IAEA-Chef Baradei "Ein Atomkrieg rückt näher"

Nach Ansicht von Mohammed al-Baradei war die Gefahr eines Atomkriegs "noch nie so groß wie heute". Besonders beunruhigt ist der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde über neue Erkenntnisse über den illegalen Handel mit Nukleartechnik.


IAEA-Chef Baradei
DPA

IAEA-Chef Baradei

Hamburg - "Ein Atomkrieg rückt näher, wenn wir uns nicht auf ein neues internationales Kontrollsystem besinnen», sagte IAEA-Chef Baradei in einem Gespräch mit dem SPIEGEL.

"Es ist ein atomarer Schwarzmarkt entstanden, vorangetrieben von einer fantastischen Cleverness", klagt der ägyptische Diplomat. "Da werden in dem einen Land Pläne gezeichnet, in einem anderen Zentrifugen produziert, die über einen dritten Staat verschifft werden - an einen unklaren Endabnehmer. Beteiligt sind geschäftstüchtige Nuklearexperten, skrupellose Firmen, womöglich auch Staatsorgane. Offensichtlich haben die internationalen Exportkontrollen in den letzten Jahren völlig versagt."

Baradei zum SPIEGEL: "Ich habe Angst davor, dass Atomwaffen in die Hände von Diktatoren oder Terroristen fallen."

"Man muss leider zugeben", erklärte Baradei, dass die IAEO-Kontrolleure "es nicht geschafft haben", Pakistan, Indien und Israel "an der Entwicklung der Bombe zu hindern". Auch die von den USA derzeit entwickelten so genannten taktischen "Mini Nukes" könnten die Hemmschwelle für einen nuklearen Vernichtungsschlag senken. Baradei kritisiert das amerikanische Bemühen, die Abrüstungsmaßnahmen anderer Nationen zu beaufsichtigen: "Für so was ist meine Behörde verantwortlich und niemand anders."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.