IAEA-Bericht Iran steigert Uran-Produktion deutlich

Die internationale Atomenergiebehörde hat schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran erhoben: Iran hat demnach seine Uran-Produktion rapide erhöht. Wegen der möglichen militärischen Dimension des Atomprogramms sind die IAEA-Experten ernsthaft besorgt.

Iranische Atomtechniker: IAEA-Experten sind besorgt
AFP

Iranische Atomtechniker: IAEA-Experten sind besorgt


Wien - Iran hat nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA die Urananreicherung deutlich gesteigert. Das Land habe seine Kapazitäten zur höherprozentigen Anreicherung verdreifacht, heißt es in einem am Freitag in Wien veröffentlichten Bericht der IAEA. Die Fähigkeit Irans, Uran auf bis zu 20 Prozent anzureichern, hat in der westlichen Welt Besorgnis ausgelöst, weil es die Möglichkeit zur Herstellung waffenfähigen Urans verbessert. "Die Behörde hat weiter ernsthafte Sorgen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms," heißt es in dem Bericht.

Am Abend äußerte sich auch die Bundesregierung besorgt über die neuen Erkenntnisse der IAEA. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte: "Wir glauben, Iran sollte langsam verstehen, dass der Schlüssel, um die Sanktionen zu beenden, in seinen eigenen Händen liegt. Iran muss mit der IAEA zusammenarbeiten."

Nach dem IAEA-Bericht hat das Land die Zahl der leistungsfähigen Zentrifugen in der unterirdischen Anlage Fordo verdoppelt und mehr als 100 Kilogramm höher angereichertes Uran hergestellt. Das sei weniger als die Hälfte der Menge, die für einen atomaren Sprengkopf nötig ist. Laut der Atomenergiebehörde fehle jedoch eine glaubhafte Erklärung Teherans für verschwundenes Uranmetall. Diplomaten zufolge ist es genug, um Experimente zur Bestückung eines Sprengkopfes durchzuführen.

IAEA-Visite ohne Ergebnisse

Ein Expertenteam der IAEA war am Mittwoch ohne Ergebnisse von einer zweitägigen Reise aus Iran zurückgekehrt. Weder konnten die Inspekteure eine Vereinbarung über künftige Lösungswege erzielen noch das Militärgelände Parchin besuchen, wo möglicherweise Tests mit atomaren Sprengköpfen simuliert wurden. Es war bereits die zweite Iran-Reise von Atomexperten innerhalb weniger Wochen, die ohne Ergebnis verlief.

Natur-Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235. Zur Verwendung in Kernkraftwerken muss dessen Konzentration auf 2 bis 5 Prozent erhöht werden. Von hochangereichertem Uran spricht man bei 20 und mehr Prozent. Für Atomwaffen wird das spaltfähige Uran-235 auf mindestens 80 Prozent angereichert. Genutzt werden dafür zum Beispiel Gaszentrifugen.

Der Streit über das Atomprogramm hatte sich jüngst verschärft. Die Europäische Union hat ein Öl-Embargo verhängt und will die Islamische Republik mit dem Ausfall der lukrativen Einnahmen zum Einlenken zwingen. Iran hat seinerseits damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, eine der weltweit wichtigsten Handelswege. Die US-Marine ist mit einem Verband in der Region und hat ankündigt, die Wasserstraße offen zu halten. Israel, dem Iran regelmäßig mit Vernichtung droht, spekulierte zuletzt offen über einen präventiven Militärschlag gegen verdächtige Nuklearanlagen in dem Land.

