumpfe Aussagen geblenden. Danke, Obama. Das passiert mir nun nicht noch einmal.
2. Mr. Soul?
kuchenjohnny 16.01.2012
Obama = Wall Street + Krieg
3. ...
rufus008 16.01.2012
Zitat von frubiUnd wen wollen die noch davon überzeugen, dass Obama wirklich etwas "changen" kann? Das einzig revulotionäre an ihm ist seine Hautfarbe und das war es aber auch schon. Er hat weder die Finanzhaie aus der Regierung geworfen oder Guantanamo geschlossen.
Der US-Präsident ist kein Alleinherrscher, hat Dank "checks & balances"sogar vergleichsweise wenig Macht. Ohne Unterstützung des Kongresses sind viele Dinge schlicht und ergreifend nicht durchsetzbar.
4.
forza__nulldrei 16.01.2012
Zitat von frubiUnd wen wollen die noch davon überzeugen, dass Obama wirklich etwas "changen" kann? Das einzig revulotionäre an ihm ist seine Hautfarbe und das war es aber auch schon. Er hat weder die Finanzhaie aus der Regierung geworfen oder Guantanamo geschlossen. Ich jedenfalls wurde das letzte mal von einem Politiker durch dumpfe Aussagen geblenden. Danke, Obama. Das passiert mir nun nicht noch einmal.
Wie soll er auch was ändern, wenn er doch auch voll hinter dem glorreichen System freie Marktwirtschaft steht?! Bei uns säße er im Bundestag, obwohl als "links" (was schon fast anmaßend ist, sich dort so zu bezeichenen) in Amerika geltend, rechts außen. Das hätte man mit Sicherheit schon 2008 sehen können! Anstatt dessen, haben wir - und ich muss gestehen, ich auch - uns blenden lassen. Am Ende ist dann nichts sonderlich besseres oder schlechteres bei rausgekommen, als man das von einem demok. Präsidenten erwarten konnte. Nichtsdestotrotz ist er allemal die bessere Variante für die Welt und Amiland, als noch so ein schießwütiger, religiöser Irrer aus dem rep. Lager.
5. Sprachlos ...
blackstar2000 16.01.2012
Zitat von sysopZitate des US-Präsidenten aus den vergangenen vier Jahren, dazu das Beste aus den Achtzigern und Neunzigern: Drei junge Franzosen aus Bordeaux sampeln eine neue Hymne für Obama. Dass sie es drauf haben, beweist ihr YouTube-Hit "Change has come". * Hymne für US-Wahlkampf: Obama ist HipHop plus Soul - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808595,00.html)
Ist SPON jetzt offiziell in Obamas Wahlkampf-Team??!
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