Rechte Anti-Flüchtlings-Aktivisten Zwischenstopp Hafenkante

Die Identitäre Bewegung will Flüchtlinge im Mittelmeer stoppen. Doch die ultrarechte PR-Show stößt auf Hindernisse - ein gechartertes Schiff hängt in Nordzypern fest. Ist die Reise schon zu Ende?

Gechartertes Schiff "C-Star"
DPA

Gechartertes Schiff "C-Star"


Famagusta in der Türkischen Republik Nordzypern ist ein malerisches Hafenstädtchen mit vielen Moscheen, Kirchen und umgeben von einer mittelalterlichen Mauer. Mitglieder der rechten Gruppe "Defend Europe" saßen dort zuletzt unfreiwillig mit dem gecharterten Schiff "C-Star" fest, nachdem der Kapitän sowie neun Besatzungsmitglieder festgenommen und ein Haftbefehl für einen Tag angeordnet worden war.

Die Crew ist nun offenbar aber wieder auf freiem Fuß und soll die territorialen Gewässer Nordzyperns verlassen, wie Rasih Resat, der Chefredakteur der Tageszeitung "Kibris Postasi", dem SPIEGEL berichtete. Die Nachrichtenagentur AFP meldete dagegen unter Berufung auf die gleiche Zeitung, ein Gericht habe angeordnet, dass die zehn Besatzungsmitglieder weitere 24 Stunden in Haft bleiben sollten. Die lokalen Behörden waren bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Hinter der Aktion der Gruppe "Defend Europe" stehen unter anderem deutsche, österreichische und französische Mitglieder der Identitären Bewegung, die in Deutschland wegen ihrer völkischen Ideologie vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Mit dem gecharterten Schiff wollen sie Flüchtlinge an der Überfahrt über das Mittelmeer bis Europa hindern und nach Libyen zurückbringen.

Getty Images

Zu den Hintergründen der kurzzeitigen Festnahme liegen verschiedene Berichte vor. Die Zeitung "Yeni Düzen" meldete unter anderem, die Besatzung sei der Dokumentenfälschung beschuldigt worden. Die "taz" berichtete dagegen unter Berufung auf eine Nichtregierungsorganisation, dem Kapitän sei Schlepperei vorgeworfen worden.

Besonders im Fokus der Behörden standen Matrosen, bei denen es sich nach Angaben von "Defend Europe" um insgesamt 20 Tamilen,"angehende Seemänner", handeln soll. Sie seien auf dem Schiff der Identitären zusätzlich zu der regulären Crew mitgefahren, um Seemeilen zu sammeln und hätten dafür auch gezahlt. In Nordzypern seien sie schließlich von Bord gegangen. Vom Flughafen Ercan aus hätte die Gruppe zurück in ihre Heimat fliegen wollen.

Fotostrecke

4  Bilder
Identitäre Bewegung: Aktion im Mittelmeer geplant

Dort seien die Männer aber von nicht näher genannten Mitarbeitern verschiedener NGOs angesprochen worden, behauptete ein Sprecher der Gruppe "Defend Europe" gegenüber dem SPIEGEL.

Nur 15 Männer aus der Matrosengruppe hätten die Reise "in ihre Heimat" angetreten, fünf andere seien hingegen mit einem "Batzen Geld" dazu überredet worden, die NGO-Mitarbeiter auf eine Polizeiwache zu begleiten. Dort hätten sie Asylanträge gestellt und den Kapitän sowie die restliche Mannschaft unter anderem des "Menschenschmuggels" beschuldigt. Die Polizei hätte nach Prüfung der Vorwürfe den "Braten aber schnell gerochen" - so lautet die Version der Rechtsextremisten. Man sei optimistisch, dass die Reise bald wie geplant weitergehe.

Die "C-Star" sollte in Sizilien die Aktivisten an Bord nehmen und dann Kurs auf die libysche Küste nehmen. Dort wollten sie die libysche Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen, damit diese die Flüchtlinge zurück in das nordafrikanische Land bringt. Die Rechtsextremisten wollten damit gegen NGOs protestieren, die Flüchtlinge nach Europa bringen.

Schon vergangene Woche hatte die "C-Star" Probleme beim Durchqueren des Suezkanals. Ägyptische Behörden hatten das Schiff zum Ankern gezwungen, weil der Kapitän laut Medienberichten die erforderlichen Papiere nicht vorlegen konnte. Eine Durchsuchung in Ägypten bestätigte demnach die Vorwürfe nicht.

dop/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.