IAEA-Bericht Iran soll an Atombombe gearbeitet haben

Die Internationale Atomenergiebehörde zeigt sich "ernsthaft besorgt": In ihrem jüngsten Bericht präsentiert sie Erkenntnisse zum Stand des Nuklearwaffen-Programms in Iran. Zumindest bis 2010 arbeitete das Land demnach an der Entwicklung einer Atombombe.

IAEA-Direktor Amano: Beunruhigt über Irans Atomwaffenprogramm
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IAEA-Direktor Amano: Beunruhigt über Irans Atomwaffenprogramm


Wien - Erstmals macht die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in ihrem jüngsten Bericht relativ eindeutige Aussagen zur Existenz eines Atomwaffenprogramms Irans: "Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat", erklärt IAEA-Chef Yukiya Amano. Der Bericht wurde von der Behörde noch nicht offiziell vorgelegt, am Dienstagabend zitierten jedoch mehrere Nachrichtenagenturen aus dem Papier.

Während einige der vermuteten iranischen Aktivitäten in dem Bereich friedlichen Zwecken dienen könnten, so heißt es weiter, seien andere "atomwaffenspezifisch". Der Behörde liege eine Reihe von Hinweisen und "vertrauenswürdigen Informationen" vor, dass das Land bis 2010 verschiedene Projekte und Experimente zur Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes durchführte. Zumindest bis zum vergangenen Jahr arbeitete Iran demnach an der Entwicklung einer Atombombe.

Den Erkenntnissen der IAEA zufolge hat Iran bei seinen Arbeiten an Atomwaffen auch Komponenten getestet. Unter anderem seien Experimente mit starkem Sprengstoff ein wesentliches Indiz für diese Waffenentwicklungen. Besonders beunruhigt sei die IAEA über Studien zu atomaren Bauteilen aus den Jahren 2008 und 2009. Dem Bericht zufolge könnte ein Teil der Arbeiten andauern.

Israel: "Freie Welt mobilisieren"

Der Bericht war diesmal mit besonderer Spannung erwartet worden. Israels Staatspräsident Schimon Peres hatte einen möglichen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen angedroht, sollte es neue Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm geben. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte sich am Dienstag aber bemüht, Sorgen vor einem unmittelbar bevorstehenden Krieg mit Iran zu zerstreuen. "Ein Krieg ist kein Picknick, und wir wollen keinen Krieg", sagte Barak dem israelischen Rundfunk.

Mehrere Zeitungen hatten im Vorfeld berichtet, die IAEA habe zahlreiche Belege, dass Iran systematisch Atomwaffen entwickelt. Teheran hatte bislang stets erklärt, dass sein Atomprogramm lediglich zivilen Zwecken diene.

Israel reagierte zunächst nicht offiziell auf den IAEA-Bericht. Mark Regev, ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sagte am Dienstagabend, es werde keine "automatische Reaktion" geben. Israel müsse den Bericht erst studieren.

Die israelische Oppositionsführerin Zipi Livni hat sich für eine internationale Zusammenarbeit ausgesprochen, um das iranische Atomwaffenprogramm zu stoppen. Die ehemalige Außenministerin sagte nach Angaben der Nachrichtenseite ynet am Dienstagabend: "Jetzt, wo die Wahrheit vor den Augen der Welt aufgedeckt wurde, muss Israel die freie Welt mobilisieren, um Iran zu stoppen." Dazu seien "Entschlossenheit und politische Klugheit" notwendig.

USA: "Druck auf Iran verstärken" - Scharfe Kritik aus Russland

Die USA haben nach dem IAEA-Bericht weitere Sanktionen gegen Teheran angedroht. "Wir werden den Druck aller Voraussicht nach verstärken", sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Dienstag in Washington. "Wir schließen nichts aus, wenn es um Sanktionen geht", ergänzte er. Maßnahmen sollten aber mit anderen Staaten abgesprochen werden.