ler/dpa/dapd/Reuters



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Seite 1
martin-gott@gmx.de 24.02.2012
1. Zweifel
Zitat von sysopAFPDie internationale Atomenergiebehörde hat schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran erhoben: Iran hat demnach seine Uran-Produktion rapide erhöht. Wegen der möglichen militärischen Dimension des Atomprogramms sind die IAEA-Experten ernsthaft besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817476,00.html
Es dürfte auf Dauer unmöglich sein die Verbreitung einer bald 70 Jahre alten Technologie zu verhindern. Dazu kommt das der Westen durch sein Eigreifen in Libyen seine Verhandlungsposition weiter verschlechtert hat. Denn jetzt wissen die Iraner das mögliche Garantien im Ernstfall keinen Wert haben. Europa sollte statt mit leichten Truppen überall auf der Welt endlose unnötige lange Kriege durchzuführen lieber in eine europäische Atomstreitmacht und in ein vernünftiges Raketenabwehrsystem investieren.
weichabergerecht 24.02.2012
2. Ceterum censeo
Zitat von sysopAFPDie internationale Atomenergiebehörde hat schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran erhoben: Iran hat demnach seine Uran-Produktion rapide erhöht. Wegen der möglichen militärischen Dimension des Atomprogramms sind die IAEA-Experten ernsthaft besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817476,00.html
Bald kommen wieder die gewohnten Kommentare unbelehrbarer Foristen, dass es damals in Irak genauso war, und das es kein Beweis gäbe für Irans Nuklearaufrüstung, und wenn doch, dann hätte der Iran auch das Recht dazu und vom Iran sei noch nie ein Krieg ausgegangen und die Drohungen Israel von derLandkarte zu tilgen nicht so gemeint waren u.s.w. und überhaupt... Für alle anderen, die noch ein wenig Hirnschmalz rekrutieren können wird wohl almählich klar, dass es nicht fünf vor sondern eher fünf nach zwölf ist, und die Entwaffnung der apokalyptischen Mullahs eine absolut dringende aber auch machbare Aufgabe ist. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Nachkommen der Auschwitzüberlebenden in Zusammenarbeit mit den USA und einiger Allierter sich zur einzig sinnvollen Problemlösung aufraffen: der baldigen und gründlichen Beseitigung des iranischen Nukleararsenals samt seiner Bedienung, Planer und v.a. Befehlshalber.
Achmuth_I 24.02.2012
3. Mehr als schwierig...
Zitat von sysopAFPDie internationale Atomenergiebehörde hat schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran erhoben: Iran hat demnach seine Uran-Produktion rapide erhöht. Wegen der möglichen militärischen Dimension des Atomprogramms sind die IAEA-Experten ernsthaft besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817476,00.html
...sich hier in die Lage betroffener Staaten wie z.B. Israel hineinzuversetzen. Zum Glück bin ich kein Entscheider. Scheinheiliger nicht betroffener Heraushalter will ich aber auch nicht sein. Iranisches Recht auf Militär wie es für alle anderen gilt, kann ich auch nicht absprechen. Es gibt hier nach meiner Auffassung kein Richtig und kein Falsch. Daher sehe ich in diesem Aspekt für uns gerechtfertigt nur die eigenen Interessen abzuwägen. Sind diese Heraushaltung und nichts Tun und Riskieren oder sind diese Vermeidung künftigen Konfliktpotentials wenn es dem Irak gelingen sollte seine Waffen auf Langstreckenraketen zu schrauben. Irgendwie nicht einfach!
bettercentury.blogspot 24.02.2012
4. WAS denn nun?
der autor widerspricht sich selbst, wenn einerseits gesagt wird, iran hätte genug angereichertes uran für eine halbe atombombe, drie sätze weiter jedoch gesagt wird, dass man für a-bomben eine anreicherung von 80% benötigt, der iran jedoch nur 20%-iges uran hat.
silverhair 24.02.2012
5.
Zitat von martin-gott@gmx.deEs dürfte auf Dauer unmöglich sein die Verbreitung einer bald 70 Jahre alten Technologie zu verhindern. Dazu kommt das der Westen durch sein Eigreifen in Libyen seine Verhandlungsposition weiter verschlechtert hat. Denn jetzt wissen die Iraner das mögliche Garantien im Ernstfall keinen Wert haben. Europa sollte statt mit leichten Truppen überall auf der Welt endlose unnötige lange Kriege durchzuführen lieber in eine europäische Atomstreitmacht und in ein vernünftiges Raketenabwehrsystem investieren.
Was soll den eine Atomstreitmacht sein? Man kann keine Kriege mit Atomwaffen führen - man ist nur als zweiter Tod! und Raketenabwehrsysteme? Wofür? Soweit es balistische Sprenköpfe sind helfen die ihnen auch nicht, und wenn sie zu nah abgeschossen wurden auch nicht! Und welche Garantien? Den "Wir lassen die Menschen in den ländern verrecken nur um die Diktatoren zu schonen"? Auch ein letztlich inzwischen sinnloses Unterfangen - das ist alles noch eine geistige Denkweise die längst von der Realiät auf dieser Welt überholt ist! Was die Amis in Vietnam, im Irak , in AFG lernen musten , und die Deutschen jetzt auch, ist das es keine gewinnbaren Kriege mehr gibt - die Zeiten dafür sind einfach vorbei!
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