Die westlichen Länder und Israel unterstellen Teheran schon länger, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomkraft ein Arsenal an Atomwaffen aufzubauen. Internationale Gespräche über das iranische Atomprogramm waren zuletzt im Januar gescheitert. Die internationale Gemeinschaft will Iran unter anderem mit Sanktionen dazu bewegen, das Programm zur Urananreicherung einzustellen - die Sorge steigt aber, dass diese Maßnahmen erfolglos bleiben. Russland, Frankreich und Deutschland warnten unterdessen eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gegen Iran.

Russland hat die IAEA wegen ihres Berichts zum iranischen Atomprogramm scharf kritisiert. Die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt sei destruktiv, weil damit die Chancen auf einen Dialog zwischen den internationalen Vermittlern und der Führung in Teheran noch geringer würden. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit. Russland sei von dem Schritt enttäuscht und befremdet. Den Bericht selbst wollte Moskau nicht kommentieren. "Wir müssen das Dokument, das wir bisher nicht vollständig erhalten haben, erst sorgfältig studieren", hieß es.

Erst eine Analyse werde zeigen, ob die Vorwürfe gegen Iran glaubwürdig seien oder nur Emotionen gegen Teheran schüren sollen. Berichte über eine angebliche Mitwirkung russischer Forscher am iranischen Atomprogramm seien weder neu noch sensationell, teilte das Ministerium mit. Die vielen Spekulationen um den Bericht in den vergangenen Tagen seien ein Fehler gewesen. "Das Rätselraten hat die Situation rund um das Atomprogramm nur noch zugespitzt. Diese Gerüchte haben der IAEA keine Ehre gemacht", hieß es in Moskau.

lgr/dpa/AFP/Reuters/dapd

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marthaimschnee 08.11.2011
1. Iran soll an Atombombe gearbeitet haben
So wie der Irak an Massenvernichtungswaffen?
PeaceNow 08.11.2011
2.
Indizien, Informationen von irgendwelcehn"Quellen"?, welchen denn?, etw den selben wie damals bei den Brutkastenmärchen in Kuwait, Hufeisenplanmärchen im Kosovo oder Massenvernichtungswaffenmärchen im Irak?. Dieser Bericht ist eine jemmerliche Farce, keine Quellen und Bewiese werden genannt, nur Mutmaßungen, Untersrellungen und wilde Spekulationen. Tests von hochexplosivem Sprensgtoff sollen also ein Beweis für ein Atomwaffenprogramm sein?, LOL, solche Sprengstoffe testet man u.a. völlig üblich für panzerbrechende Waffen, Realtivpanzerungen, konventionelle Sprengköpfe uva. Da der Iran offensichtlich nichts illegales tut und man seit 10 Jahren somit erfolglos die smoking Gun sucht, will man diese nun eben selbst produzieren um den gewollten Krieg gegen den Iran beginnen zu können.
makutsov 08.11.2011
3. Finger
Den Mullahs sollte man auf jeden Fall auf die Finger klopfen. Ein Iran mit Atomwaffen wird zu einer atomaren Bewaffnung der ganzen Region führen, und das kann keiner wollen.
Dette 08.11.2011
4. Not again...
Haben wir alles schon mal gehört.....
dingodog 08.11.2011
5. Etwas eigenartig...
... einem Land ein geheimes Atomprogramm vorzuwerfen, aber selbst dutzende bis hunderte Atomsprengköpfe geheim gebaut zu haben. Nicht dass ich Iran irgendwie verteidigen möchte - der religiöse Nomenklatura dort wünscht man sicher nichts gutes - aber deren Motivation zur Atomwaffenforschung ist sicher zu einem Gutteil dieselbe Angst, die die Eliten in der Sowjetunion der späten Stalinzeit hatten. Man geht von sich und seinem Hass auf den Gegner aus und erwartet von der anderen Seite dasselbe. Stabil ist am Schluss nur das Gleichgewicht des Schreckens. Ein "Enthauptungsschlag" würde langfristig nichts bringen, und kurzfristig einen die ganze Region umfassenden Krieg.
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